Vergleich: Tatonka Yukon 85+10 vs. Tasmanian Tiger Pathfinder MKII 8


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Autor: Dominik

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Vergleich der beiden Trekking-Könige: ziviler Tatonka Yukon 85+10 (X1-Tragesystem) vs. militärischer Tasmanian Tiger Pathfinder MKII (V2-Tragesystem).

1. Produkt

Große Trekking-Rucksäcke für Mehrtagestouren

2. Unternehmen

  • Tasmanian Tiger ist seit 1999 Tatonkas Polizei- und Behördenmarke
  • Die Tatonka (= “Bison” in Sioux-Sprache) GmbH ist ein seit 1993 bayrisches Familienunternehmen (seit 1980 Mountain Sport GmbH) mit eigenen Produktionsstätten.
  • Made in Vietnam (Open Factory)
  • Das Markenlogo bildet den Tasmanischen Tiger (Beutelwolf) ab, der in Tasmanien als ausdauernder Jäger aber auch bereits seit Jahrzehnten als ausgestorben gilt.
Tatonka Yukon X1 85+10 Label
Tatonka Yukon X1 85+10 Label
Tasmanian Tiger Pathfinder MKII Label
Tasmanian Tiger Pathfinder MKII Label
Tasmanian Tiger – Tatonka

3. Kauf

  • 07/2021: Tatonka Yukon 218,-€ (UVP 320€)
  • 07/2021: Pathfinder 289,-€ (UVP 350€)

Nachdem ich das Field Pack bereits seit über einem Jahr im Einsatz habe, und auch dieser große Rucksack immer mal wieder an seine Grenzen gekommen ist, war ich auf der Suche nach einem noch größeren Modell, welches mich in Zukunft auf meinen Mehrtages-Touren und Wildnis-Expeditionen begleiten soll; ich entschied mich für den Pathfinder. Parallel dazu fragte mich ein Bekannter nach (m)einer Empfehlung für einen großen Trekkingrucksack mit bestmöglichem Tragesystem; er plante eine längere Solo-Wanderung. Somit bestellte ich beide Rucksäcke (jeweils etwas rabattiert), und unterzog sie einem direkten Vergleich: zivil vs. militärisch; auch weil ich bereits andere interessante Vergleiche dieser Art gemacht hatte.

Tatonka Yukon X1 85+10
Tatonka Yukon 85+10 Etikett
Tatonka Yukon X1 85+10
Tasmanian Tiger Pathfinder MKII Etikett
Tasmanian Tiger Pathfinder MK II Etikett
Tasmanian Tiger Pathfinder MKII

4. Spezifikationen

  • Tatonka Yukon 85+10 / Tasmanian Tiger Pathfinder MKII
  • Maße: 86 x 38 x 24 cm / 84 x 35 x 22 cm
  • Volumen: 85 +10 Liter / 80 + Liter
  • Gewicht: 3,29 kg (Herstellerangabe 3,25 kg) / 3,22 kg (Herstellerangabe 3,25 kg)
  • Tragesystem: X1 / V2
  • Material: T-Snow Crust, Cordura® 500 den / 100 % Nylon Cordura 700 den
  • Farbe: stone grey olive / oliv
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Tatonka Yukon & Tasmanian Tiger Pathfinder
Tatonka Yukon X1 85+10 Gewicht
Gewicht Tatonka Yukon 85+10
Tasmanian Tiger Pathfinder MKII Gewicht
Gewicht Tasmanian Tiger Pathfinder MKII

5. Praxis

Größter Unterschied der beiden Rucksäcke ist ihr Tragegestell. Beim X1-Tragegestell des Tatonka Yukon leiten zwei ergonomisch gebogene, X-förmig gekreuzte Aluminiumstäbe einen Großteil der Traglast seitlich in den stark gepolsterten Hüftgurt. Das V2-Tragesystem des Tasmanian Tiger Pathfinder besteht aus zwei zu einem umgekehrten „V“ angeordneten Aluminiumstäben mit zwei lastabstützenden, glasfaserverstärkten Kunststoffstäben, welche die Last in die ebenso dick gepolsterten Hüftflossen leiten. Der Unterschied besteht in der noch höheren Lastenaufnahme des X1 zu dem dafür etwas flexibleren V2; beide Tragesystem sind gleichartig auf die jeweilige Rückenlänge einstellbar, und auch für große Personen gut geeignet. Beide Schultertrageriemen sind ausreichend dick gepolstert, die des Yukon aber noch dicker, und wirklen durch ihr weiter nach unten reichendes und in diesem Bereich auch flacheres Polster nochmals komfortabler.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder X1 vs. V2-Rückentragesystem
X1 vs. V2-Rückentragesystem
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder Schultertrageriemen
Schultertrageriemen

Der Hüftgurt des Yukon ist nicht nur anatomisch vorgeformt, sondern auch breiter, während die Hüftflossen des Pathfinder gerade und vor allem nach vorn schmaler verlaufen. Während der zivile Rucksack hier auf maximalen Komfort baut, ist der militärische für mehr Bewegungsfreiheit konstruiert. Komfortabler zu bedienen ist auch der umgelenkte Hüftgurt-Zug des Yukon, während der Gurt des Pathfinder in etwas unbequemerer Armbewegung auf den jeweiligen Umfang eingestellt werden muss. Dafür ist der Verschluss des militärischen Rucksacks deutlich massiver, während der des Yukon dagegen schon leicht unterdimensioniert wirkt. Eine schmalere Schnalle stört natürlich weniger am Bauch, ist allerdings auch bruchgefährdeter. An den Hüftflossen des Yukon gibt es Materialschlaufen, und kann optional z.B. die sehr leichte, aber dennoch recht große Tatonka Hip Belt Pouch befestigt werden. Am fast vier-reihigen PALS-webbing des Pathfinders finden zahlreiche Taschen unterschiedlicher Hersteller mit Molle-Sytem (z.B. die TT Tac Pouches) ihren Platz.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder Hüftgurte
Hüftgurte
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder seitlche Hüftflossen
seitlche Hüftflossen

Auf den ersten Blick ist die Front beider Rucksäcke anährend gleich gestaltet: unter dem Deckel sitzt einer der beiden stabilen Tragegriffe, darunter befindet sich ein mit Reißverschluss und Stretch volumenvariables Fach, und im unteren Drittel das große und leicht zugängliche Bodenfach. Tatsächlich jedoch sind die Ausstattungen hier sehr verschieden.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Front
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Frontfach geöffnet

Im aufgesetzten Frontfach des Yukon mit elastischem Einsatz lassen sich sowohl flachere als auch mittelgroße Gegenstände oder auch ein Kleidungsstück (z.B. Nässeschutzjacke) unterbringen. Die Komressionsklappe des Pathfinder lässt sich nicht nur durch die Stretcheinlage mit Reißverschluss erweitern, sondern zusätzlich duch erweiterebare Fallschirmschnur und zwei Hakengurte ungefähr dreimal so weit abklappen. Hier findet natürlich der Gefechtshelm, oder aber auch jeder andere gleich große Gegenstand seinen Platz. Außerdem besitzt dieses Fach mittig unten eine Öffnung, so dass z.B. auch eine Langwaffe oder Angelroute durchgeschoben werden kann. Dafür lässt sich die gesamte Front des Yukon ähnlich einer Reisetasche per Reißverschluss öffnen, und ermöglicht damit einen sehr bequemen Zugang zum inneren Hauptfach; hier muss also weder beim Auspacken gewühlt, noch beim Einpacken blind gestopft werden. Sowohl der Reißverschuss dieser umlaufenden Frontklappe, als auch der des Bodenfaches ist beim Yukon durch ein optional verwendbares Schloss abschließbar.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
maximale Öffnung Frontfach
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
frontaler Zugang zum Hautfach
Tatonka Yukon X1 85+10 abschließbarer Reißverschluss
abschließbarer Reißverschluss

Der Zugang des Bodenfachs ist prinzipiell gleich, nur der Reißverschluss des Yukon lässt sich etwas einfacher betätigen, da der des Pathfinder hinter einer deutlich größeren als auch dickeren Abdeckleiste mit Gummizug geschützt ist. Bei beiden Rucksäcken kann das Bodenfach durch eine Reißverschlussklappe vom Hauptfach abgetrennt werden, hier gibt es praktisch keinen Unterschied; auch nicht bei den jeweils beiden Schlaufen für die Trekkingstöcke. Jedoch besitzt der Yukon einen zusätzlichen dritten Griff unter dem Bodenfach, mit dem sich der Rucksack dann z.B. etwas komfortabler aus einer waagerechten Transportposition (Gepäckfach) heraus ziehen lässt.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Bodenfächer
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Bodenfächer geöffnet
Tatonka Yukon X1 85+10 Trennung Bodenfach
Trennung Bodenfach

Über sowie unter dem Bodenfach verlaufen bei beiden Modellen lange Kompressionsriemen, so dass man hier sowohl zusätzliche Ausrüstung (z.B. Isomatte) davor als auch darunter anbringen kann; allein die durchführenden Kunststoffringe des Pathfinder suggerieren etwas mehr robuste Spannkraft als auch eine etwas bessere Umlenkung der Riemen. Die seitlichen Konzepte sind dann wieder jeweils sehr verschieden. Beim Yukon gibt es sowohl ein äußeres großes Einschubfach aus Stretch, als auch ein zusätzliches Reißverschlussfach mit Volumenfalten, welches unabhängig vom Hauptfach befüllt werden kann. Beim Pathfinder gibt es eine etwas kleinere, nicht stark dehnbare, dafür aber deutlich robustere seitliche Einstecktasche, in welche auch Ausrüstung oder eine 1-Liter-Nalgene-Flasche hinein passt. Darüber ist 3/4 der Seite mit vierreihigem (4×6) PALS-webbing versehen, an dem entweder optionale Taschen, oder weitere Ausrüstung angebracht werden kann. Beide Rucksäcke besitzen ungefähr auf gleicher Höhe und per Schnellverschluss zu öffnende seitliche Kompressionsriemen; die des Pathfinder sind etwas breiter, die Schnallen etwas größer.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Boden mit Kompressionsriemen
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Seiten

Auf dem oberen Deckelfach des Yukon ist ein RECCO®-Reflektor angebracht, so kann der Rucksack bzw. die Person im Notfall von Rettungskräften eventuell leichter gefunden werden; bei Militärrucksäcken ist jede Art der Ortung natürlich eher unerwünscht. Beide Deckel verfügen über vier Ösen zur Anbringung zusätzlicher Ausrüstung mit Hilfe von optionalen Gurtbändern: der Yukon einfache Schlaufen, der Pathfinder etwas komfortablere Kunststoffringe. Der Doppelreißverschluss des Yukon ist in schicker Carbon-Optik und sehr leichtgängig, der des Pathfinder rundherum mit einer Schutzleiste abgedeckt. Beide Deckelfächer sind gleich groß, und besitzen einen integrierten Kunststoffkarabiner. Während beim Pathfinder eine Regenschutzhülle zum Lieferumfang gehört, muss diese beim Yukon bei Bedarf dazugekauft werden (z.B. Tatonka Rainflap XXL).

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Deckel
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Reißverschluss Deckel
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
äußeres Deckelfach

Unter beiden Deckelfächern befindet sich ein gekennzeichnetes Erste-Hilfe-Fach (ohne Inhalt), sowie ein Schneefang mit jeweils zwei Schnürzügen. Beide Deckel sind höhenverstellbar, der Rucksack kann dadurch im Volumen um bis zu 10 Liter erweitert werden.

Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
inneres Deckelfach
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
Schneeschürze
Tatonka Yukon vs. Tasmanian Tiger Pathfinder
überpackbar

Beide Rucksäcke sind für ein Trinksystem vorbereitet, d.h. besitzen am Rücken des Hauptfaches ein Einsteckfach mit Gummizug für eine optionale Trinkblase, sowie oben eine Öse zum Befestigen. Der Yukon besitzt für den Schlauch einen mittigen Durchgang, der Pathfinder einen seitlichen sowie auch zwei Durchführungen im abnehmbaren Deckel.

Tatonka Yukon X1 85+10 Trinksystemvorbereitung
Trinksystemvorbereitung
Tatonka Yukon X1 85+10 Trinksystemvorbereitung
Trinksystemvorbereitung
Tasmanian Tiger Pathfinder MKII Trinksystemvorbereitung
Trinksystemvorbereitung

6. Tatonka Yukon X1 85+10

  • sehr komfortable Polsterung ( + )
  • komfortabel bedienbarer Hüftgurt ( + )
  • direkter Zugang zum Hauptfach durch Frontklappe ( + )
  • komfortabler Zugang zum Bodenfach ( + )
  • diverse Fächer zur besseren Organisation ( + )
  • umlaufende Bodenkompression ( + )
  • sicherer Stand ( + )
  • dünneres, beschädigungsanfälliges Material ( – )
  • vorderer Tragegriff ggf. durch Deckel verdeckt ( – )
  • keine großen Erweiterungsmöglichkeiten ( – )
  • keine Regenhülle im Ausstattungsumfang ( – )

7. Tasmanian Tiger Pathfinder MKII

  • robustes Material ( + )
  • gut geschützte Reißverschlüsse ( + )
  • diverse Erweiterungsmöglichkeiten ( + )
  • komfortabler Zugang zum Bodenfach ( + )
  • umlaufende Bodenkompression ( + )
  • zwei gut platzierte und komfortable Tragegriffe ( + )
  • sicherer Stand ( + )
  • integrierte Regenhülle ( + )
  • umständlich anzuziehender Hüftgurt ( – )
  • Rückentragesystem könnte bei zu schwerem Rucksack unkomfortabel werden ( – )
  • keine anatomisch vorgeformten Hüftflossen ( – )

8. Fazit

Beide Rucksäcke sind ideal für lange Wildnistouren geeignet, doch während der Tatonka Yukon auch bei höherem Gewicht auf maximalen Komfort ausgelegt ist, punktet der Tasmanian Tiger Pathfinder im direkten Vergleich vor allem mit höherer Robustheit, mehr Flexibilität sowie weiteren Modifikationsmöglichkeiten.

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8 Gedanken zu “Vergleich: Tatonka Yukon 85+10 vs. Tasmanian Tiger Pathfinder MKII

  • Michel

    Sehr ausführliches Review. Ich würde mich definitiv für den Pathfinder entscheiden allerdings habe ich gehört das es im Ausland Probleme mit Militär Rucksäcken geben kann. Ist das tatsächlich ein Problem, als Touri mit einem oliven Pathfinder, oder bezieht sich das eher auf Tarnmuster etc. Habe in einem Forum gehört das man da mal schnell als feindlicher Freischärer gesehen wird und mache mir diesbezüglich schon ein paar sorgen.

    • Dominik Autor des Beitrags

      Hallo Michel, nach meiner Erfahrung kann es ein Problem darstellen, mit einem Fahrzeug oder kompletter Kleidung in Militärlackfarben, bestimmte Länder zu durchqueren. Bei den Farben sind hier wirklich alle vom Militär genutzten Farben gemeint, d.h. nicht nur die typischen Naturfarben oliv, sand und braun, sondern tatsächlich alles, was die Militärfarbpalette oder auch die bestimmter Hilfsorganisationen her gibt (inklusive weiß). Mit bestimmten Ländern sind nicht nur Diktaturen, Militärregime, Bürgerkriegsregionen, sondern sämtliche Krisengebiete gemeint. Beim genauen Blick auf die Kombination “Militärfarben” und “bestimmte Länder” stellt man fest, das so gut wie alles ein Problem darstellen könnte, und man sich mit keinem Fahrzeug und fast gar keiner Kleidung überall sich fühlen kann. Was im einen Land gut funktionieren könnte, könnte schon im Nachbarland wieder zu Problemen führen. Besitzt man kein regionales Merkmal oder Kennzeichen, bräuchte man theoretisch überall ein anderes Auftreten bzw. Aussehen und Design. Daher gibt es z.B. bei Expeditionsfahrzeugen mittlerweile die kuriosesten Lackierungen. Und bedenkt man, wie viele Krisenregionen es mittlerweile auf der Welt gibt, dürfte man theoretisch gar nicht mehr mit dem eigenen Fahrzeug oder grundsätzlich mit Militärkleidung unterwegs sein.

      Und hier bekomme ich dann die Kurve zu der von Dir angesprochenen Rucksackfarbe. Überall wo man als “Ausländer” oder gar Tourist in Erscheinung tritt, unterliegt man einer höheren Gefahr als Einheimische. Das reicht vom kleinen Betrug beim Kauf von Handelswaren über Raubüberfälle bis hin zu Entführungen, wahllosen Verhaftungen oder gar Mord. Auch hier wieder der Blick auf die Länder: wo ist man denn eigentlich noch sicher? Nirgendwo! Denn auch vor der eigenen Haustür kann solch ein Fall eintreten (wenn auch etwas unwahrscheinlicher). Jedoch die Menschen fühlen sich allgemein immer schneller unsicher bzw. lassen sich mittlerweile schneller verunsichern. Und meiner Meinung wird dieses Bild vor allem durch die Medien, und vielleicht auch durch das dadurch ein oder andere entstandene Märchen geprägt, jedoch weniger durch echte Erfahrungen. Foren können hilfreich sein, man weiß jedoch nie, ob die Aussagen dort wirklich stimmen, zudem kennt man die Personen dort auch nicht wirklich.

      In ein reines Kriegsgebiet würde ich nicht unbedingt mit einem klassischen Militärfahrzeug fahren, und auch keine Tarnkleidung tragen. Wohl aber in Kleidung mit einfarbigen Naturtönen, und in jedem Fall mit grünem oder braunen Rucksack unterwegs sein. Denn bei einer Person gehört noch deutlich mehr zum falschen Eindruck als nur der Rucksack, z.B. die Kleidung und mitgeführte Gegenstände. Ein Fahrzeug wird eher aus der Entfernung schon mal falsch eingeschätzt, eine Person jedoch erst bei einer direkten Gegenüberstellung beurteilt. Grüne Rucksäcke waren noch nie ein Militärmerkmal, viele Bergsteiger hatten schon vor dem zweiten Weltkrieg solche Säcke aus Segeltuch, und waren damit weltweit unterwegs. Rucksäcke in naturfarben sind weltweit verbreitet, von südostasiatischen über südamerikanische bis zu afrikanischen und Nahostregionen, also überall, wo es tendenziell immer “brennt”.

      Auch ich wurde schon angehalten und kontrolliert, allerdings nicht wegen dem Rucksack, sondern wegen militärischer Kleidung. Im vergleichsweise friedlichen Skandinavien kann man z.B. schnell für einen Jäger, und im Regenwald schnell für einen Söldner gehalten werden. Wegen eines Rucksack jedoch hatte ich noch nirgendwo Probleme. Maximal der Inhalt könnte zu Problemen führen, aber das ist ja nun wirklich farbunabhängig.

      Allgemein waren Militärfarben lange verpönt (Tarnmuster noch mehr), werden sie nicht selten mit Negativen assoziiert. Seit den 90ern sind sie aber auch als Modemerkmal in Erscheinung getreten, und heute in vielen Läden zu finden, selbst namhafte Hersteller haben sie im Sortiment. Dennoch gibt es immer noch ausreichend Menschen, die weiterhin ihr engstirniges Denken weiterverbreiten, und andere allein dadurch negativ beurteilen. Das sind dann allerdings weniger praktische, und nicht selten Menschen, die grundsätzlich eher zum Verallgemeinern neigen, als sich einen echten Eindruck zu machen. Und von genau jenen Menschen habe ich schon so einige wilde “Theorien” zu Militärfarben gehört. Im Ausland getroffen jedoch habe ich davon bisher nicht einen. Vermutlich weil sie ihr Wissen vom Couch-TV beziehen, und eher eine Mittelmeerkreuzfahrt bevorzugen? Du würdest von diesen Menschen sicherlich irgendwo ein Naserümpfen kassieren, jedoch weniger ein Problem mit einem Beamten des jeweiligen Landes bekommen. D.h. auf einem Kreuzfahrtschiff gehört der Pathfinder womöglich nicht zur passenden Abendgarderobe, am karelischen Grenzübergang wirst Du deswegen aber sicher nicht verhaftet.

      Bei der Kleidung sollte man wirklich aufpassen, denn Kleider machen nun mal Leute. Beim Fahrzeug kann es sein, muss es aber auch nicht. Und beim Rucksack kenne ich weder einen echten Fall anderer (ich meine nicht die besagten Märchengeschichten), noch könnte ich hier eigene negative Erfahrungen nennen (sonst würde ich sie kaum weltweit nutzen). Wichtig ist, unabhängig von allem anderen, vor allem das eigene Auftreten und entsprechend angepasstes Verhalten, um die gravierensten Probleme zu vermeiden. Du bekommst mit einem knallbunten Rucksack eher Probleme, wenn Du Dich falsch verhältst, als dass Du bei korrektem Verhalten mit einem grünen Rucksack bekommen würdest. Lass Dich also nicht von der Rucksackfarbe täuschen oder angeblichen Erfahrungen verunsichern;-) Auf dahin, viel Spass draußen, und beste Grüße Dominik.

  • Manuel

    Top Vergleich! Wo siehst du die Kapazitätsgrenze bezüglich der Zuladung beim V2 Tragesystem auf langen Wildnistouren? Habe den Yukon X1, bin aber von diversen Details genervt. Der Pathfinder mit dem zivilen X1, das wäre was…

    • Dominik Autor des Beitrags

      Hallo Manuel, und Danke für Deinen Kommentar.

      Was genau nervt Dich denn am Yukon X1, habe ich einige Mängel übersehen? Dann editiere ich die natürlich gern.

      Die Kapazitätsgrenze ist natürlich sehr individuell, und liegt in der Regel unter dem, was der Rucksack theoretisch aushalten würde, und manchmal auch unter dem, was der Hersteller angibt. Persönlich würde ich den Pathfinder MKII jedoch nur bis circa 25kg nutzen, ansonsten wird nebenbei auch das Geknarkse des V2 zu nervig. Alles darüber (und bei einigen auch schon darunter) bedarf meiner Meinung nach einem massiveren Tragesystem, um dennoch halbwegs komfortabel getragen werden zu können. Gilt, wie Du auch gefragt hast, nur für längere Touren; kurzzeitig geht natürlich auch mehr. Meine damaligen circa 50kg wären nur noch mit X1 (Bison) machbar, aber das lag dann auch deutlich über meiner Grenze von normalerweise um 30kg.

      Werde demnächst auch noch einmal den Range Pack mit X1 unter die Lupe nehmen, sollte Dich auch dieser Vergleich interessieren?!

      Bezüglich dem eventuell idealen Rucksack bin ich bereits schon seit einigen Jahren mit der Umsetzung einer eigenen Idee beschäftigt, und beabsichtige in Zukunft dahingehend auch etwas zu veröffentlichen, wie ich es schon ein wenig in meinem YT-Jahresrückblick angekündigt hatte;-) Mein letztes Youtube-Video 2021

      Beste Grüße, Dominik

      • Manuel

        Danke für deine Einschätzung, dann ist der Pathfinder für mich raus. Das Range Pack finde ich als Zivilist unnötig und zu schwer.
        Zum Yukon x1: Das Tragesystem und Volumen ist top, auch das Material erscheint mir robust genug für den zivilen Dauereinsatz im Busch.
        Was mich stört sind unnötige und schwere Details: die Seitentaschen bieten keinen signifikanten Stauraum und sind damit totes Gewicht.
        Die Stretch Fächer sind imho zu hoch/eng um dort eine Trinkflasche unterzubringen auf die man beim Gehen Zugriff hat. Eine zusätzliche Öffnung des Mesh nach vorne könnte reichen, besser fand ich aber die Seitenfächer beim alten Katanga/Bison. Seitentaschen lassen sich zwar am Gurt installieren, mir wären fest verbaute aber etwas lieber.
        Die aufgesetzte Fronttasche ist nur bedingt nutzbar, da sie nach oben immer sperrangelweit offen steht. Daisy Chains + Bungeecord könnten das gleiche – Tasche ist also auch totes Gewicht.
        Die große Frontöffnung ist Geschmackssacke, die Spanngurten dafür find ich aber unnötig, da war auf voll beladen nie Spannung drauf. Besser fänd ich allerdings ein/zwei einfache Seitenzipper wie am FR Keb oder Osprey Xenith. Auch hier sehe ich viel totes Gewicht.
        Seitenkompressionsriemen sollten so lang sein, dass man dort auch eine Feststoffmatte oder ein Zelt dran bekommt. Alle Riemen sind zu lang, nur nicht hier wo man es braucht…
        Die Innenverkleidung empfinde ich ebenfalls als unnötig, lieber etwas dickeres Außenmaterial und dann auf den Liner verzichten, so wie es bei fast allen anderen Standard ist.
        In der Summe sehe ich viel Luft für Gewichtseinsparung, ohne dass der Komfort und die Robustheit leidet. Ich bin sicher kein ULer und laufe regelmäßig an der Kapazitätsgrenze. Ich sehe da aber 6-700g Luft, was wiederum bedeutet man kann länger draußen bleiben. Der Purismus vom Field Pack vereint mit einigen zivilen Details und dem Tragesystem + Volumen vom Yukon X1 bei 2,5kg Eigengewicht wäre genau meins…

        • Dominik Autor des Beitrags

          Vielen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung! Wenn Du meinen YT-Kanal im Auge behältst (einen entsprechenden Hinweis wird es dann natürlich auch hier auf der Webseite geben), hätte ich in Zukunft möglicherweise etwas für Dich…und sicher auch sehr viele andere. Nach über 20 Jahren Trekking, und noch mehr Rucksäcken, arbeite ich bereits seit einiger Zeit am Entwurf zweier eigener Rucksäcke, die möglichst nicht über all die praxisfremden Fehler der Hersteller verfügen. Wie Du, und auch viele andere, habe ich mir schon lange einen wirklich durchdachten Rucksack gewünscht, und vereine in meinen aktuellen Prototypen die Vorteile der besten bereits auf dem Markt befindlichen Modelle mit dem, was ihnen fehlt. Da diese Seite u.A. auch von Herstellern gelesen wird, ich dort in der Vergangenheit jedoch leider wenig Erfolg mit meinen Ideen hatte, sehe ich vorerst von der Veröffentlichung von Bildern oder Beschreibungen ab. Denn ich möchte nicht, dass mein gutes durchdachtes und im Einsatz erprobtes Konzept, was auch alles andere als günstig in Erfahrung und Entwicklung war, durch unsinnige Designelemente oder Einsparungen anderer verhunzt wird;-)

  • Simon

    Hey Dominik,

    erst einmal vielen Dank für die ganze Arbeit, die du leistest. Es ist doch schon bezeichnend, wenn du bei deinen Tests deutlich mehr und genauere Informationen bereitstellst als die Hersteller selbst.

    Ich habe den Tasmanian Tiger Pathfinder MKII vor Kurzem getestet, habe aber gemerkt, dass mein Rücken zu kurz ist. Da der Rucksack aber sonst perfekt ist, dachte ich mit dem Tatonka Yukon X1 85+10 an einen nahen Verwandten. Leider finde ich zu diesem Rucksack keine Angaben zur minimalen Rückenlänge, kannst du mir da weiterhelfen?

    Beste Grüße
    Simon

    • Dominik Autor des Beitrags

      Hey Simon, und Vielen Dank für Deine Anerkennung!
      Leider gibt Tatonka/TT immer noch keine Rückenlängen zu den Produkten an, ich kann Dir jedoch sagen, dass Pathfinder und Yukon 85+10 praktisch die identischen Einstellmaße zur Rückenlänge haben. D.h. wenn Dir der eine zu groß ist, wird es leider auch der andere sein. Darf ich nach Deiner Rückenlänge fragen, damit wir hier auch für andere ein Vergleichsmaß hinterlassen? Meine ist 48cm, und die Lasche der Leiterschlaufe sitzt fast mittig bzw. im unteren Drittel.
      Beste Grüße, Dominik