Outdoor-Messer


Autor: Dominik

Hier erfahren Sie alles über Outdoor-Messer: welche Messerarten und Klingenformen es gibt, wofür sie benutzt werden, wie man sie trägt und was überhaupt noch erlaubt ist.

Wenn es einen Gegenstand gibt, den Sie auf die bekannte einsame Insel mitnehmen müssten, um dort ersthaft ihr Überleben zu sichern, wäre dies wohl ein Messer. Ebenso im Alltag zu Hause als auch unterwegs auf Expedition sind wir auf Schneidwerkzeuge angewiesen. Seit der Steinzeit vor 2,5 Millionen Jahren dienen uns Messer der Nahrungsbeschaffung und Lebensmittelzubereitung sowie dem Feuermachen und Bau von Unterkünften; mit Schneidwerkzeugen hat der Mensch sein Existenz gesichert.

1. Messerstähle

Erste Messer aus Metall gab es seit der Bronzezeit, später ab ca. 1000 v.Chr. wurde der erste Stahl hergestellt; Stahl ist eine Eisen-Kohlestoff-Legierung mit bis zu 2% Kohlenstoffgehalt und nachträglich hinzugefügten Legierungselementen, welche, wie auch das Wärmebehandeln, die Eigenschaften entsprechend den Bedürfnissen verbessern. Stahl gilt als fester, aber relativ weicher Werkstoff, welcher sich, bevor er bricht, verformt; je weniger fest er ist, desto höher ist diese Bruchdehnung. Es existieren unzählige Stahlsorten für die verschiedensten Anwendungen, auch werden immer wieder neue Stähle entwickelt.

Die vier wichtigsten Eigenschaften zur Charakterisierung eines Messerstahles sind Schnitthaltigkeit, Zähigkeit, Korrosionsschutz, und Schärfbarkeit; ja nach Vorliebe und Anwendungszweck gilt es, aus diesen Eigenschaften den besten Kompromiss zu finden. DEN ultimativen Messerstahl, d.h. einen Werkstoff bei dem all diese Eigenschaften herausragend gut sind, gibt es nicht, wohl aber einen bestmöglichen Kompromiss für die jeweilige Anwendung. Man muss wissen, was man will und was man dafür bereit ist, in Kauf zu nehmen. Man könnte diesen einen Stahl wohl herstellen oder ausfindig machen, die Industrie jedoch ist daran wenig interessiert. Stähle, welche zur Produktion von Messern verwendet werden, sind überwiegend Werkzeugstähle zur Bearbeitung von Rohteilen oder auch Federstähle, sie werden auf genau diese Eigenschaften hin hergestellt. Dabei unterliegen sie, wie auch die Mode, einem ständigen Wandel. Das perfekte Produkt wäre in der Herstellung sicher unheimlich teuer und würde vermutlich so lange halten, dass niemand mehr ein neues bräuchte – die Industrie würde daran nicht anährend soviel verdienen, wie an Produkten, die immer mal wieder verbessert und durch Verschleiß ersetzt werden müssten. Zudem lohnen sich die hohen Mindestabnahmemengen teurer Stähle nicht für die Messerindustrie; nur selten leistet sich ein Hersteller deren Verwendung.

Grundlegend unterscheidet man zwischen rostfreien (weniger Kohlenstoffanteil macht die Stahl weicher) und nicht rostfreien (höherer Kohlenstoffanteil führt zu mehr Härte) Stählen, wobei aber so gut wie jeder Stahl rosten kann. Und bereits hier gehen die Vorlieben auseinander: den einen stört die Korrosion, für einen rostfreien Edelstahl nimmt er weniger Zähigkeit und Schnitthaltigkeit in Kauf, der andere legt Wert auf maximale Klingen-Performance der rostenden Stähle und schützt oder pflegt das Messer dementsprechend. Weil jede Klinge irgendwann einmal stumpf wird, nützt einem der schnitthaltigste Stahl relativ wenig wenn man diesen nicht ohne weiteres wieder scharf bekommt. Eine Übersicht gängiger Messerstähle würde den Umfang dieses ohnehin bereits sehr umfangreichen Beitrages sprengen.

Hattori – Japanischer Damaszenerstahl
Japanisches VG-10 Laminat aus hartem und weichen Stahl

2. Legierungsbestandteile

Es gibt extrem schnitthaltige Stähle wie den CPM-S110V, welche jedoch wenig zäh sind, zu Ausbrüchen neigen und mitunter nur schwer schärfbar sind; Elmax hingegen bietet bei ähnlicher Schnitthaltigkeit etwas mehr Zähigkeit. CPM-3V ist unglaublich zäh (dreimal mehr als D2), dafür wenig korrosionsbeständig und nur mittelmäßig schärfbar; CPM-M4 noch schnitthaltiger, dafür aber auch wieder weniger zäh, sehr korrosionsanfällig und noch schlechter schärfbar. AUS-8 lässt sich sehr gut schärfen, hält diese Schärfe jedoch nicht besonders lange und ist auch wenig zäh. Wohl kein anderer Stahl ist so korrosionsresistent wie der Salzwassererprobte H1, kein anderer aber auch so wenig schnitthaltig. Es gibt sogenannte Superstähle wie M390, welcher sehr schnitthaltig, gut korrosionsbeständig und ausreichend zäh ist, sich jedoch miserabel schärfen lässt. Sticht eine Eigenschaft besonders positiv heraus, geht dies immer auf Kosten anderer. Eine relativ hohe Korrosionsresistenz bedeutet fast immer eine vergleichsweise geringere Schnitthaltigkeit und umgekehrt. Stähle mit hohem Kohlenstoffanteil lassen sich aufgrund ihres feinen Gefüges sehr scharf schleifen, rosten dafür jedoch im Handumdrehen. Es gibt jedoch auch relativ ausgewogene Stähle, wie den CPM-S30V und dessen minimal zäheren Nachfolger CPM-S35VN; deren Eigenschaften sind alle nicht herausragend, bieten jedoch von jedem relativ gute Werte.

Irgendwann folgt hier mal eine Auflistung der möglichen Zusätze und der daraus resultierenden Eigenschaften!

3. Klingenformen- und Schliffe

Die Klinge ist der wohl wichtigste Bestandteil eines Messers und entscheidet mehr denn alles andere über den Anwendungszweck des Messers; je nach Anwendung wurden unterschiedliche Klingenformen entwickelt, hier die wichtigsten:

  1. Normale Klingenform: gerader Klingenrücken, Schneide mit konvexem Bauch, ideal für Küchenwerkzeuge
  2. Drop-Point Klingenform: leicht konvexer Klingenrücken, massiv & robust, ideal für Jagd, Outdoor, Survival
  3. Clip-Point Klingenform: Klingenrücken mit konkavem Verlauf zur Spitze, falsche Schneide leicht angeschliffen, Bowiemesser
  4. Recurve Klingenform: konkaver Boden in der Schneide, gut für Runde zu schneidene Materialien, Pilzmesser
  5. Swept-Ponit bzw. Skinner Klingenform: Klinge zur Spitze stark konvex geformt, ideal zum Häuten
  6. Up Swept Point Klingenform: Spitze liegt über dem Messerrücken, langer Bauch mit langer Schneide, zum Häuten
  7. Sheepfoot Klingenform: gerade Schneide, Messerrücken verläuft in Bauchform zur Spitze, Segler-, Gemüse- und Rettungsmesser
  8. Spear-Point Klingenform: spezielle Drop-Point-Klinge mit einseitig falscher Schneide, ähnlich symetrisch wie beim Dolch
  9. Utility Klingenform: symetrische Dolchform, aber die obere Schneide ist nur bis zur Klingenmitte geschärft, Kampfmesser, Hirschfänger
  10. Dolch Klingenform: symetrischer Schliff mit Spitze in der Klingenmitte, Kampfmesser
  11. Tanto Klingenform: lange gerade Schneide, extrem stabile Klingenspitze, für Stiche und Hiebe bei Samurai-Kurzschwertern
  12. American Tanto Klingenform: abgeänderte Variante der japanischen Tanto-Form, zwei gerade Schneiden ohne Bauch, Einsatz- und Kampfmesser
Bowie-Messer
Jagd-Messer
Clip-Point und Drop-Point
Clip-Point und Drop-Point
Drop-Point und Clip-Point
Drop-Point und Clip-Point

Klingenschliff

Die unterschiedlichen Schliffe werden im Klingenquerschnitt charakterisiert:

  1. Flachschliff: Klinge verläuft auf beiden Seiten gerade zur Schneide des Messers, beste Allround-Eigenschaften
  2. Konvexer bzw. balliger Schliff: Klinge verläuft nach außen gewölbt (konvex) zur Schneide, robustester Anschliff
  3. Hohlschliff: Klinge verläuft nach innen gewölbt (konkav) zur Schneide, beste Schneideigenschaften
  4. Einseitiger Schliff bzw. Chiselgrind (Meißel): zum präzisen Schneiden und Teilen von Gegenständen
  5. Säbelschliff: wie Flachschliff, nur tiefer vor der Schneide ansetzend
  6. Wellenschliff: erleichtert das Eindringen der Schneide, vor allem in weiches Schneidgut

Klingengriff

Vor allem bei höher belasteten Outdoormessern ist, je nach Anwendungszweck, die Beschaffenheit der Klinge im Griff sehr wichtig; es werden drei Arten unterschieden:

  1. Integral / Full Tang / Flacherl: Die Klinge ist bis zum Griffende durchgehend aus einem Stück, die Griffschalen sind verklebt und/oder vernietet. Solch eine Klinge hält auch höhere Belastungen aus, die Bruchgefahr ist wesentlich geringer als bei den anderen beiden Arten.
  2. Rat Tail / Spitzerl / verdeckter Erl: Die Klinge verjüngt sich mit Beginn des Griffes, der Erl ist schmaler als die Klinge und wird in den Griff eingesteckt und anschließend verklebt.
  3. Runderl / verschraubter Erl: Im Prinzip ähnlich zum Spitzerl, nur ist das Klingenstück im Griff noch schmaler; das Griffende wird zusätzlich verschraubt oder vernietet.

Es gibt jedoch auch hochwertige, meist handgefertigte Küchenmesser in Integral-Bauweise. Diese erhöhte Stabilität wird hier sicher nie benötigt, aber diese Konstruktion ermöglicht auch ein individuelles Austauschen der Griffschalen, und damit einer persönlichen Note.

Wilkins Ryback Series 2
Wilkins Ryback Series 2
Wilkins Ryback Series 2
Kochmesser in Integralbauweise
Wilkins Ryback Series 2
Super Handlage und natürlich sehr scharf

Entsprechend der Bauart besäße das robusteste Messer für anspruchsvolle Outdoor-Tätigkeiten demnach eine Drop-Point-Klinge mit konvexem Schliff in Integral-Bauweise (z.B. mein BUSSE Combat NMSFNO). Allerdings bestimmt vor allem auch der persönliche Geschmack das Messerdesign, viele mögen die Clip-Point-Formen klassischer Bowiemesser (z.B. mein Spyderco Province) und auch ein Jagdmesser (z.B. mein Dawson Big Bear) kann ein gutes Outdoor-Messer sein.

4. Messergriffe

Materialien

Griffe können aus unterschiedlichsten Materialien, sowohl tierischen als auch künstlichen Urpsrungs, bestehen. Hier entscheidet vor allem der persönliche Geschmack; einmal das Design betreffend, zum anderen auch die Handlage selbst.

Dawson Explorer Elite, Mojave 6, Big Bear
Gerber LMF & BMF
Busse Magnum Handles

Naturmaterialien wie Holz und Horn wirken hochwertig und edel, sind aber oft nicht so unempfindlich wie Kunststoffe. G-10 ist unempfindlich gegen Witterung und mechanische Beschädigung, fühlt sich jedoch auch sehr hart in der Hand an. Micarta, ein Verbund aus Leinen oder Canvas mit Epoxydharz fühlt sich hingegen schon etwas “wärmer” an. Paracord kommt eher aus dem taktischen Bereich, füllt die Hand weniger aus und ist sehr scmutzempfindlich. Blanke Griffe, d.h. Metall ohne Ummantelung kann sogar Schmerzen beim Arbeiten mit dem Messer verursachen und ist vor allem bei Nässe und Kälte absolut nicht empfehlenswert.

Paracord, Hirschhorn, Micarta, G-10, Holz
blanker Griff
Paracordwicklung

Daneben gibt es zahlreiche weitere Materialien, immer wieder kommen vor allem neue Kunst- und Verbundstoffe auf den Markt. Letzte Neuerung waren mit Kunstharzen stabilisierte Hölzer, die eine Holzoptik mit den Eigenschaften eines Kunststoffes vereinen.

G-10
Micarta
Holz und Hirschhorn

Das Wichtigste Merkmal für einen Griff sollte seine Handlage sein; der schönste Griff nützt nichts, wenn man aufgrund dessen nicht vernünftig mit dem Messer arbeiten kann. Im Idealfall lässt er Messer und Hand miteinander verschmelzen, dann passt das Messer wie ein Handschuh.

Kunststoffmaterialen wie Resiprene und Kraton bieten gute Griffigkeit, Dämpfung und Isolation

Handschutz

Eher ungünstig bei universellen Outdoor-Messern ist ein Handschutz (Parierstange); oben auf dem Klingenrücken wirkt er noch störender als unten vor der Schneide. Dieses Ausstattungsmerkmal schützt die Hand bei Stichbewegungen (z.B. beim Erlegen von Wild) und ist allenfalls bei reinen Überlebensmessern und sowie Kampfmessern sinnvoll.

Gerber BMF
Extrema Ratio Shrapnel
Rambo III
Cold Steel Trail Master Carbon V
Mauser 440c Jagdmesser
Fällkniven S1

Für eine maximal genaue Schnittführung sowie für filigrane Arbeiten sollten Daumen (Daumenauflage) und Zeigefinger (Fingermulde) möglichst nahe vor der Klinge liegen. Diese variable Griffmöglichkeit erhöht die Vielseitigkeit des Messers, vor allem auch bei größeren Klingen.

Dawson Mojave 6
Dawson Mojave 6 (Link zum Review)
Dawson Big Bear
Dawson Big Bear (Link zum Review)

Messergriff selbst herstellen

Im Review zum Spyderco Province habe ich detailliert die Herstellung eines eigenen Messergriffes beschrieben, angefangen von der Zerlegung des Messers, der Modifikation des Erls, dem Formen des neuen Griffmaterials bis zur Komplettierung des neuen “besseren” Messers.

Messerklingen original
Griffe erleichtert
Griffblöcke aus Königsholz, Padouk, Satiné
Griffblöcke aus Königsholz, Padouk, Satiné
Griffschalen aus Padouk, Satiné, Königsholz
Griffschalen aus Padouk, Satiné, Königsholz
Griff G10
originaler Griff aus G10
Griff Königsholz
neuer Custom-Griff aus Königsholz

5. Messerarten

Je nach Einsatzzweck werden verschiedenste Arten von Messern unterschieden; hier nach Klingenlänge sortiert, die für uns Outdoor-Fans wichtigsten: Jagdmesser, Waldmesser, Feldmesser, Fahrtenmesser, Überlebensmesser, Bowiemesser, Expeditionsmesser, Waidblatt, Machete. Im Outdoor-Bereich weniger praktisch sind Cuttermesser, Dolche, Hirschfänger, Brot- und Küchenmesser, Rasiermesser, Wurfmesser und (Schweizer) Taschenmesser.

Fox FKMD Bellum Dagga
Extrema Ratio Shrapnel

Als Kampfmesserform gingen theoretisch auch noch Bajonette, allerdings gerät man mit solchen martialischen Kampfmessern schnell ins schlechte Licht, insbesondere bei Behörden. Im taktischen bzw. militärischen Einsatz muss das Messer vor allem extrem stabil sein und sich gut zum Nahkampf eignen. Damit ist es mehr Hieb- und Stichwaffe, als dass es regelmäßig als reines Schneidwerkzeug eingesetzt wird. Der Nachteil von Militärmessern für Zivilbürger besteht in ihrer oft einschüchternden Wirkung und den daraus resultierenden länderspezifischen Verboten. Wer weniger negativ auffallen möchte, verzichtet besser auf derartige Modelle; zweischneidige Dolche sind grundsätzlich sowieso verboten.

Sylvester Stallone in Rambo II
Rambo-Kollektions-Messer vom Designer Gil Hibben
Arnold Schwarzenegger in Phantom Kommando

6. Messergrößen

In Bezug auf Klingenlänge und Einsatzbereich teile ich feststehende Messer in fünf Kategorien ein:

  • Sehr kleine Messer mit 4-8 cm Klingenlänge und ca. 2-3mm Klingenstärke für sehr feine präzise Schneidarbeiten, sowie als Not- oder Backupmesser. Beispiele: Bark River Micro Bravo, Busse Combat Game Warden, Dawson Field Guide, ESEE Izula, Fällkniven WM1, Raidops Little John, Wilkins Mini Thorn.
ESEE Izula
ESEE Izula
Mauser, Dawson Serengeti, Esee Izula
Mauser, Dawson Serengeti, Esee Izula
  • Kleine Messer mit 8-12 cm Klingenlänge und ca. 3-4mm Stärke für die meisten Schneidarbeiten und den alltäglichen Einsatz. Beispiele: Bark River Fox River, Busse Combat Active Duty, Chris Reeve Nyala, Dawson Huntsman, ESEE-4, Fällkniven F1, Fehrman Peacemaker, Spyderco Street Beat, Strider MFS.
Lindner Mauser
Strider MFS
Extrema Ratio Shrapnel
  • Mittlere Messer mit 12-17 cm Klingenlänge und ca. 5mm Stärke für die universellsten Outdoor-Anwendungen. Beispiele: Bark River Bravo, Busse Combat BOSS Proto, Chris Reeve Pacific, Dawson Big Bear, ESEE-6, Fällkniven S1 + A1, Extrema Ratio Dobermann 4S, Fehrman Last Chance, Gerber LMF, Puma German Expedition Knife, Spyderco Province.
Fällkniven S1
Gerber LMF
Spyderco Province
  • Große Messer mit 18-24 cm Klingenlänge und ca. 5-8mm Stärke für den sehr anspruchsvollen Einsatz auf Expedition, auch sogenannte Überlebensmesser. Beispiele: Bark River Bravo Crusader, Busse Combat NMSFNO, Cold Steel Recon Scout & Trail Master, Dawson Border Bowie, Extrema Ratio Dobermann 4, Fällkniven A2, Fehrman Extreme Jugdement, Gerber BMF.
Gerber BMF
Cold Steel Trailmaster
Busse NMSFNO
  • Sehr große Messer und Macheten mit Klingenlängen über 25cm (meist 30-55cm) als reine Haumesser. Beispiele: Bark River Bravo III, Busse Combat Battle Mistress, ESEE Junglas, KA-BAR BK9 Becker, Condor Golok, Strider RW3, Rambo-Messer. Auch ein nepalesisches Khukri z.B. ist ein sehr vielseitiges Werkzeug.
Condor Golok & Tramontina 18″
ESEE Lite Machete &Tramontina 18″

Anwendungen

Bezüglich des Anwendungszweckes eines Messers gibt es, wieso oft, verschiedene Meinungen. Während die einen meinen, sie brauchen nur ein (kleineres) Messer, weil sie sowieso noch Beil und/oder Säge mit sich führen, hacken die anderen mit einer großen Klinge auch dickes Feuerholz in leicht-brennbare Stifte (Chopping). Natürlich hat ein Beil seine Berechtigung, vor allem beim Fällen und groben Zerkleinern. Es bedarf allerdings nicht nur mehr Kraft, mit einem Beil einen Holzstamm zu zerkleinern, vor allem verlangt es ein Höchstmaß an Präzision, um nicht sich selbst zu verletzen oder die Klinge im Boden vorzeitig stumpf zu schlagen. Zudem spaltet ein Beil eben nur grob; feine und genaue Teilungen lassen sich damit nicht unbedingt bewerkstelligen. Mit einem Messer kann man unter Zuhilfenahme eines Schlagholzes Baumstämme spalten (Batoning), vorausgesetzt natürlich das Messer ist dem auch gewachsen (Zähigkeit). Unsere Ansprüche an die Ausgewogenheit, d.h. Vielseitigkeit unserer Messer steigen, und das ist auch gut, denn nur dadurch kann es eine Weiterentwicklung geben.

Batoning
Chopping

7. Transport und Aufbewahrung

Eine mehr oder weniger passende Scheide gehört in der Regel zum Lieferzustand eines jeden Messers. Mit diesem Holster ist dann auch eine bestimmte Trageweise vorgegeben, welcher mehr oder weniger den individuellen Vorlieben entspricht. Nicht immer ist man mit der Kombination Messer und zugehöriger Scheide rundherum zufrieden; oft kommt stattdessen eine andere Scheide zum Einsatz. Zu den gängigen Materialien zählen Leder, Holz und Kunststoffe wie Nylon und Kydey; Mischvariationen daraus sind eher selten.

Messerscheiden

Leder sieht meist schöner aus und bewahrt die Klingenoberfläche vor Kratzern, ist jedoch sowohl am aufwendigsten in der Herstellung als auch witterungsanfälliger und damit pflegebedürftig. Nylon ist (mit Ausnahme weniger hochwertiger Scheiden) oft die billigste Lösung und vor allem im taktischen Bereich erste Wahl; mit einer MOLLE-kompatiblen Scheide lässt sich das Messer an vielen Ausrüstungsgegenständen befestigen. Kydex, ein thermoplastischer Kunststoff, ist völlig unempfindlich gegenüber Witterungseinflüssen und hält, wenn entsprechend geformt, das Messer auch über Kopf fest im Köcher; bei unzureichender Formung klappert dies allerdings störend im Holster. Auch bei Kydex sind durch diverse Clips (z.B. TekLock) variable Trageweisen mögich, der relativ harte Kunststoff und daran haftende Schmutzpartikel zerkratzen aber auch die Klingenoberfläche.

Nylon-Scheiden des Gerber BMF & LMF (damals in den 80/90er Jahren qualitativ noch sehr hochwertig mit Diamantschärfer und Kompasstasche)

Gerber BMF & LMF
Gerber BMF & LMF
Gerber BMF & LMF

Lederscheiden für Busse Combat Messer: Fat ASH-1, BOSS Jack Proto, SAR-4

Vorderseite
Rückseite
Busse Fat ASH-1, BOSS Jack Proto, SAR-4

Die Lederscheide meines Busse BOSS Jack Proto habe ich mit Verlängerung speziell zum Tragen am Oberschenkel konzipiert, auf diese Wiese stört das Messer nicht am Gürtel.

Mein Busse SAR 4 erhielt eine klassische Leder-Gürtelscheide, ideal für ein universelles Jagdmesser.

Busse SAR-4
Busse SAR-4
Busse SAR-4

Leder-, Kydex- und Hybridscheiden

Ebenso hatte ich das SAR 4 aber auch in einer Kydexscheide, welche ich zum Einen höher am Gürtel tragen, als auch an meiner Ausrüstung befestigen konnte.

Busse SAR-4
Busse SAR-4
Busse SAR-4

Leder- und Kydexholster für Strider MFS CPM-S30V

Weil sich diese Wechsel-Kombination aus Leder- und Kydexscheide als sehr zweckdienlich erwiesen hat, habe ich gleiches auch noch bei meinem kleinen EDC-Messer umgesetzt.

Strider MFS
Strider MFS
Strider MFS
Strider MFS

Auch gibt es Hersteller, die beide Materialien in einer Scheide vereinen, Kydex bietet den Vorteil diverser Befestigungsmöglichkeiten und Leder sorgt für entsprechend klassische Optik.

diverse Lederscheiden (2x original, 4x selbst hergestellt)
Kydex-Leder-Hybridscheide von Dawson Knives
Busse Combat SAR-4 & Busse Combat NMSFNO

Herstellung einer Lederscheide

Messerscheiden lassen sich aus diversen Materialien und mit etwas handwerklichem Geschick relativ kostengünstig selbst herstellen. Leder und Nylon wird genäht, Kydex heiß geformt und vernietet. In diese selbst hergestellten Scheiden können dann alle persönlichen Wünsche bezüglich Tragweise, Verriegelung, Design und eventuellen Erweiterungsoptionen (z.B. Feuerstahl) einfließen. Ein Holster muss (und kann) nicht immer am Gürtel getragen werden, manchmal ist es praktischer, es an Ausrüstungsgegenständen wie Rucksack oder Boot befestigen zu können; auch dies sollte bei der Herstellung ggf. bedacht werden.

Folgend ein paar Fotos zur Entstehung einer (relativ dicken) Messerscheide für ein Busse Combat Fat ASH-1 mit 8,1mm Klingenstärke:

Sattlergarn und Bienenwachs
Bienenwachs wird mit Lederbalsam zusammen erhitzt
Garn wird in die Imprägnierung getränkt
5mm starkes Spaltleder (Alpenkuh) wird ausgeschnitten
Lederstücke werden miteinander verklebt
Scheide wird mit dem imprägnierten Garn kreuzweise vernäht
fertige Scheide
“Hochzeit”
Scheide gefärbt

Weitere Lederarbeiten aus dem Jahre 2009 (Köcherscheide für Mauser Jagdnicker, Holster für Multitool und Taschenlampe, ergonomische Scheide für Spyderco Street Beat, sowie Gürtel (heute immer noch täglich in Gebrauch):

Trageweisen

Messer können auf verschiedenste Weise getragen bzw. geführt werden: am Körper, an Ausrüstung oder in Taschen/Rucksäcken. Die Trageweise ist abhängig von der Messergröße, dem Einsatzgebiet sowie den gesetzlichen Vorschriften. Am Körper können sie an der Hüfte (vertikal oder horizontal), unter der Achsel (vertikal) oder auch umgehängt bzw. geschultert (diagonal) getragen werden.

Busse Combat Basic 6 Holster
am Gürtel vertikal
Busse Combat Basic 6 Holster
am Gürtel vertikal
Busse Combat Basic 6 Holster
am Gürtel horizontal
Busse Combat Basic 6 Holster
am Gürtel horizontal
Busse Combat Basic 6 Holster
am Gürtel horizontal
Busse Combat Basic 8 LE Kydex
am Gürtel vertikal über den Oberschenkel
am Gürtel vertikal über den Oberschenkel
am Gürtel vertikal über den Oberschenkel

Am Rucksack können kleine Messer am Schultertrageriemen, und große Messer je nach Art des Rucksacks außen befestigt werden. Soll das Messer weniger auffallen, und möchte man gesetzlich sicher sein, können größere Klingen auch nicht-zugriffsbereit im Rucksack verstaut werden (und der Rucksack sollte verschlossen oder abgeschlossen sein).

Busse Basic 8 & SPEC OPS Combat Master Sheath & Tasmanian Tiger Field Pack MK II
Busse Basic 8 & SPEC OPS Combat Master Sheath & Tasmanian Tiger Field Pack MK II

Aufbewahrung und Pflege

Scharfe Klingen bleiben vor allem möglichst lange scharf, wenn man vernünftig mit ihnen umgeht. Keine Klinge sollte allein durch das Lagern in der Küchenschublade stumpf werden. Im Allgemeinen passiert jedoch leider genau dies, wenn man sie zusammen mit anderen Klingen in ein Fach legt, an denen die Schneiden stumpf gerüttelt werden. Speziell hochwertige Messer sollten im Interesse am Werterhalt immer einzeln, ohne Kontakt mit anderen Werkzeugen aufbewahrt werden…und natürlich auch nie in der Geschirrspülmaschine landen!

Die hier abgebildeten Messerständer sind Eigenanfertigungen aus massivem Edelstahl, hier hat man alle Messer griffbereit im Überblick. Nachteilig ist das Einstauben bei längerer Nicht-Benutzung.

Bei Messerblöcken sollte darauf geachtet werden, dass die Messer immer mit dem Klingenrücken und nicht mit der Schneide im Block aufliegen und der Schacht lang genug ist, so dass die empfindliche Spitze nicht aufstößt. Persönlich mag ich sie nicht, da auch hier eine Beschädigung der Schneide möglich ist, zudem kann man die Messer nicht immer am Griff unterscheiden. Eine sowohl klingenschonenende als auch dekorative Aufbewahrung mit jederzeit schnellem Zugriff ist eine Magnetleiste oder wie hier gezeigt ein magnetischer Messerblock.

Als Basis hab ich mir ein recht seltenes Stück Padouk-Holz (Afrikanisches Korallenholz) besorgt, Hohlzylinder eingefräst und in diese super starke Neodymmgnete eingeklebt. Holzarten wie Padouk eignen sich übrigens auch hervorragend zur individuellen Herstellung eines Messergriffes bzw. von Griffschalen.

Professionelles Schärfen von Messern:

8. Messerkauf

Genau so wenig wie es die eierlegende Wollmilchsau gibt, existiert auch kein Messer für jede Art der Anwendung; es ist immer eine Frage des gewünschten bzw. vorwiegenden Anwendungszweckes sowie persönlicher Vorlieben. Hier ein paar Auswahlkriterien, die man berücksichtigen sollte:

  • Abwiegung der Vor- und Nachteile zwischen rostenden und weniger rostenden Stahlsorten
  • der Stahl sollte zum Anwendungszweck passen und mit der Messergröße harmonieren (großes Messer und zäher Stahl / kleines Messer und schnitthaltiger Stahl)
  • Klingenform- und Schliff sowie Bauweise
  • Art des Griffes
  • Messergröße (auch zu beachten: kleine Messer können eher zu hohe Klingenstärken aufweisen, als dass große Klingen viel zu dick wären)
  • Tragweise und Holster (Serienscheide oder Eigenanfertigung)
  • 100%ig gesetzteskonform weil EDC, oder eher entsprechend des Anwendungszweckes?

Wie viele Messer benötigt man und welches ist das richtige?

Unterwegs im Fahrzeug kommt es nicht auf ein paar Gramm Stahl mehr an, hier kann man sich den Luxus erlauben für jede Situation das richtige Werkzeug mitzuführen; die Bordausstattung eines Expeditionsfahrzeuges sollte u.A. Axt, Beil, Säge, Machete und (diverse) Messer beinhalten. Auf Tour zu Fuß möchte man aus Gewichtsgründen natürlich nur das Notwendigste und nach Möglichkeit nur ein Messer mit sich führen.

Aus eigener Erfahrung hat sich die Kombination aus kleinen und großen bis sehr großen Messer gut bewährt:

  • eine dünnere ca. 10cm-Klinge für feinere Schneidarbeiten und die meisten Alltagsanwendungen
  • eine ca. 20-30cm lange Klinge für grobe Spaltaufgaben (hier geht ginge alternativ auch ein Handbeil)

Mit nur einer (vielleicht 14-17cm mittellangen) Klinge trägt man im Vergleich zwar weniger Ballast mit sich, muss dann ggf. aber auch Kompromisse in der Nutzung eingehen; unter Umständen kann der Fall “nichts Halbes und nichts Ganzes zutreffen.

Selten handeln wir rational, und eher bestimmen unsere Vorlieben bzw. der persönliche Geschmack und am Ende nicht zuletzt auch der Geldbeutel einen Kauf und damit die Klingenauswahl. Am kann selbst das scheinbar unsinnigste Messer auf seine Art den gewünschten Anwendungszweck erfüllen, wenn man damit umzugehen weiß. Mein Tip: orientieren Sie sich an Ihrem Nutzungsverhalten in der heimischen Küche – arbeiten sie dort lieber mit größeren, als mit Kleineren Messern, werden sie auch im Outdoorbereich eher ein großes Messer lieben. Haben sie in der Küche wenig verloren oder beschränkt sich ihre Tätigkeit dort hauptsächlich auf das Zubereiten von Fertignahrung, kommen Sie draußen womöglich auch mit sehr preisgünstigen bzw. anspruchslosen Messern zurecht.

9. Gesetzgebung

Messer können natürlich nicht nur Werkzeuge, sondern auch Waffen sein; wobei der der reine Waffencharakter erst ab dem Mittelalter aufkam. Zu den sogenannten Blankwaffen zählen vor allem Schwerter und Dolche; Hieb- und Stichwaffen, die für den Kampf (also Angriff und Verteidigung gegen Menschen) entwickelt wurden. Natürlich kann jedoch auch jede Art von Messer gegen einen Menschen eingesetzt werden.

Japanisches Samurai Schwert
Italenischer Kommando Dolch

Den Änderungen des deutschen Waffengesetzes zum 01.04.2008 (eigentlich ging es vor allem um das Verbot des Führens von Anscheinwaffen) fielen mit zunehmender Polarisation als schädigende Waffe auch zahlreiche Schneidwerkzeuge zum Opfer. Als Vorwand nannte Berlins damaliger Innensenator Erhardt Körting (SPD) die Gefährdung der Polizei durch Messerattacken Krimineller sowie die allgemeine Bekämpfung der hohen Jugendkriminalität in deutschen Großstädten. Obwohl zahlreiche Verbände, Vereine, Sportler, Camper, Industrie, u.v.m. wegen offensichtlicher Unverhältnismäßigkeit und verallgemeinernder Kriminalisierung Unschuldiger Sturm gegen diesen Gesetzesentwurf liefen, und auch ähnliche Gesetze im Ausland wegen Erfolglosigkeit wieder aufgehoben wurden (siehe Schweiz), erhielten diese kritischen Änderungen Einzug ins Waffengesetz. Seitdem ist es laut §42a (1) WaffG “verboten: 1. Anscheinswaffen, 2. Hieb- und Stoßwaffen nach Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.1 oder 3. Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm zu führen.ABER laut Absatz (2) gilt Absatz (1) nicht “1. für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen, 2. für den Transport in einem verschlossenen Behältnis, 3. für das Führen der Gegenstände nach Absatz 1 Nr. 2 und 3, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt”. Absatz (3) besagt, “ein berechtigtes Interesse nach Absatz 2 Satz 1 Nr. 3 liegt insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient.

Die pauschale Aussage, Messer mit über 12cm Klingenlänge seien verboten, ist also nicht ganz korrekt. Denn bestimmte Outdoor-Tätigkeiten unterliegen durchaus einem anerkannten Zweck, oder sind ein Sport. Vor behördlicher Willkür schützt diese relativ schwammige Definition freilich nicht; was vermutlich auch ihr Zweck war, Grauzonen zu erschaffen. “Schlechte” Beamte finden, wenn sie wollen, immer einen Vorwand das Gesetz gegen einen ehrlichen Bürger zu benutzen, egal was man getan hat, oder wie lang vielleicht die Klinge des Messers ist und wozu man es benutzt hat oder auch nicht. Selbst der harmloseste Gegenstand kann beispielsweise unter dem Vorwand der Verschleierung einer Straftat oder einer Gefahr im Verzug beschlagnahmt werden, und dies ohne, dass man gegen irgendein Gesetz verstoßen hätte.

verboten
verboten

Absatz (6) §42 WaffG besagt übrigens: “Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung vorzusehen, dass das Führen von Waffen im Sinne des § 1 Absatz 2 oder von Messern mit feststehender oder feststellbarer Klinge mit einer Klingenlänge über vier Zentimeter an folgenden Orten verboten oder beschränkt werden kann, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass das Verbot oder die Beschränkung zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit erforderlich ist: 1. auf bestimmten öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen, auf denen Menschenansammlungen auftreten können, 2. in oder auf bestimmten Gebäuden oder Flächen mit öffentlichem Verkehr, in oder auf denen Menschenansammlungen auftreten können, und die einem Hausrecht unterliegen, insbesondere in Einrichtungen des öffentlichen Personenverkehrs, in Einkaufszentren sowie in Veranstaltungsorten, 3. in bestimmten Jugend- und Bildungseinrichtungen sowie 4. auf bestimmten öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen, die an die in den Nummern 2 und 3 genannten Orte oder Einrichtungen angrenzen. In der Rechtsverordnung nach Satz 1 ist eine Ausnahme vom Verbot oder von der Beschränkung für Fälle vorzusehen, in denen für das Führen der Waffe oder des Messers ein berechtigtes Interesse vorliegt. Ein berechtigtes Interesse liegt insbesondere vor bei 1. Inhabern waffenrechtlicher Erlaubnisse, 2. Anwohnern, Anliegern und dem Anlieferverkehr, 3. Gewerbetreibenden und bei ihren Beschäftigten oder bei von den Gewerbetreibenden Beauftragten, die Messer im Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung führen, 4. Personen, die Messer im Zusammenhang mit der Brauchtumspflege oder der Ausübung des Sports führen, 5. Personen, die eine Waffe oder ein Messer nicht zugriffsbereit von einem Ort zum anderen befördern, und 6. Personen, die eine Waffe oder ein Messer mit Zustimmung eines anderen in dessen Hausrechtsbereich nach Satz 1 Nummer 2 führen, wenn das Führen dem Zweck des Aufenthalts in dem Hausrechtsbereich dient oder im Zusammenhang damit steht.

oben verboten, unten erlaubt
oben erlaubt, unten verboten

Zum Rückgang von Straftaten haben derartige Gesetze nicht geführt, was bei genauer Überlegung und bereits anderen Beispielen auch schon vorher klar gewesen ist. Ein Krimineller wird sich kaum darum scheren, welche Waffe er wo führen darf, daran ändert kein Gesetz der Welt etwas. Statt Kriminelle jedoch können mit dieser Gesetzgebung vor allem rechtschaffende Bürger in den Fokus der Behörden geraten. Menschen, welche mit ihrem Messer nie eine Straftat begehen würden, wird das Schneidwerkzeug teilweise unter absurden Vorwänden beschlagnahmt. Dabei hätten Reglementierungen zur Ahndung von „echten“ Gesetzesverstößen bereits vor Verabschiedung derart sinnloser Gesetze konsequent umgesetzt werden können. Denn die Nutzung eines Messers als Waffe war schon immer verboten, egal ob Klappmesser, Butterfly, Jagdmesser, Küchenmesser, Pilzmesser, etc. Jede Zuhilfenahme eines Gegenstandes im Kampf (egal ob zum Angriff oder zur Gefahrenabwehr) stellt mindestens eine schwere Körperverletzung dar, bei welcher Länge, Form, Beschaffenheit oder ein eventueller Mechanismus der Klinge völlig unrelevant sind.

Butterfly-Messer

Bereits seit 2003 verboten sind Balisongs bzw. Butterfly-Messer, deren alleiniger Besitz (wie der einer unerlaubten Schusswaffe) bereits eine Straftat darstellt. Diese philippinischen Fischermesser jedoch haben im praktischen Alltag ausschließlich völlig harmlose Vorteile: einfacher, haltbarer und schmutz-unempfindlicher Mechanismus, kostengünstige Herstellung, sehr robust und eine fast ausgeschlossene Selbstverletzungsgefahr, da die Verriegelung sowohl im geöffneten als auch geschlossenen Zustand 100% kraftschlüssig arretiert ist; keine andere Bauart bietet all diese Eigenschaften. Das Verbot dieser eigentlich praktischen Werkzeuge ist allein auf das proletenhafte Herumgefuchtle einiger Halbstarker und den daraus resultierenden um Wählerstimmen besorgten Politiker begründet. Den Balisongs wird, wie auch Kampfmessern eine besonders einschüchternde Wirkung nachgesagt. Es führte also nicht die Messerart selbst, sondern eine psychologische Assoziation zum Verbot. Ähnlich verhielt es sich übrigens mit den “bösen” Geländewagen bzw. dem sogenanten Fußgängerschutz. Tatsächlich jedoch ist der Umgang mit einem Butterfly nur etwas für sehr geübte Hände, und der Handwechsel, d.h. Messerkampf, den meisten Menschen im geöffneten Zustand gar nicht möglich und höchst selbstverletzend. Wer beabsichtigt, ein Messer als Waffe zu nutzen, wählt wohl eher eine leicht zu handhabende feststehende Klinge, als ein aus beweglichen Teilen bestehendes und schwierig zu handhabendes Balisong. Gleiches gilt für Springmesser, deren Klinge bei vertikalem Druck leicht abbricht und welche notgelandeten Fallschirmspringern das Lösen der Schirmschnüre ermöglichen sollte. Weder mit Balisongs, noch mit Springmessern oder gar Dolchen wurden mehr Straftaten verübt, als mit allen anderen Messerarten. Das beliebteste Tatmesser bei Gewalttaten war und ist nach wie vor das klassische Küchenmesser, der gängigste Tatort die heimische Wohnung.

Einhandmesser

Jemand dessen Leben nicht viel mit Outdoor zu tun hat, wird kaum die Notwendigkeit eines Einhandmessers verstehen und vermutlich ein Schweizer Taschenmesser mit unkomfortabel zu öffnender und unsicherer, weil nicht arretierbaren Klinge für völlig ausreichend halten. Mit solchen Werkzeugen kann ein Kletterer in Notlage am Berg jedoch genau so wenig anfangen, wie jeder andere, der nur eine Hand für ein dringend notwendiges Schneidwerkzeug frei hat. Dennoch sind Einhandmesser verboten…weil man sie mit einer Hand öffnen kann… und somit unauffälliger und schneller in der Lage sei, eine Straftat zu verüben.

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Genau so gesetzlich nicht erlaubt sind arretierbare Klappmesser, deren Arretier-Mechanismus allerdings allein der Sicherheit des Anwenders dient. Wer möchte sich beim Arbeiten mit einem Klappmeser schon selbst verletzen? Das Problem: alle hochwertigen Klappmesser sind heutzutage Einhandmesser mit Klingenarretierung; diese Komfortfunktion- und Sicherheitsfunktion ist weltweiter Standart. Man bekommt beispielsweise gar kein Klappmesser mit besonders schnitthaltigem oder zähem Stahl ohne Arretierung. Offiziell sind damit so gut wie alle vernünftigen Taschenmesser verboten…und jeder der ein solches bei sich trägt, egal aus welchem Zweck, macht sich strafbar.

Aber egal wie sinnlos ein Gesetz auch erscheint, und wieviele stichhaltige Argumentationen es bereits dagegen gegeben hat, ist es dennoch für jedermann bindend. Als Konsequenz daraus stellt die Messerindustrie seit dem (speziell in Deutschland) vor allem gesetzeskonforme Schneidwerkzeuge, d.h. Outdoormesser mit weniger als 12cm Klingenlänge her. In wie fern derartige Klingen noch alle üblichen Outdoor-Anwendungszwecke abdecken, möge bitte jeder für sich selbst entscheiden. Abzuwarten bleibt eine mögliche weitere Verschärfung derartiger Gesetze; 2019 wurde bereits über eine 8 statt der 12cm-Klingenlängengrenze diskutiert. Irgendwann wird sich die gesamte Menschheit nur aufgrund der Unfähigkeit einiger Weniger in einen vorsteinzeitlichen Entwicklungsstand zurück katapultieren…ohne die Kriminalität bis dahin abgeschafft zu haben. Denn dazu bedarf es weit mehr, als nur fragwürdiger Gesetze.

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