Autor: Dominik
Der Naturehike Titanium Tripod Hanger soll eigentlich eine komfortable Erleichterung beim Bau eines Dreibeines am Lagerfeuer sein, entpuppt sich in der Natur jedoch als völlig unpraktische Fehlkonstruktion.
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1. Produkt
Ultraleichte Dreibein-Aufhängung für Lagerfeuer

2. Unternehmen
- Ningbo Naturehike Import & Export Co. Ltd., 55 Chuangfu Rd, Xiaogang St, Beilun District, Ningbo, Zhejiang, 315000 China
- Made in China
3. Kauf
- 05/2024: umgerechnet ca. 20,-€
Üblicherweise binde ich mir bei Bedarf ein Dreibein mit einer Schnur, d.h. mehrere Wicklungen horizontal parallel locker um drei Äste, und dann, zur fixierenden Spannung, zwischen den Ästen vertikale Wicklungen über die horizontalen. Die Dauer dieser Dreibeinherstellung liegt je nach Beschaffenheit der Stöcke (evtl. vorher glatt schnitzen) bei etwa 5 Minuten, und ihr Vorteil ist, aufgrund der immer passgenauen Wicklung, ihre zuverlässige Festigkeit.
Nun dachte ich mir, wenn man einmal nicht genügend Schnur, und auch kein Messer bei sich hat, wäre eine bereits „fertige“ Basisplatte eventuell eine praktische Lösung. Damit dadurch kein zusätzliches Gewicht entsteht, entschied ich mich für leichtes aber dennoch stabiles Titan, und wurde daraufhin fündig beim chinesischen Unternehmen Naturhike. Dort gab es die dreieckige Platte sowohl einzeln für knapp 15,-€, als auch im Set mit Kette und Splinten für ca. 20,-€, welches ich dann direkt in China bestellte. In deutschen Shops gab es ähnliche Konstruktionen, jedoch überwiegend aus Stahl, ohne Zubehör, und dennoch zu einem deutlich höheren Preis.
4. Spezifikationen
- Material: Titan
- Gesamtgewicht: 62g
- Basisplatte: 86 x 83 x 2mm, 24g
- Kette: 800 x 8,6mm, 22g
- Topfhaken: 98 x 35 x 3mm, 5g
- Kettensplint: 80 x 17 x 3mm, 4g
- Transportbeutel: 12 x 11 x 2cm, 8g
5. Praxis
Die Platte macht einen robusten Eindruck und ist auch gut verarbeitet, die Splinte passen ebenfalls gut in die Kette, und alles findet zweckmäßig im Transportbeutel Platz.
Folgend ein paar Bilder der Konstruktion vom Hersteller, wie sich das Ganz in der Praxis machen soll. Als ich diese Komponenten in Gebrauch hatte, war ich zwangsläufig leider mit anderen Dingen beschäftigt, als solch tolle gestellte Aufnahmen abzulichten.
Neben Naturehike haben dann auch zahlreiche andere Hersteller, in eigenem Design, dieses System zum Verkauf angeboten; nicht nur aus Titan, sondern auch Edelstahl und Aluminium.
6. Positives
- sehr leicht, und nur geringer Platzbedarf
- relativ preisgünstig (aber nicht preiswert!)
- stabile Einzelteile, und korrosionsfrei
7. Negatives
- Die zu benutzenden Äste sollten möglichst gut dem Durchmesser von 28mm entsprechen, was in der Natur einem Zufallsfund gleichkommt; dickere Äste müssen entsprechend geschmälert werden, und je dünner die Äste sind, desto wackliger wird die Konstruktion.
- Weil die sogenannten Sägezähne im Dreieck für einen sicheren Halt nicht ausreichen, sollten die Äste zusätzlich mit Kerben versehen werden, damit die Platte in diese sicher greifen kann, was ebenfalls wieder Schnitzarbeit bedarf (wichtig vor allem bei Gewichten von deutlich über 1kg).
- Auch mit der Verwendung von passgenauen Ästen besteht grundsätzlich die Gefahr, dass sich das Dreibein in sich wegdreht und der Topf ins Feuer fällt, weil die Verbindung Metall-Holz prinzipiell nicht fest genug ist; um ein Wegdrehen auszuschließen, müsste man die Stöcker zusätzlich mit Schnur zusammenhalten, womit dann jedoch der Titanhalter überflüssig wäre
- Die Kette tendiert dazu, sich ineinander zu verdrillen, und muss dann an den Gliedern wieder entflochten werden; das ist grundsätzlich kein Beibruch, auf Dauer und bei widrigen Witterungsbedingungen aber ziemlich nervig.
- Den zu langen Kettenrest Richtung Feuer nach unten hängen zu lassen, ist unpraktisch, da er dadurch im Weg hängen kann, womit bei der Bedienung des Topfes die Gefahr des Hängenbleibens, und damit des Umreißens des gesamten Dreibeines besteht; oben festwickeln lässt sich die Kette selten, da dann der Splint zu locker sitzt und herausfallen kann.
- Die beiden Splinte als auch der Beutel sind derart leicht, dass ständige Verlustgefahr besteht; ein nur 5g leichtes Objekt fällt schnell unbemerkt auf den Boden (oder direkt ins Feuer), und kann dort unauffindbar verloren gehen (Sand, Laub, hohes Gras, Geröll, Dunkelheit, etc.), das Beutelchen fliegt im Wind ebenso schnell weg, und ist zudem auch sehr leicht entflammbar.
- Die ständige Angst vor dem Verlorengehen der kleinen und leichten Teile beeinträchtigt den Umgang mit ihnen, und kann auch das gesamte Erlebnis am Lagerfeuer trüben, was dem eigentlichen Zweck des bewussten Genießens entgegen steht.
- Eine Bedienung mit Handschuhen w.z.B. die Höhenverstellung im laufenden Kochbetrieb ist aufgrund der filigranen Komponenten praktisch unmöglich.
8. Fazit
Dreimal habe ich das Naturehike Titanium Tripod Hanger Set zum Kochen am Feuer benutzt, und jedes Mal hat es mir mehr Probleme bereitet, als hätte ich einfach mein übliches Dreibein selbst gebaut.
Beim ersten Einsatz waren die Stöcker nicht ideal genug, weil ich kein lebendes Holz abschneiden wollte, also habe ich zusätzlich doch meine Schnur nehmen müssen. Für die nächste Nutzung habe ich dann im Vorfeld eigens passgenaue Stöcker mitgenommen, was allerdings nicht im Sinne eines eigentlich universellen Wildnis-Produktes, und damit auch sinnfrei ist. Und bei der dritten Benutzung habe ich wieder mit zu schmalen Stöckern keinen sicheren Halt zustande bekommen, und zusätzlich auch noch einen Splint im Sand verloren. Als ich diesen einige Tage später wieder gefunden hatte (bin extra noch einmal 15km zum Camp zurück geradelt), habe ich kurz darauf den anderen Haken im hohen Gras verloren, und aber leider nicht wiedergefunden. Danach war dieses Produkt für mich endgültig gestorben.
Insgesamt kann ich weder das vierteilige Set, noch die einzelne Lochplatte überhaupt empfehlen, und halte alle Teile für den praktischen Einsatz in der Wildnis für fehlplatziert. Diese Idee ist nur auf den ersten Blick interessant, scheint jedoch am Schreibtisch, und nur für absolut ideale Bedingungen konstruiert, welche so in der Natur jedoch nirgendwo vorkommen.
Persönlich habe ich für die noch verbleibenden Teile keine Verwendung mehr, und möchte mich darüber auch kein viertes Mal ärgern müssen. Die Dreieckplatte werde ich jedoch zukünftig unterwegs für Tourteilnehmer mitnehmen, zur Veranschaulichung wie man sich das Leben mit undurchdachtem Konsumplunder unnütz erschweren kann (Vergleich Strick vs. Platte).
























