Outdoor-Messer


Autor: Dominik

Hier erfahren Sie alles über Outdoor-Messer: welche Messerarten und Klingenformen es gibt, wofür sie benutzt werden, wie man sie trägt und was überhaupt noch erlaubt ist.

Wenn es einen Gegenstand gibt, den Sie auf die bekannte einsame Insel mitnehmen müssten, um dort ersthaft ihr Überleben zu sichern, wäre dies wohl ein Messer. Ebenso im Alltag zu Hause als auch unterwegs auf Expedition sind wir auf Schneidwerkzeuge angewiesen. Seit der Steinzeit vor 2,5 Millionen Jahren dienen uns Messer der Nahrungsbeschaffung und Lebensmittelzubereitung sowie dem Feuermachen und Bau von Unterkünften; sie haben dazu beigetragen, unsere Existenz zu sichern.

1. Messerstähle

Erste Messer aus Metall gab es seit der Bronzezeit, später ab ca. 1000 v.Chr. wurde der erste Stahl hergestellt; Stahl ist eine Eisen-Kohlestoff-Legierung mit bis zu 2% Kohlenstoffgehalt und nachträglich hinzugefügten Legierungselementen, welche, wie auch das Wärmebehandeln, die Eigenschaften entsprechend den Bedürfnissen verbessern. Stahl gilt als fester, aber relativ weicher Werkstoff, welcher sich, bevor er bricht, verformt; je weniger fest er ist, desto höher ist diese Bruchdehnung. Es existieren unzählige Stahlsorten für die verschiedensten Anwendungen, auch werden immer wieder neue Stähle entwickelt.

Die vier wichtigsten Eigenschaften zur Charakterisierung eines Messerstahles sind Schnitthaltigkeit, Zähigkeit, Korrosionsschutz, und Schärfbarkeit; ja nach Vorliebe und Anwendungszweck gilt es, aus diesen Eigenschaften den besten Kompromiss zu finden. DEN ultimativen Messerstahl, d.h. einen Werkstoff bei dem all diese Eigenschaften herausragend gut sind, gibt es nicht, wohl aber einen bestmöglichen Kompromiss für die jeweilige Anwendung. Man muss wissen, was man will und was man dafür bereits ist, in Kauf zu nehmen. Man könnte diesen einen Stahl wohl herstellen oder ausfindig machen, die Industrie jedoch ist daran wenig interessiert. Stähle, welche zur Produktion von Messern verwendet werden, sind überwieged Werkzeugstähle zur Bearbeitung von Rohteilen oder auch Federstähle, sie werden auf genau diese Eigenschaften hin hergestellt. Dabei unterliegen sie, wie auch die Mode, einem ständigen Wandel. Das perfekte Produkt wäre in der Herstellung sicher unheimlich teuer und würde vermutlich so lange halten, dass niemand mehr ein neues bräuchte – die Industrie würde daran nicht annährend soviel verdienen, wie an Produkten, die immer mal wieder verbessert und durch Verschleiß ersetzt werden müssten. Zudem lohnen sich die hohen Mindestabnahmemengen teurer Stähle nicht für die Messerindustrie; nur selten leistet sich ein Hersteller deren Verwendung.

Grundlegend unterscheidet man zwischen rostfreien (weniger Kohlenstoffanteil macht die Stahl weicher) und nicht rostfreien (höherer Kohlenstoffanteil führt zu mehr Härte) Stählen, wobei aber so gut wie jeder Stahl rosten kann. Und bereits hier gehen die Vorlieben auseinander: den einen stört die Korrosion, für einen rostfreien Edelstahl nimmt er weniger Zähigkeit und Schnitthaltigkeit in Kauf, der andere legt Wert auf maximale Klingen-Performance der rostenden Stähle und schützt oder pflegt das Messer dementsprechend. Weil jede Klinge irgendwann einmal stumpf wird, nützt einem der schnitthaltigste Stahl relativ wenig wenn man diesen nicht ohne weiteres wieder scharf bekommt.

Hattori – Japanischer Damaszenerstahl
Japanisches VG-10 Laminat aus hartem und weichen Stahl

Demnächst folgt hier eine Auflistung der allgemein bekannten Stahlsorten!

2. Legierungsbestandteile

Es gibt extrem schnitthaltige Stähle wie den CPM-S110V, welche jedoch wenig zäh sind, zu Ausbrüchen neigen und mitunter nur schwer schärfbar sind; Elmax hingegen bietet bei ähnlicher Schnitthaltigkeit etwas mehr Zähigkeit. CPM-3V ist unglaublich zäh (dreimal mehr als D2), dafür wenig korrosionsbeständig und nur mittelmäßig schärfbar; CPM-M4 noch schnitthaltiger, dafür aber auch wieder weniger zäh, sehr korrosionsanfällig und noch schlechter schärfbar. AUS-8 lässt sich sehr gut schärfen, hält diese Schärfe jedoch nicht besonders lange und ist auch wenig zäh. Wohl kein anderer Stahl ist so korrosionsresistent wie der Salzwassererprobte H1, kein anderer aber auch so wenig schnitthaltig. Es gibt sogenannte Superstähle wie M390, welcher sehr schnitthaltig, gut korrosionsbeständig und ausreichend zäh ist, sich jedoch miserabel schärfen lässt. Sticht eine Eigenschaft besonders positiv heraus, geht dies immer auf Kosten anderer. Eine relativ hohe Korrosionsresistenz bedeutet fast immer eine vergleichsweise geringere Schnitthaltigkeit und umgekehrt. Stähle mit hohem Kohlenstoffanteil lassen sich aufgrund ihres feinen Gefüges sehr scharf schleifen, rosten dafür jedoch im Handumdrehen. Es gibt jedoch auch relativ ausgewogene Stähle, wie den CPM-S30V und dessen minimal zäheren Nachfolger CPM-S35VN; deren Eigenschaften sind alle nicht herausragend, bieten jedoch von jedem relativ gute Werte.

Demnächst folgt hier eine Auflistung der möglichen Zusätze und der daraus resultierenden Eigenschaften!

3. Klingenformen- und Schliffe

Die Klinge ist der wohl wichtigste Bestandteil eines Messers und entscheidet mehr denn alles andere über den Anwendungszweck des Messers; je nach Anwendung wurden unterschiedliche Klingenformen entwickelt, hier die wichtigsten:

  1. Normale Klingenform: gerader Klingenrücken, Schneide mit konvexem Bauch, ideal für Küchenwerkzeuge
  2. Drop-Point Klingenform: leicht konvexer Klingenrücken, massiv & robust, ideal für Jagd, Outdoor, Survival
  3. Clip-Point Klingenform: Klingenrücken mit konkavem Verlauf zur Spitze, falsche Schneide leicht angeschliffen, Bowiemesser
  4. Recurve Klingenform: konkaver Boden in der Schneide, gut für Runde zu schneidene Materialien, Pilzmesser
  5. Swept-Ponit bzw. Skinner Klingenform: Klinge zur Spitze stark konvex geformt, ideal zum Häuten
  6. Up Swept Point Klingenform: Spitze liegt über dem Messerrücken, langer Bauch mit langer Schneide, zum Häuten
  7. Sheepfoot Klingenform: gerade Schneide, Messerrücken verläuft in Bauchform zur Spitze, Segler-, Gemüse- und Rettungsmesser
  8. Spear-Point Klingenform: spezielle Drop-Point-Klinge mit einseitig falscher Schneide, ähnlich symetrisch wie beim Dolch
  9. Utility Klingenform: symetrische Dolchform, aber die obere Schneide ist nur bis zur Klingenmitte geschärft, Kampfmesser, Hirschfänger
  10. Dolch Klingenform: symetrischer Schliff mit Spitze in der Klingenmitte, Kampfmesser
  11. Tanto Klingenform: lange gerade Schneide, extrem stabile Klingenspitze, für Stiche und Hiebe bei Samurai-Kurzschwertern
  12. American Tanto Klingenform: abgeänderte Variante der japanischen Tanto-Form, zwei gerade Schneiden ohne Bauch, Einsatz- und Kampfmesser
Bowie-Messer
Jagd-Messer
Clip-Point und Drop-Point
Clip-Point und Drop-Point

Die unterschiedlichen Schliffe werden im Klingenquerschnitt charakterisiert:

  1. Flachschliff: Klinge verläuft auf beiden Seiten gerade zur Schneide des Messers, beste Allround-Eigenschaften
  2. Konvexer bzw. balliger Schliff: Klinge verläuft nach außen gewölbt (konvex) zur Schneide, robustester Anschliff
  3. Hohlschliff: Klinge verläuft nach innen gewölbt (konkav) zur Schneide, beste Schneideigenschaften
  4. Einseitiger Schliff bzw. Chiselgrind (Meißel): zum präzisen Schneiden und Teilen von Gegenständen
  5. Säbelschliff: wie Flachschliff, nur tiefer vor der Schneide ansetzend
  6. Wellenschliff: erleichtert das Eindringen der Schneide, vor allem in weiches Schneidgut

Vor allem bei höher belasteten Outdoormessern ist, je nach Anwendungszweck, die Beschaffenheit der Klinge im Griff sehr wichtig; es werden drei Arten unterschieden:

  1. Integral / Full Tang / Flacherl: Die Klinge ist bis zum Griffende durchgehend aus einem Stück, die Griffschalen sind verklebt und/oder vernietet. Solch eine Klinge hält auch höhere Belastungen aus, die Bruchgefahr ist wesentlich geringer als bei den anderen beiden Arten.
  2. Rat Tail / Spitzerl / verdeckter Erl: Die Klinge verjüngt sich mit Beginn des Griffes, der Erl ist schmaler als die Klinge und wird in den Griff eingesteckt und anschließend verklebt.
  3. Runderl / verschraubter Erl: Im Prinzip ähnlich zum Spitzerl, nur ist das Klingenstück im Griff noch schmaler; das Griffende wird zusätzlich verschraubt oder vernietet.

Die robusteste Klinge für anspruchsvolle Outdoor-Tätigkeiten wäre demnach eine Drop-Point-Klinge mit konvexem Schliff in Integral-Bauweise (z.B. mein BUSSE Combat NMSFNO). Allerdings bestimmt vor allem auch der persönliche Geschmack das Messerdesign, viele mögen die Clip-Point-Formen klassischer Bowiemesser (z.B. mein Spyderco Province) und auch ein Jagdmesser (z.B. mein Dawson Big Bear) kann ein gutes Outdoor-Messer sein.

4. Griffarten

Griffe können aus unterschiedlichsten Materialien, sowohl tierischen als auch künstlichen Urpsrungs, bestehen. Hier entscheidet vor allem der persönliche Geschmack; einmal das Design betreffend, zum anderen auch die Handlage selbst.

Naturmaterialien wie Holz und Horn wirken hochwertig und edel, sind aber oft nicht so unempfindlich wie Kunststoffe. G-10 ist unempfindlich gegen Witterung und mechanische Beschädigung, fühlt sich jedoch auch sehr hart in der Hand an. Micarta, ein Verbund aus Leinen oder Canvas mit Epoxydharz fühlt sich hingegen schon etwas “wärmer” an. Paracord kommt eher aus dem taktischen Bereich, füllt die Hand weniger aus und ist sehr scmutzempfindlich. Blanke Griffe, d.h. Metall ohne Ummantelung kann sogar Schmerzen beim Arbeiten mit dem Messer verursachen und ist vor allem bei Nässe und Kälte absolut nicht empfehlenswert. Daneben gibt es zahlreiche weitere Materialien, immer wieder kommen vor allem neue Kunst- und Verbundstoffe auf den Markt. Letzte Neuerung waren mit Kunstharzen stabilisierte Hölzer, die eine Holzoptik mit den Eigenschaften eines Kunststoffes vereinen.

Paracord, Hirschhorn, Micarta, G-10, Holz
blanker Griff
Paracordwicklung
G-10
Micarta
Holz und Hirschhorn
Kunststoffmaterialen wie Resiprene und Kraton bieten gute Griffigkeit, Dämpfung und Isolation

Das Wichtigste Merkmal für einen Griff sollte seine Handlage sein; der schönste Griff nützt nichts, wenn man aufgrund dessen nicht vernünftig mit dem Messer arbeiten kann. Im Idealfall lässt er Messer und Hand miteinander verschmelzen, dann passt das Messer wie ein Handschuh.

Dawson Explorer Elite, Mojave 6, Big Bear
Gerber LMF & BMF
Busse Magnum Handles

Eher ungünstig bei universellen Outdoor-Messern ist ein Handschutz (Parierstange); oben auf dem Klingenrücken wirkt er noch störender als unten vor der Schneide. Dieses Ausstattungsmerkmal schützt die Hand bei Stichbewegungen (z.B. beim Erlegen von Wild) und ist allenfalls bei reinen Überlebensmessern sinnvoll.

Gerber BMF
Extrema Ratio Shrapnel
Rambo III
Cold Steel Trail Master Carbon V
Mauser 440c Jagdmesser
Fällkniven S1

Für eine maximal genaue Schnittführung sowie für filigrane Arbeiten sollten Daumen (Daumenauflage) und Zeigefinger (Fingermulde) möglichst nahe vor der Klinge liegen. Diese variable Griffmöglichkeit erhöht die Vielseitigkeit des Messers, vor allem auch bei größeren Klingen.

Dawson Mojave 6
Dawson Mojave 6 (Link zum Review)
Dawson Big Bear
Dawson Big Bear (Link zum Review)

Messergriff selbst herstellen

Im Review zum Spyderco Province habe ich detailliert die Herstellung eines eigenen Messergriffes beschrieben, angefangen von der Zerlegung des Messers, der Modifikation des Erls, dem Formen des neuen Griffmaterials bis zur Komplettierung des neuen “besseren” Messers.

Messerklingen original
Griffe erleichtert
Griffblöcke aus Königsholz, Padouk, Satiné
Griffblöcke aus Königsholz, Padouk, Satiné
Griffschalen aus Padouk, Satiné, Königsholz
Griffschalen aus Padouk, Satiné, Königsholz
Griff G10
originaler Griff aus G10
Griff Königsholz
neuer Custom-Griff aus Königsholz

5. Messerarten

Je nach Einsatzzweck werden verschiedenste Arten von Messern unterschieden, hier nach Klingenlänge sortiert, die für uns Outdoor-Fans wichtigsten: Jagdmesser, Waldmesser, Feldmesser, Fahrtenmesser, Überlebensmesser, Bowiemesser, Expeditionsmesser, Waidblatt, Machete. Im Outdoor-Bereich weniger praktisch sind Cuttermesser, Dolche, Hirschfänger, Brot- und Küchenmesser, Rasiermesser, Wurfmesser und (Schweizer) Taschenmesser.

Militärmesser

Als Kampfmesserform gingen theoretisch auch noch Bajonette, allerdings gerät man mit solchen martialischen Kampfmessern schnell ins schlechte Licht, insbesondere bei Behörden. Im taktischen bzw. militärischen Einsatz muss das Messer vor allem extrem stabil sein und sich gut zum Nahkampf eignen. Damit ist es mehr Hieb- und Stichwaffe, als dass es regelmäßig als reines Schneidwerkzeug eingesetzt wird. Der Nachteil von Militärmessern für Zivilbürger besteht in ihrer oft einschüchternden Wirkung und den daraus resultierenden länderspezifischen Verboten. Wer weniger negativ auffallen möchte, verzichtet besser auf derartige Modelle; zweischneidige Dolche sind grundsätzlich sowieso verboten.

Fox FKMD Bellum Dagga
Extrema Ratio Shrapnel
Sylvester Stallone in Rambo II
Rambo-Kollektions-Messer vom Designer Gil Hibben
Arnold Schwarzenegger in Phantom Kommando

Küchenmesser

Großes und kleines Kochmesser
Japanisches AUS-10 Damast-Laminat
Wilkins Ryback Series 2
Wilkins Ryback Series 2
Wilkins Ryback Series 2
Kochmesser in Integralbauweise
Wilkins Ryback Series 2
Super Handlage und natürlich sehr scharf

6. Messergrößen (und Anwendungszweck)

In Bezug auf Klingenlänge und Einsatzbereich teile ich feststehende Messer in fünf Kategorien ein:

  • Sehr kleine Messer mit 5-8 cm Klingenlänge und ca. 2-3mm Klingenstärke für sehr feine präzise Schneidarbeiten, sowie als Not- oder Backupmesser. Beispiele: Bark River Micro Bravo, Busse Combat Game Warden, Dawson Field Guide, ESEE Izula, Fällkniven WM1, Raidops Little John, Wilkins Mini Thorn.
ESEE Izula
ESEE Izula
Mauser, Dawson Serengeti, Esee Izula
Mauser, Dawson Serengeti, Esee Izula
  • Kleine Messer mit 8-11 cm Klingenlänge und ca. 3-4mm Stärke für die meisten Schneidarbeiten und den alltäglichen Einsatz. Beispiele: Bark River Fox River, Busse Combat Active Duty, Chris Reeve Nyala, Dawson Huntsman, ESEE-4, Fällkniven F1, Fehrman Peacemaker, Spyderco Street Beat, Strider MFS.
Lindner Mauser
Strider MFS
Extrema Ratio Shrapnel
  • Mittlere Messer mit 12-17 cm Klingenlänge und ca. 5mm Stärke für die universellsten Outdoor-Anwendungen. Beispiele: Bark River Bravo, Busse Combat BOSS Proto, Chris Reeve Pacific, Dawson Big Bear, ESEE-6, Fällkniven S1 + A1, Extrema Ratio Dobermann 4S, Fehrman Last Chance, Gerber LMF, Puma German Expedition Knife, Spyderco Province.
Fällkniven S1
Gerber LMF
Spyderco Province
  • Große Messer mit 18-24 cm Klingenlänge und ca. 5-8mm Stärke für den sehr anspruchsvollen Einsatz auf Expedition, auch sogenannte Überlebensmesser. Beispiele: Bark River Bravo Crusader, Busse Combat NMSFNO, Cold Steel Recon Scout & Trail Master, Dawson Border Bowie, Extrema Ratio Dobermann 4, Fällkniven A2, Fehrman Extreme Jugdement, Gerber BMF.
Gerber BMF
Cold Steel Trailmaster
Busse NMSFNO
  • Sehr große Messer und Macheten mit Klingenlängen über 25cm (meist 35-55cm) als reine Haumesser. Beispiele: Bark River Bravo III, Busse Combat Battle Mistress, ESEE Junglas, KA-BAR BK9 Becker, Condor Golok, Strider RW3, Rambo-Messer. Auch ein nepalesisches Khukri z.B. ist ein sehr vielseitiges Werkzeug.
Condor Golok & Tramontina 18″
ESEE Lite Machete &Tramontina 18″

Bushcrafting, Chopping, Batoning

Bezüglich des Anwendungszweckes eines Messers gibt es, wieso oft, verschiedene Meinungen. Während die einen meinen, sie brauchen nur ein (kleineres) Messer, weil sie sowieso noch Beil und/oder Säge mit sich führen, hacken die anderen mit einer großen Klinge auch dickes Feuerholz in leicht-brennbare Stifte. Natürlich hat ein Beil seine Berechtigung, vor allem beim Fällen und groben Zerkleinern. Es bedarf allerdings nicht nur mehr Kraft, mit einem Beil einen Holzstamm zu zerkleinern, vor allem verlangt es ein Höchstmaß an Präzision, um nicht sich selbst zu verletzen oder die Klinge im Boden vorzeitig stumpf zu schlagen. Zudem spaltet ein Beil eben nur grob; feine und genaue Teilungen lassen sich damit nicht bewerkstelligen. Mit einem Messer kann man unter Zuhilfenahme eines Schlagholzes Baumstämme spalten (Batoning), vorausgesetzt natürlich das Messer ist dem auch gewachsen (Zähigkeit). Unsere Ansprüche an die Ausgewogenheit, d.h. Vielseitigkeit unserer Messer steigen, und das ist auch gut, denn nur dadurch kann es eine Weiterentwicklung geben.

Batoning
Chopping

7. Transport und Aufbewahrung

Eine mehr oder weniger passende Scheide gehört in der Regel zum Lieferzustand eines jeden Messers. Mit diesem Holster ist dann auch eine bestimmte Trageweise vorgegeben, welcher mehr oder weniger den individuellen Vorlieben entspricht. Nicht immer ist man mit der Kombination Messer und zugehöriger Scheide rundherum zufrieden; oft kommt stattdessen eine andere Scheide zum Einsatz. Zu den gängigen Materialien zählen Leder, Holz und Kunststoffe wie Nylon und Kydey; Mischvariationen daraus sind eher selten.

Leder, Nylon, Kydex

Leder sieht meist schöner aus und bewahrt die Klingenoberfläche vor Kratzern, ist jedoch sowohl am aufwendigsten in der Herstellung als auch witterungsanfälliger und damit pflegebedürftig. Nylon ist (mit Ausnahme weniger hochwertiger Scheiden) oft die billigste Lösung und vor allem im taktischen Bereich erste Wahl; mit einer MOLLE-kompatiblen Scheide lässt sich das Messer an vielen Ausrüstungsgegenständen befestigen. Kydex, ein thermoplastischer Kunststoff, ist völlig unempfindlich gegenüber Witterungseinflüssen und hält, wenn entsprechend geformt, das Messer auch über Kopf fest im Köcher; bei unzureichender Formung klappert dies allerdings störend im Holster. Auch bei Kydex sind durch diverse Clips (z.B. TekLock) variable Trageweisen mögich, der relativ harte Kunststoff und daran haftende Schmutzpartikel zerkratzen aber auch die Klingenoberfläche.

Nylon-Scheiden des Gerber BMF & LMF (damals in den 80/90er Jahren qualitativ noch sehr hochwertig mit Diamantschärfer und Kompasstasche)

Gerber BMF & LMF
Gerber BMF & LMF
Gerber BMF & LMF

Lederscheiden für Busse Combat Messer: Fat ASH-1, BOSS Jack Proto, SAR-4

Vorderseite
Rückseite
Busse Fat ASH-1, BOSS Jack Proto, SAR-4
Busse SAR-4
Busse SAR-4
Busse SAR-4

Leder-, Kydex- und Hybridscheiden

diverse Lederscheiden (2x original, 4x selbst hergestellt)
Kydex-Leder-Hybridscheide von Dawson Knives
Busse Combat SAR-4 & Busse Combat NMSFNO
Busse SAR-4
Busse SAR-4
Busse SAR-4

Leder- und Kydexholster für Strider MFS CPM-S30V

Strider MFS
Strider MFS
Strider MFS
Strider MFS

Herstellung einer Lederscheide

Messerscheiden lassen sich aus diversen Materialien und mit etwas handwerklichem Geschick relativ kostengünstig selbst herstellen. Leder und Nylon wird genäht, Kydex heiß geformt und vernietet. In diese selbst hergestellten Scheiden können dann alle persönlichen Wünsche bezüglich Tragweise, Verriegelung, Design und eventuellen Erweiterungsoptionen (z.B. Feuerstahl) einfließen. Ein Holster muss (und kann) nicht immer am Gürtel getragen werden, manchmal ist es praktischer, es an Ausrüstungsgegenständen wie Rucksack oder Boot befestigen zu können; auch dies sollte bei der Herstellung ggf. bedacht werden.

Folgend ein paar Fotos zur Entstehung einer (relativ dicken) Messerscheide für ein Busse Combat Fat ASH-1 mit 8,1mm Klingenstärke:

Sattlergarn und Bienenwachs
Bienenwachs wird mit Lederbalsam zusammen erhitzt
Garn wird in die Imprägnierung getränkt
5mm starkes Spaltleder (Alpenkuh) wird ausgeschnitten
Lederstücke werden miteinander verklebt
Scheide wird mit dem imprägnierten Garn kreuzweise vernäht
fertige Scheide
“Hochzeit”
Scheide gefärbt

Weitere Lederarbeiten aus dem Jahre 2009 (Köcherscheide für Mauser Jagdnicker, Holster für Multitool und Taschenlampe, ergonomische Scheide für Spyderco Street Beat, sowie Gürtel (heute immer noch täglich in Gebrauch):

Aufbewahrung und Pflege

Scharfe Klingen bleiben vor allem möglichst lange scharf, wenn man vernünftig mit ihnen umgeht. Keine Klinge sollte allein durch das Lagern in der Küchenschublade stumpf werden. Im Allgemeinen passiert jedoch leider genau dies, wenn man sie zusammen mit anderen Klingen in ein Fach legt, an denen die Schneiden stumpf gerüttelt werden. Speziell hochwertige Messer sollten im Interesse am Werterhalt immer einzeln, ohne Kontakt mit anderen Werkzeugen aufbewahrt werden…und natürlich auch nie in der Geschirrspülmaschine landen!

Die hier abgebildeten Messerständer sind Eigenanfertigungen aus massivem Edelstahl, hier hat man alle Messer griffbereit im Überblick. Nachteilig ist das Einstauben bei längerer Nicht-Benutzung.

Bei Messerblöcken sollte darauf geachtet werden, dass die Messer immer mit dem Klingenrücken und nicht mit der Schneide im Block aufliegen und der Schacht lang genug ist, so dass die empfindliche Spitze nicht aufstößt. Persönlich mag ich sie nicht, da auch hier eine Beschädigung der Schneide möglich ist, zudem kann man die Messer nicht immer am Griff unterscheiden. Eine sowohl klingenschonenende als auch dekorative Aufbewahrung mit jederzeit schnellem Zugriff ist eine Magnetleiste oder wie hier gezeigt ein magnetischer Messerblock. Als Basis hab ich mir ein recht seltenes Stück Padouk-Holz (Afrikanisches Korallenholz) besorgt, Hohlzylinder eingefräst und in diese super starke Neodymmgnete eingeklebt.

Holzarten wie Padouk eignen sich übrigens auch hervorragend zur individuellen Herstellung eines Messergriffes bzw. von Griffschalen.

Professionelles Schärfen von Messern:

8. Gesetzgebung

Messer können natürlich nicht nur Werkzeuge, sondern auch Waffen sein, wobei der der reine Waffencharakter erst ab dem Mittelalter aufkam. Zu den sogenannten Blankwaffen zählen vor allem Schwerter und Dolche; Hieb- und Stichwaffen, die für den Kampf (also Angriff und Verteidigung gegen Menschen) entwickelt wurden.

Japanisches Samurai Schwert
Italenischer Kommando Dolch

Weil auch jede Art von Messer gegen einen Menschen eingesetzt werden kann (wie im Übrigen z.B. auch zahlreiche andere Alltagsgegenstände), fallen mit zunehmender Polarisation als schädigende Waffe zahlreiche Schneidwerkzeuge in den Fokus der Politik. Im unüberlegten Rausche politischen Aktionismus werden dann mehr oder weniger sinnlose Gesetze verabschiedet, die den Umgang mit vorher noch legalen Schneidwerkzeugen plötzlich verbieten. Am 01.04.2008 wurde in Deutschland die erste große Änderung der Messergesetzgebung auf den Weg gebracht; das eigentliche Ziel war die Bekämpfung der hohen Jugendkriminalität in deutschen Großstädten. Seitdem ist es „verboten, Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12cm zu führen. Dies gilt nicht für den Transport in einem verschlossenen Behältnis oder sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt. Ein berechtigtes Interesse liegt insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient. Für Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen und Theateraufführungen gilt das Verbot nicht“ (WaffG §42a). Und schon haben wir Verwirrung und Unsicherheit: ist Wandern ein Sport oder ein allgemein anerkannter Zweck, bei dem ein Messer über 12cm Klingenlänge geführt werden darf?

verboten
verboten
oben verboten, unten erlaubt
oben erlaubt, unten verboten

Butterfly, Balisong, Springmesser

Bereits seit 2003 verboten sind Balisongs bzw. Butterfly-Messer, deren alleiniger Besitz (wie der einer unerlaubten Schusswaffe) bereits eine Straftat darstellt. Diese philippinischen Fischermesser jedoch haben im praktischen Alltag ausschließlich völlig harmlose Vorteile: einfacher, haltbarer und schmutzunemfindlicher Mechanismus, kostengünstige Herstellung, sehr robust und eine fast ausgeschlossene Selbstverletzungsgefahr, da die Verriegelung sowohl im geöffneten als auch geschlossenen Zustand 100% kraftschlüssig arretiert ist; keine andere Bauart bietet all diese Eigenschaften. Das Verbot dieser eigentlich praktischen Werkzeuge ist allein auf das proletenhafte Herumgefuchtle einiger Halbstarker und den daraus resultierenden um Wählerstimmen besorgten Politiker begründet. Den Balisongs wird, wie auch Kampfmessern eine besonders einschüchternde Wirkung nachgesagt; das erklären Sie mal dem asiatischen Fischer, der damit täglich seit Generationen friedlich arbeitet. Tatsächlich führte nicht die Messerart selbst, sondern eine Assoziation mit dieser zum Verbot – psychologisch völliger Humbug. Oder sind plötzlich alle Autos böse, wenn durch Amokfahrer Menschen sterben? Tatsächlich ist der Umgang mit einem Butterfly nur etwas für sehr geübte Hände, und der Handwechsel, d.h. Messerkampf, den meisten Menschen im geöffneten Zustand gar nicht möglich und höchst selbstverletzend. Wer beabsichtigt, ein Messer als Waffe zu nutzen, wählt wohl eher eine leicht zu handhabende feststehende Klinge, als ein aus beweglichen Teilen bestehendes und schwierig zu handhabendes Balisong. Gleiches gilt für Springmesser, deren Klinge bei vertikalem Druck leicht abbricht und welche notgelandeten Fallschirmspringern das Lösen der Schirmschnüre ermöglichen sollte. Tatsächlich wurden mit all solchen Messern auch nicht mehr Straftaten verübt, als mit anderen Messerarten. Küchenmesser waren weitaus häufiger Bestandteil von Straftaten – wollen wir die auch verbieten?

Einhandmesser

Jemand dessen Leben nicht viel mit Outdoor zu tun hat, wem Nadelstreifenanzug und Bürostuhl mehr behagt als einen Tag auf der Wiese, wird kaum die Notwendigkeit eines Einhandmessers verstehen und vermutlich ein Schweizer Taschenmesser mit unkomfortabel zu öffnender Klinge für völlig ausreichend halten. Mit solchen Werkzeugen kann ein Kletterer in Notlage am Berg jedoch genau so wenig anfangen, wie jeder andere, die nur eine Hand für ein dringend notwendiges Schneidwerkzeug frei hat. Dennoch sind Einhandmesser verboten…weil man sie mit einer Hand öffnen kann… und somit unauffälliger und schneller in der Lage sei, eine Straftat zu verüben. Genau so gesetzlich nicht erlaubt sind arretierbare Klappmesser (deren Mechanismus jedoch allein der Sicherheit des Anwenders dient). Das Problem dabei: alle hochwertigen Klappmesser sind heutzutage Einhandmesser (diese Komfortfunktion ist mittlerweile Standart) mit Klingenarretierung (notwendiges Sicherheitsmerkmal), d.h. offiziell sind damit so gut wie alle vernünftigen Taschenmesser verboten…und jeder der eines bei sich trägt, macht sich damit strafbar!

Spyderco Military & Dragonfly Salt
Spyderco Military & Native Pink
Chris Reeve Large Sebenza 21

Zum Rückgang von Straftaten haben derartige Gesetze nicht geführt; ein Krimineller wird sich kaum darum scheren, welche Waffe er wo führen darf – er wird dies entgegen aller Richtlinien und Gesetze auch weiterhin tun. Der rechtschaffende Bürger jedoch ist verunsichert, was er denn nun eigentlich noch darf. Ist der Kauf und der damit verbundene Transport (ohne verschlossenes Behältnis) eines Küchenmessers im Fachgeschäft bereits eine Straftat? Laut Gesetz ja, nach logischer Denkweise sicher nicht. Welches Messer darf man überhaupt noch zum Pilzesuchen und Wandern bei sich führen? Leider geraten statt Kriminelle gern auch rechtschaffende Bürger, in den Fokus der Behörden; Menschen, welche mit ihrem Messer nie eine Straftat begehen würden, wird das Schneidwerkzeug unter absurden Vorwänden beschlagnahmt. Dabei hätten Reglementierungen zur Ahndung von „echten“ Gesetzesverstößen bereits vor Verabschiedung derart sinnloser Gesetze konsequent umgesetzt werden können. Denn die Nutzung eines Messers als Waffe war schon immer verboten; egal ob Klappmesser, Butterfly, Jagdmesser, Küchenmesser, Pilzmesser, usw… jede Zuhilfenahme eines Gegenstandes im Kampf (egal ob zum Angriff oder zur Gefahrenabwehr) stellt mindestens eine schwere Körperverletzung dar und dabei ist völlig unrelevant, wie lange die Klinge ist oder welche Form sie hat. Mit der „Kriminalisierung“ von Messern als generelle Waffe ändert man kaum die kriminellen Absichten eines Straftäters; das sollte jedem klar sein. Dennoch sind Gesetze, egal wie sinnlos sie einem erscheinen mögen, bindend für jederman. Als Konsequenz daraus stellt die Messerindustrie (besonders in Europa und speziell in Deutschland) vor allem gesetzeskonforme Schneidwerkzeuge, d.h. Outdoormesser mit weniger als 12cm Klingenlänge her. In wie fern derartige Klingen noch alle üblichen Outdoor-Anwendungszwecke abdecken, möge bitte jeder für sich selbst entscheiden. Abzuwarten bleibt eine mögliche weitere Verschärfung derartiger Gesetze; 2019 wurde bereits über eine 8cm-Klingenlängengrenze diskutiert… mit welcher sich die Menschheit dann auf einen vorsteinzeitlichen Entwicklungsstand zurück katapultieren würde.

9. Messerkauf

Genau so wenig wie es die eierlegende Wollmilchsau gibt, existiert auch kein Messer für jede Art der Anwendung; es ist immer eine Frage des gewünschten bzw. vorwiegenden Anwendungszweckes sowie persönlicher Vorlieben. Hier ein paar Auswahlkriterien, die man berücksichtigen sollte:

  • Abwiegung der Vor- und Nachteile zwischen rostenden und weniger rostenden Stahlsorten
  • der Stahl sollte zum Anwendungszweck passen und mit der Messergröße harmonieren (großes Messer, zäher Stahl / kleines Messer / schnitthaltiger Stahl)
  • Klingenform- und Schliff sowie Bauweise
  • Art des Griffes
  • Messergröße (auch zu beachten: kleine Messer können eher zu viel Klingenstärke aufweisen, als dass große Klingen zu dick wären)
  • Tragweise und Holster (Serienscheide oder Eigenanfertigung)
  • 100%ig gesetzteskonform oder eher entsprechend des Anwendungszweckes?

Wieviele Messer benötigt man und welches ist das richtige?

Unterwegs im Fahrzeug kommt es nicht auf ein paar Gramm Stahl mehr an, hier kann man sich den Luxus erlauben für jede Situation das richtige Werkzeug mitzuführen; die Bordausstattung eines Expeditionsfahrzeuges sollte u.A. Axt, Beil, Säge, Machete und (diverse) Messer beinhalten. Auf Tour zu Fuß möchte man aus Gewichtsgründen natürlich nur das Notwendigste mit sich führen, auf selten benutze und extreme Klingenlängen- und Formen verzichtet man gern.

Aus eigener Erfahrung hat sich die Kombination aus großem und kleinen Messer sehr bewährt: eine dünnere ca. 10cm-Klinge für feinere Schneidarbeiten und die meisten Alltagsanwendungen und eine ca. 20cm-Klinge für gröbere Schneid und Spaltaufgaben. Mit nur einer, bzw. einer mittellangen Klinge von ca. 15cm trägt man zwar minimal wenig Ballast mit sich, muss dann ggf. aber auch Kompromisse in der Nutzung eingehen. Selten handeln wir rational, eher bestimmen unsere Vorlieben bzw. der persönliche Geschmack und am Ende nicht zuletzt auch der Geldbeutel einen Kauf. Und selbst das scheinbar unsinnigste Messer kann auf seine Art den gewünschten Anwendungszweck erfüllen, wenn man damit umzugehen weiß.

Mein Tip: orientieren Sie sich an Ihrem Nutzungsverhalten in der heimischen Küche – arbeiten sie dort lieber mit größeren als mit Kleineren Messern, werden sie auch im Outdoorbereich eher ein großes Messer lieben.

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