Autor: Dominik
Die Comandante C40 MK4 ist eine sehr hochwertig verarbeitete, und vielseitig funktionale, manuelle Kaffeemühle, hergestellt in Deutschland. Verglichen habe ich sie mit meiner über 60 Jahre alten Mignon aus DDR-Zeiten! Die für diese Tests verwendeten Bohnen waren übrigens deutlich abgelaufene und nicht mehr genießbare Röstfein Espressobohnen, es wurden also keine frischen Nahrungsmittel verschwendet.
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1. Produkt
Handkaffeemühle (auch für Gewürze)
2. Unternehmen
- BB Coffee Company GmbH (seit 2012), Kapellenstraße 9, 82008 Unterhaching, Deutschland
- Made in Germany
3. Kauf
- 2024: Geschenk vom Youtube-Abonnenten, Vielen Dank! (Verkaufspreise ab 200,-€, UVP 260,-€)
Zum Lieferumfang gehören zwei „Bean Jar“ Bohnenbehälter für je 40g Kaffee, ein braunes Glas und ein klares Polymerglas, sowie auch eine kleine Unterlage aus Merino-Wolle.
4. Spezifikationen
- Materialien: Edelstahl (Gehäuse und Mahlwerk), BPA-freie Polymere (Behälter und Deckel), Eichen-Holz (Knauf)
- Gesamthöhe: 18cm
- Breite mit Kurbel: 17cm
- Durchmesser: 60mm
- Schneidwerk: Nitro Blade Z15MB-V7LC-DSE-200
- Bohnendurchsatz: >1 Bohne pro Umdrehung bei <3Nm
- Gewicht Mühle komplett: 568g
- Gewicht Zusatzbehälter mit Deckel: 125g
5. Praxis
El Comandante bedeutet (italienisch) Komandeut bzw. Befehlshaber, d.h. ein Offizier, welcher an einem bestimmten Ort über das Kommando einer Truppe verfügt (w.z.B. damals Che Guevara über welchen es auch ein entsprechendes Volkslied gibt); auch der Entwickler und Unternehmensgründer Bernd Braune nennt sich so. Kurz nach Einführung der Comandante C40 im Jahr 2012 erschien bereits eine verbesserte Version MK2, 2016 dann die MK3 mit Nitro Blade, und die hier vorgestellte MK4 wird produziert seit 2021. Die C40 gibt es mit Gehäusen aus hellem und dunklen Holz, sowie aus pulverbeschichtetem Edelstahl in diversen Farben; neben der C40 noch die X25 Trailmaster mit Kunststoffgehäuse (420g, UVP 228,-€), sowie die C60 (1.020g, 598,-€).
Die Mittelachse aus Edelstahl wird von zwei Edelstahlkugellagern geführt, auf ihr sitzt mit einem Magneten die ergonomische Kurbel mit austauschbarem Click-on-Knauf. Der 3-fache Klickmechanismus des Mahlwerkverstellers rastet satt ein, ohne sich unbeabsichtigt während des Mahlens zu verstellen. Beim Lösen der Verschraubung kann der Konus mit Stahlfeder herausgenommen und mit einer Bürste gereinigt werden. Der mit Spezialschrauben werksseitig zentrierte Mahlring hingen sollte laut Hersteller auf keinen Fall ausgebaut werden, die Mahlwerkzähne mit ihren Mikro-Klingen können auch von außen gereinigt werden.
Ab dem leicht verschlossenem Mahlgradversteller (Null-Punkt ab 5. Klick) werden, mit wieder öffnendem Drehen im Uhrzeigersinn, die Klicks für die einzelnen Mahlgradbereiche gezählt; je höher die Anzahl der Klicks, desto gröber wird das Mahlgut.
Eine volle Umdrehung sind 12 Rastungen, und insgesamt sind es 110 Klicks bis sich die Verschraubung löst, wovon der Hersteller für unterschiedliche Kaffeearten 40 nutzbare Klicks angibt. Für meinen Bialetti-Espresso unterwegs sind allerdings nur die ersten 15 Klicks von Bedeutung, bevor das Pulver für das Perkolator-Prinzip sonst schon wieder zu grob wird.
- fein, 200-600µm, wie Puderzucker, für Mokka in Ibrik-Kanne und Espressoautomat
- mittelfein, 300-900µm, wie Tafelsalz, für Bialetti-Perkolator
- mittel, 600-1.200µm, wie Wüstensand, für Filterkaffee
- grob, 800-1.400µm, wie grober Sand, für French Press
- extragrob, 1.000-1.600µm, wie grobes Meersalz, für Cold Brew

Mahlergebnisse
Folgend die Mahlergebniss fünf unterschiedlicher Einstellungen, von minimal fein bis maximal grob, wobei das erste feinste Ergebnis der Klick-Nullpunkt ist, das zweite bei 5 Klicks, dann 10, 25 und 40 Klicks.
Comandante vs. Mignon
Der Grund, warum ich die Comandante geschenkt bekommen habe, war mein Video zur Mignon (und deren Vergleich zur SWM Exakt), in welchem ich meine Neugier für diesen Vergleich geäußert hatte, und manchmal werden Wünsche ja auch wahr:-)
Über 60 Jahre trennen diese beiden Handmühlen: luxuriöser Kapitalismus vs. pragmagtischer Sozialismus. In allen Punkten trägt der Kapitalist deutlich dicker auf: Verpackung, Anleitung, Vermarktung, und natürlich auch die Mühle selbst. 300g DDR-Bakelit vs. fast 600g BRD-Edelstahl.
Während sich die Comandante (nur) aufgrund ihres größeren ergonomischen Knaufes besser drehen lässt, kann man die Mignon aufgrund ihrer ovalen Form angenehmer in der Hand halten. Würde man die Comandante schlanker machen, oder der Mignon einen größeren Knauf spendieren (was gewiss leichter wäre), bekäme man beide Mühlen zu Gunsten des Bedienkomforts verbessert. Besonders auf den feinsten Einstellungen, welche prinzipiell mehr Zeit benötigen, macht sich die große Kurbel der Comandante stark positiv bemerkbar, während man bei der Mignon ganz schön ins Kurbeln kommt.
Die Stellräder beider Mühlen besitzen pro Umdrehung jeweils 12 Rastpunkte. Bei der Mignon sind 15 Klicks (also 1 1/4 Umdrehungen), und bei der Comandante über 40 Klicks (4 Umdrehungen) möglich. Deutlich übersichtlicher, weil einfacher einzustellen, ist damit also das DDR-Produkt.
Für einen direkten Mahlgradvergleich habe ich jeweils die Stufen 0, 5, 7, 10, und 15 der beiden Mühlen miteinander verglichen, und es stellte sich heraus, dass tatsächlich alle Korngrößen der einzelnen Stufen nahezu identisch sind, mit dem einzigen Unterschied, dass die Comandante minimal homogener mahlt.
Keine der beiden Mühlen mahlt feiner als die andere, die Comandante jedoch auf jeder Stufe minimal homogener als die Mignon.
Man sollte allerdings bedenken, dass meine Mignon in den letzten über 60 Jahren gewiss schon etliche Kilogramm Kaffeebohnen gemahlen hat, während die Comandante noch vergleichsweise jüngfräulich ist. In puncto Reisefreundlichkeit ist die kleine Mignon jedoch definitiv nicht zu schlagen.
| Comandante | Mignon | |
|---|---|---|
| Produktion | 2021 – aktuell | 1957 – 1962 |
| Gewicht | 568 g | 306 g |
| Größe | 180 x 168 x 60 mm | 105 x 71 x 44 mm |
| Gehäusematerial | Edelstahl und Polymer | Bakelit |
| Mahlwerk | Edelstahl | Stahl |
| Bohnenkapazität | 38 g | 18 g |
| Umdrehungen für 1g Kaffeebohnen maximal fein auf Stufe 0 | 5 | 64 |
| 5g Bohnen auf Stufe 10 | 55 Umdrehungen / 30 Sekunden | 150 Umdrehungen / 72 Sekunden |
| 5g Bohnen auf Stufe 15 | 45 Umdrehungen / 20 Sekunden | 120 Umdrehungen / 60 Sekunden |
| Reisefreundlichkeit | 0 | 1 |
| Bohnentransport | 1 | 0 |
| Einstellbarkeit | 1 | 1 |
| Mahlkomfort | 0 | 0 |
| Körnung | 1 | 0 |
6. Positives
- hochwertiger Aufbau und Verarbeitung
- komfortable Handkurbel mit fester Magnet-Arretierung auf der Welle und mit ergonomischem Knauf
- ausreichend großes Volumen für Bohnentransport und Mahlgut
- umfangreiches Ersatzteile- und Zubehörprogramm für Individualisierung, Transport und Pflege
7. Negatives
- das zylindrische Gehäuse ist mit 6cm Durchmesser zu dick für Handgröße 9/L (X25 Trailmaster: 5,5cm), als auch zu glatt, wodurch sich die Mühle sehr schlecht festhalten lässt, und besonders bei feinem Mahlgrad und längerer Kurbeldauer in der Hand ständig durchrutscht (was den Vorteil des komfortablen Handknauf ausbremst) –> der mitgelieferte Silikonring hilft hier als Improvisationslösung weniger, da er den eh zu großen Umfang nochmals vergrößert (65mm)
- durch zu viele möglich Klicks ist die Einstellung des Mahlwerks recht unüberschaubar (vor allem bei ständigem Wechsel der Körnung), außerdem der Nullpunkt nicht eindeutig
- auf der feinsten Einstellung (Stufe Null bei beidseitig lockerer Kurbel) wird das Mahlwerk scheinbar derart warm, dass ab ca. 10g gemahlenen Bohnen immer weniger Bohnen gemahlen werden, so dass der gesamte Mahlvorgang unter diesen Randbedingungen extrem lange dauert (15 Bohnen um ca. 1.000 Umdrehungen)
- vor allem für den Transport unterwegs ist die Mühle relativ groß (sperrige Kurbel nicht sinnvoll abnehmbar) und auch schwer
- vergleichsweise hoher Neupreis (Gebrauchtkauf empfehlenswert)
- seitens des Herstellers werden keine für den Anwender nützlichen technischen Spezifikationen genannt (Gewicht, Größe, Mahldauer)
- die Herstellerwebseite ist komplett in englischer Sprache, obwohl das Unternehmen eine deutsche GmbH ist, und die Mühle auch in Deutschland produziert wird (schlecht für Deutsche, die kein Englisch können)
8. Fazit
Wenn man nicht gerade viel und besonders feinen Kaffee mahlt, sondern eher mittlere und grobe Körnungen, bei denen weniger Haltekraft benötigt wird, ist die Comandante für den noblen Hausgebrauch durchaus eine Überlegung wert. Für den Rucksack allerdings ist sie weniger zu gebrauchen, und mindestens hier können deutlich günstigere Alternativen (w.z.B. die über 60 Jahre ältere DDR-Mignon) eventuell besser geeignet sein.
























































