Kochgeschirr: Stiel vs. Henkel und Knauf


Autor: Dominik

Im Zuge des sogenannten technischen Fortschritts, d.h. vor allem dem im Konsumkapitalismus notorischen Kaufrausch, sind zahlreiche nützliche Errungenschaften heute in Vergessenheit geraten. In diesem Beitrag vergleiche ich beim Kochgeschirr einmal die Vor- und Nachteile von alt-bewährten Stielgriffen mit modernen Henkel-Griffen und Deckel-Knäufen.

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Stiel vs. Henkel und Knauf
Stiel vs. Henkel und Knauf

1. Geschichte

Die ersten Nachweise zur Benutzung von Kochgeschirr stammen aus der Jungsteinzeit (Neolithikum) ca. 10.000 v.Chr. wo sich der Mensch vom nomadischen Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter entwickelte; um 5.000 v.Chr. folgte dann die Kupfersteinzeit. Mindestens seit dem entwickelte sich das Design von Töpfen, Pfannen und Brätern, wobei übrigens eine Kasserolle ein Topf mit Stiel ist (französisch casserole = Topf, vom alt-französischen „casse“ = großer Schopflöffel). Heute gibt es an Töpfen mehr seitliche Henkel als Stiele, und bei Deckeln sind Stiele gar gänzlich ausgestorben. Warum eigentlich?

Stiel vs. Henkel und Knauf

Bezüglich der unterschiedlichen Eignung verschiedenster Kochgeschirre verweise ich hier auf meinen entsprechend ausführlichen Beitrag zu diesem Thema.

2. Vergleich

Egal ob Stiel oder Henkel, schränkte die Einführung von Kunststoff in der Küche die Möglichkeiten der Nahrungsmittelverarbeitung durch Garen, Kochen, Braten und Backen massiv ein. Bei genauer Betrachtung sind die beworbenen angeblichen Vorteile von Plastik tatsächlich nur Nachteile, sein einziger Vorteil sind die geringeren Produktionskosten für die Hersteller. Und wer meint, alle Metallgriffe müssen grundsätzlich zu heiß werden, hat offensichtlich noch keine besseren „Kaltgriffe“ benutzt.

StieleHenkel & Knäufe
Vorteile1. durch lange Hebelwirkung bessere Kontrolle beim Schwenken, Rühren, Wenden und Ausgießen
2. keine Verbrennungsgefahr durch ausreichend Abstand der Hand von der Hitzequelle als auch zum Topf; dies gilt nochmals besonders bei Deckeln
3. potentiell Ofen- und Feuerfest, bei geringerer Verbrennungsgefahr, sofern der Stiel aus Metall ist
4. mit dem Stieltopf kann auch geschöpft werden
5. gestielte Deckel sind auch alternativ verwendbar: zum Etagenkochen, als Teller, zum Luftwedeln beim Feuermachen
6. einfacheres sowie auch gründlicheres Reinigen, und somit auch Wasser-sparend
7. Platz-sparendere Aufbewahrung im Schrank (sowohl in- als auch nebeneinander), oder übersichtlich und griffbereit hängend an der Wand
1. bei schwerem Kochgeschirr kann dieses komfortabler mit zwei Händen bewegt werden (wobei dies bei einem Stielgriff auch mit einem zusätzlichen Henkel möglich wäre)
2. bei Hitzefesten Griffen passt das Geschirr platzsparender in den Ofen (z.B. Bräter)
3. Deckelknäufe können auch ein Dampfventil gegen Überkochen besitzen (wobei ein Überkochen bei geschlossenem Deckel auch durch eine möglichst genaue Energiezufuhr vermieden werden kann)
Nachteile1. bei unbeabsichtigtem Kontakt am langen Stiel können Töpfe eher verrutschen und Deckel vom Herd fallen
2. ein langer Stiel benötigt in geschlossenen Transportkisten unterwegs mitunter mehr Stauraum (speziell z.B. große Eisenpfannen)
1. praktisch überhaupt nicht feuerfest, und auch nur in Ausnahmefällen Ofenfest (bei abnehmbaren oder Metallgriffen)
2. Verbrennungsgefahr beim Abnehmen von Deckeln (auch durch heißen Dampf), Berühren von Henkeln, und unbeabsichtigtem Verschütten eines vollen Topfes
3. mindestens bei Metallgriffen und Knäufen besteht die Notwendigkeit zur Benutzung von Topflappen
4. näher an der Hitzequelle befindliche Kunststoffgriffe und Deckelknäufe altern vorzeitig
5. mehr Platzbedarf bei der Aufbewahrung (seitliche Griffe und hohe Deckelknäufe) sowie auch bei der Reinigung zu Hause (Handwäsche oder Geschirrspüler)
Stiel vs. Knauf

3. Fazit

Ein Henkelgriff ist gefährlicher im Umgang, in den meisten Fällen zudem unpraktischer, prinzipiell kurzlebiger, und ganz nebenbei auch noch teurer in seinen Unterhaltskosten (Reinigung, Aufbewahrung, Lebensdauer). Wirklich Sinn machen seitliche Henkel nur bei sehr großen und/oder schweren Töpfen ab ca. 5 Liter Volumen, welche befüllt zwingend mit zwei Händen bewegt werden müssen (z.B. Gastronomie), sowie auch bei der Benutzung als Bräter im Ofen. Ausschließlich Nachteile bieten mittige Knäufe bei Deckeln, deren Konstruktion im Vergleich schon als dumm bezeichnet werden darf.

Ein Stielgriff hingegen ist deutlich universeller, und bei nahezu all seinen vielfältigen Anwendungen auch einfacher und gefühlvoller zu handhaben. Seine in der privaten Küche weites gehende Abschaffung (besonders bei Deckeln) hat vor allem dazu geführt, dass modernes Kochgeschirr heute nicht mehr auf der von der Industrie einzig unabhängigen Hitzequelle benutzt werden kann: dem offenen Feuer. Und darüber hinaus haben sich durch das heute bekannte Geschirr-Design auch zahlreiche weitere Nachteile ergeben, welche es damals offensichtlich nicht gab.

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