Outdoor-Kocher


Autor: Dominik

Vollständige Übersicht aller gängigen Kocher für unterwegs, ihre jeweiligen Eigenschaften, sowie Vor- und Nachteile, und Kriterien zur Auswahl des geeigneten Kochers.

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1. Kriterien

Für die Nutzung des Kochers sollten je nach Bedarf folgende Auswahlkriterien beachtet werden. Die angegebene Reihenfolge entspricht meiner persönlichen Priorität, und gilt auch für die folgenden positiv-negativ-Bewertungen der jeweiligen Kocher. Die Reihenfolge dieser Punkte kann individuell variieren, dennoch sollten beim Kauf eines Kochers alle Punkte bedacht werden.

  • Einsatzbereich (Temperatur)
  • Verfügbarkeit des Brennstoffes
  • Zuverlässigkeit
  • Einsatzbereitschaft (Zeit bis zur Funktion)
  • Leistung & Effizienz (Brennstoffverbrauch)
  • Geräuschpegel
  • Rauch- und Ruß-Entwicklung
  • Wartungsfreiheit
  • Kontrolle des Brennstoffvorrates
  • Bedienbarkeit (Umgang & Handling)
  • Sicherheit (Transport & Bedienung)
  • Raumnutzung (Zelt & Hütte)
  • Alternative Nutzung (Wärme, Licht, etc.)
  • Packvolumen & Gewicht (Maße)
  • Umwelt (Brennstoff & Abfälle)
  • Kosten (Kaufpreis

2. Heiz- und Brennwerte

  • Brennwert H (s) in MJ/kg = in einem Stoff chemisch gebundene Energie (inklusive der durch Wasserdampfkondensation gewonnene Energie)
  • Heizwert H (i) in MJ/kg = durch Verbrennung thermisch nutzbare Energie (ohne die durch Wasserdampfkondensation gewonnene Energie → wird errechnet und liegt ca. 10% unter Heizwert)
  • Einheiten: Joule = Leistung von 1W/s
  • Umrechnungen: 3,6 MJ/kg = 1 kW/h/kg
BrennstoffBrennwert in MJ/kgHeizwert in MJ/kg
Flüssiggas5046 – 47
Benzin4341
Petrodiesel4543
Biodiesel4037
Heizöl4240
Spiritus3027
Esbit31
Holz7 – 16
Holzpellets18
Holzkohle28 – 35
Braunkohle109 (Briketts: 20)
Steinkohle25 – 33
Wasserstoff142120

3. Gaskocher

  • Brennstoff: Flüssiggas (LPG) anteilig aus Butan C4H10, Propan C3H8, Isobutan (Methylbutan)
  • Brennwert: 12,8 kWh/kg (Heizwert 46-47 MJ/kg)
  • Kochdauer 1 Liter kaltes Wasser bei 8°C Außentemperatur: circa 11 Minuten bzw. ca. 9 Minuten im Flüssigbetrieb (Optimus Vega)
  • Eignung: universell, sofern die Temperaturen nicht unter den Gefrierpunkt fallen.
  • Je niedriger der Siedepunkt, desto höher der Druck, und desto höher die Leistung.
  • Siedepunkte: Butan -0,5°C / Isobutan -12°C / Propan -42°C
  • Mit abfallender Außentemperatur sinkt der Kartuschen-Innendruck, d.h. je wärmer, desto mehr Butan, je kälter desto mehr Propan ist anteilig notwendig.
  • Normalkartusche: 50% Butan, 25% Isobutan, 25% Propan
  • Winterkartusche: 80% Isobutan, 20% Propan, sowie Flies zur Oberflächenvergrößerung und damit Erhöhung des Verdampfungsprozesses, 10% Mehrleistung bis ca. -20°C.
VorteileNachteile

Außentemperaturabhängig wären unterschiedliche Kartuscheninnendrücke notwendig

Reaktion von flüssigem Gas in gasförmig entzieht der Umgebung Wärme, Kartusche vereist

kein Winterbetrieb mit Normalgas, Leistung lässt ab ca. +5°C spürbar nach (Schlauchkocher mit Vorheizschlaufe besser als Aufschraubkocher, aber dennoch kein Winterkocher)
Gaskartuschen sind zumindest in Europa & Nordamerika nahezu überall verfügbarWeder gibt es eine Füllstandskontrolle, noch lässt sich der Brennstoff bedarfsgerecht abfüllen
langfristig zuverlässiger Betrieb
schnell einsatzbereit
hohe Leistung (Brennwert Flüssiggas: 12,8 kWh/kg)mäßig laut (leistungsabhängig)
saubere Verbrennung, weder Rauch noch Ruß
wartungsarm bis wartungsfrei
Einfache, sichere Bedienung und gute Regulierbarkeit, schnelles Löschen der KocherflammeBei Aufsschraubkochern lässt sich ein Windschutz schlechter nutzen
sicherer Umgang und auch Transport (zweites nur bei Schraubkartuschen)Stechkartusche muss bis zur Entleerung mit dem Kocher verbunden bleiben (Gefahr von Gasautritt)
stabiler Stand, und damit auch für große Gefäße geeignet (nur Schlauchkocher)Aufschraubkocher mit hohem Schwerpunkt, neigen eher zum Umkippen
zur Nutzung im Zelt geeignet (Schlauchkocher benötigen dafür Bodenreflektor), uneingeschränkte HüttennutzungJe nach Bauart Wärmeabstrahlung in den Boden (besonders Schlauchkocher), und damit Brandgefahr
Kann auch als Heizung benutzt werden
relativ leicht bei relativ geringem PackvolumenAbfallaufkommen leerer Gaskartuschen
Kocher relativ preisgünstigFossiler Brennstoff

Betrieb (Gaskartuschen) relativ teuer

4. Benzinkocher

  • Brennstoff: Rohbenzin, Leichtbenzin, Kerosin, Dieselöl.
  • Brennwert Reinbenzin: 12 kwh/kg (Heizwert 43-53 MJ/kg)
  • Kochdauer 1 Liter kaltes Wasser bei 8°C Außentemperatur: circa 6 Minuten (Optimus Polaris Optifuel mit Reinbenzin)
  • Eignung: bei Temperaturen unter Null °C und/oder in ablegenden Regionen wo es außer Mineralöl keine anderen Brennstoffe gibt, oder diese nicht effektiv genug funktionieren würden.
VorteileNachteile
Auch für Minustemperaturen geeignet
Brennstoff ist weltweit erhältlich
Hohe Leistungsehr laut
Brennstoff kann individuell abgefüllt und das Restvolumen relativ gut kontrolliert werdenKein Rauch, aber Rußentwicklung mindestens während der Vorheizphase und danach brennstoffabhängig (Diesel und Öle)

Wartungsaufwand (brennstoffabhängig)
Schnelles Löschen der KocherflammeRelativ aufwendige Inbetriebnahme mit temperaturabhängiger Vorheizzeit, Umgang erfordert technisches Verständnis und Übung

Undichtigkeiten durch hohen Druck

Stichflamme beim Übergang vom Vorheizen zum Regelbetrieb

Hohe Brandgefahr bei ausgetretenem Brennstoff
Für Hüttennutzung geeignetUngeeignet für Zeltnutzung

Ungeeignet als Heizung, da laut und Ruß

Relativ großes Packmaß sowie hohes Gewicht

Brennstoff unsauber, stinkt, und giftig

Fossiler Brennstoff
Brennstoff relativ preisgünstigkocher teuer

5. Spirituskocher

  • Brennstoff: Brennspiritus = aus steuerlichen Gründen mit ungenießbaren Chemikalien vergällter (denaturierter) Ethanol (Alkohol)
  • Brennwert: 7,4 kWh/kg (Heizwert 20-27 MJ/kg)
  • Alternativ auch Brenngel/Brennpaste = durch Siliciuzmdioxid oder Cellulose-Derivate zähflüssiger Ethanol; kann mit Calziumacetat (E 263) bzw. Kernseife (5 TL Seifenspäne auf 200ml Spiritus) im Warmwasserbad auch selbst hergestellt werden. Sicherer Umgang da im kalten Zustand fester und gelbe statt farbloser Flamme, aber keine rückstandsfreie Verbrennung (Bindematerial bleibt zurück).
  • Kochdauer 1 Liter kaltes Wasser bei 8°C Außentemperatur: 17 min (Trangia 25-21)
  • Eignung: universell, sofern genug Brennstoff vorhanden, und längere Kochzeit keine Rolle spielt.
VorteileNachteile

Nicht unbedingt für Minustemperaturen geeignet (hoher Flammpunkt von 13°C, Brennstoff muss bei Frost vorgewärmt werden)
Brennstoff ist nahezu weltweit erhältlich (Ausnahme Länder mit Alkoholverbot)
Hohe Zuverlässigkeit, keine störanfälligen Mechanismen
relativ schnelle EinsatzbereitschaftFlamme muss erstickt, sollte nicht ausgeblasen werden
lautloser Betriebgeringer Brennwert, sehr lange Kochdauer

Rußbildung (abhängig von der Entfernung Brenner-Topf, und kann aber mit der Zugabe von ein wenig Wasser minimiert werden)
wartungsarm und robust (Deckeldichtung als einziges Verschleißteil)
Brennstoff kann individuell abgefüllt werden, Kontrolle Restvolumen Flaschenabhängig

windanfällig

Flamme praktisch nicht regulierbar

Brenner im Betrieb nicht nachfüllbar

Beim Einfüllen in den Brenner geht leicht etwas daneben
Brennstoff erzeugt keine VerpuffungBeim Umkippen des Brenners läuft sofort alles aus (Brandgefahr kann durch Bindematerial vermindert werden)
Für Zeltnutzung geeignet, Hüttennutzung uneingeschränktFlamme meist kaum sichtbar

Ungeeignet als Heizung
Brenner selbst sehr leicht und kleines Packmaß (nicht hinzugerechnet Brennstoff und Trangia-Kochvorrichtung mit Windschutz)Brennstoff unsauber, stinkt, und giftig
Brennstoff, Brenner und Unterhalt sehr günstig

6. Esbitkocher

  • Brennstoff: Trockenbrennstoff Esbit = Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform (Urotropin / Hexamethylentetramin / E239)
  • Brennwert: 8,7 kwh/kg (Heizwert 31,3 MJ/kg)
  • Kochdauer 1 Liter kaltes Wasser bei 8°C Außentemperatur: circa 19 Minuten (eine 14-Gramm-Tablette brennt 11 Minuten)
  • Eignung: Notkocher (Bundeswehr) auf sehr kurzen Touren und für kurze Zubereitungszeiten (Notkocher Schweizer Armee = Dose Brenngel).
VorteileNachteile
temperaturunabhängiger EinsatzbereichBrennstoff fast nur im deutschsprachigen Fachhandel erhältlich
zuverlässiger Betrieb (sofern trocken gelagert)Brennstoff feuchtigkeitsempfindlich (hygroskopisch und wasserlöslich))
schnelle Einsatzbereitschaftsehr windanfällig
Lautloser Betriebgeringer Brennwert, sehr lange Kochdauer steht in schlechtem Verhältnis zum Nutzen
wartungsfreiRußentwicklung
Brennstoffvorrat ist leicht überschaubarBrennstofftabletten müssen komplett abgebrannt werden, sind nicht wiederverpackbar
sehr leichte BedienungFlamme nicht regulierbar
Teilweise sicherer Transport (nur bei 27g)14g-Verpackung teilweise nicht sicher verschlossen, kann aufreißen

Keine Nutzung im Zelt oder Hütte (Gestank, Ruß, Hitzeabgabe in Unterboden)

Keine Nutzung als Heizung möglich (Ruß, Gestank, geringer Brennwert)

Brennstoff stinkt und ist giftig
Geringes Gewicht und kleines PackmaßVerpackungsabfall (Kunststoff) bei jeder Tablette
Sehr günstiger KocherRelativ teurer Brennstoff (auch weil wenig effektiv)

7. Holzkocher

  • Hobokocher = Kochstelle nach dem Funktionsprinzip des Kamineffekts, einige durchdachtere Modelle arbeiten auch als Holzvergaser, sowie auch als Raketenherd (jeweils effektiver).
  • Brennstoff: Holz
  • Brennwerte (ca. 5kWh/kg) von höher bis niedrig (Heizwert 6,8-15,8 MJ/kg): Eiche, Buche, Robinie, Esche, Kastanie, Ahorn, Birke, Platane, Ulme, Lärche, Kiefer, Douglasie, Erle, Linde, Fichte, Tanne, Weide, Pappel.
  • Kochdauer 1 Liter kaltes Wasser bei 8°C Außentemperatur: ca. 9 Minuten (Solo Stove Titan mit trockenem Kiefernholz)
  • Eignung: Für Gebiete, in denen ausreichend trockenes Holz zur Verfügung steht, die Nutzung nicht durch regionale Gesetze untersagt ist, und man sich entsprechend Zeit nehmen kann.
VorteileNachteile
temperaturunabhängiger EinsatzbereichBrennstoff Holz muss trocken sein (mitunter schwierig bei nasser Witterung)
Hohe Autonomie, Brennstoff muss nicht mitgeführt werden, und bauartabhängig kann ggf. auch andere Biomasse außer Holz verbrannt werden (Zapfen, Dung, etc.), d.h. wenn, dann nahezu unendlich zur Verfügung stehender BrennstoffBrennstoff nicht überall verfügbar (Gebrige, Wüsten)

Durch Vorschriften (Natur- und Brandschutz) eingeschränkte Einsetzbarkeit
Zuverlässiger BetriebSehr lange Vorbereitungszeit für Holzsuche und Holzspalten, sowie lange Anzünddauer
Leiser bis lautloser Betrieb (Holz-abhängig)Geringer Brennwert von Holz (5kWh/kg, kann jedoch mit durchdachten Kocherkonstruktionen verbessert werden)
wartungsfrei (sofern es sich nicht um sich verziehende Klappmodelle aus Titan handelt)Starke Rauch- und Rußentwicklung (Bauart-abhängig) verunreinigt Kocher und Kochgeschirr
Brennstoffvorrat kann gut portioniert werdenZum längeren Kochen sehr viel Holz notwendig

Brennstoff muss während des Betriebes permanent nachgelegt werden

Zunder notwendig (z.B. gewachste Watte)
Leichte BedienungVerbrennungsgefahr
Auch leicht selbst herzustellen (z.B. aus einer großen Konservendose)Starke Wärmeabstrahlung in den Boden (Bauart-abhängig)

Waldbrandgefahr durch Funkenflug und Glut
Nutzung als Heiz- und Lichtquelle, sowie zur GeselligkeitNicht in Zelt oder Hütte nutzbar
Einfache Konstruktionen mit relativ kompakten PackmaßEffizientere Konstruktionen mit großem Packvolumen
Kleine Bauarten mit relativ geringem GewichtGrößere und komplexere Konstruktionen mit hohem Gewicht (Edelstahl)
Nachwachsender Rohstoff
keine Abfälle (Asche = Dünger)
keine Unterhaltskosten (sofern Brennstoff kostenlos zur Verfügung steht)Durchschnittlich hohe Anschaffungskosten

8. Meine Nutzung

  • auf mehrtägigen Solo Wander-,Trekking- und Bootstouren: Gaskocher (Optimus Vega), Spirituskocher (Trangia 25-21 Duosal), Holzkocher (Solo Stove Titan)
  • auf Wintertouren: Benzinkocher (Optimus Polaris Optifuel & Optimus Nova)
  • auf mehrtägigen Touren mit weiteren Personen, sowie auch mit dem Fahrzeug: zusätzlich auch einen größeren Holzkocher (Solo Stove Campfire)

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2 Gedanken zu “Outdoor-Kocher

  • Thomas

    Danke für den ausführlichen Text.
    Beim Holzvergaser fehlt mir eigentlich noch der Wasserkocher, den es auch von Petromax oder KellyKettle gibt. Und ganz wichtig, zum Solo Stove ist es ratsam das folgende Video anzuschauen, denn Solo Stove verkauft nach perfektem Marketing ihre China Produkte zu einem enorm teuren Preis. Wenn man direkt bei AliExpress in China bestellt, bekommt man das gleiche Produkt für 17 Dollar, inkl. Versand. Somit sind die Anschaffungskosten eigentlich gar nicht mehr so hoch.
    Aber gerade diese Holzvergaser oder Kaminöfen arbeiten auch mit leicht feuchtem Holz und sind echt genial, weil man den Brennstoff nicht mittragen muss.

    • Dominik Autor des Beitrags

      Danke für den Hinweis, wie im Video angekündigt folgt mein separater Bericht zum Solo Stove noch, nachdem ich beide Kocher einige Male in Verwendung hatte;-) Der Solo Stove steht in diesem Bericht/Video als ein Beispiel für einen Holzkocher. Wie erwähnt gibt es zahlreiche Varianten von Holzkochern (so wie es auch verschiedene Gaskocherarten gibt), welche auch nach unterschiedlichen Prinzipien verbrennen.

      Sehr viele Produkte weltweit kommen aus China, nicht nur Solo Stove sondern z.B. auch Petromax (siehe mein Review dazu). Die Firmenphilosophie bedeutet meist, ein billiges Produkt in Fernost einzukaufen, mit dem eigenen Firmenlogo versehen zu lassen, und es dann völlig überteuert weiter zu verkaufen. Viele Unternehmen sind gar keine Hersteller, sondern einfach nur noch Händler, die wenig mit dem Produktionsprozess an sich zu tun haben. Den Schritt eines Händlers könnte man sich grundsätzlich sparen, wenn man alles direkt beim eigentlichen Hersteller kaufen würde, sofern dies möglich wäre. Aber der Hersteller möchte Händler um den Verkauf anzukurbeln, und Händler wiederum sichern sich mitunter auch die Verkaufsrechte für das jeweilige “einmalige” Produkt. Da es in China jedoch praktisch keinen Patentschutz gibt, können zig Firmen das selbe Produkt unter anderen Namen vermarkten.

      Wir leben in einer kapitalistischen Marktwirtschaft, wo möglichst viele Unternehmen an ihrer jeweiligen Zwischenstation verdienen möchten, und auch immer mehr andere Produkte kopieren, weil dies deutlich leichter ist, als eigene Innovationen zu bringen. Der Konsument ist nicht selten der Dumme, manchmal sogar der Betrogene. Und um dem wenigstens etwas entgegen zu wirken, mache ich meine Reviews;-)