Autor: Dominik
Der Nokian Extreme 296 von vor 2005 ist vermutlich der Urvater aller aktuellen finnischen MTB-Spikereifen. In diesem Beitrag teste ich ihn auch in Kombination mit dem Freddie’s Revenz.
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1. Produkt
Mountainbike-Spikereifen für Fahren auf Eis und Schnee

2. Spike-Hinweise
Laut dem Unternehmen Schwalbe sollten neue Spike-Reifen zum Setzen dieser prinzipiell zuerst auf hartem glatten Untergrund w.z.B. Asphalt über eine Strecke von ca. 40km eingefahren werden, bevor man mit ihnen dann über losen Untergrund fährt. Diese Vorgabe erachte ich jedoch als Reifen-spezifisch, denn sie ist abhängig vom individuellen Aufbau des Reifens, sowie vor allem von der Qualität der Verarbeitung, d.h. wie fest sitzen die Spikes bereits seitens der Herstellung.
Grundsätzlich ist beim Fahren auf Asphalt zu beachten, dass die Traktion mit Spikes auf solch hartem Untergrund deutlich schlechter als gewöhnlich ist (ähnlich einer Panzerkette ohne Kettenpolster, oder Schneeketten beim Kfz), und dabei vor allem mit langen Spikes, und in Kurven ein erhöhtes Sturzrisiko besteht. Außerdem bringen vor allem längere Spikes ein höheres Verletzungsrisiko mit sich, ggf. sollte deshalb Schutzausrüstung getragen werden.
Die kegeligen oder auch abgeflachten Wolframcarbidspitzen sind entweder in Stahl- oder Aluminiumfassungen eingesetzt, welche wiederum als Passform im Gummi eingesteckt sind, bei Stollenreifen i.d.R. als Tellerscheibe. Stahlfassungen verbiegen nicht, rosten dafür schnell und sind deutlich schwerer als Alufassungen, welche jedoch gestaucht und verbogen werden können, und dadurch ihre Wirkung verlieren. Egal ob Stahl- oder Aluminiumfassung, sollten Spikereifen nach dem Kontakt mit Streusalz unbedingt gereinigt werden (ähnlich wie andere korrosive Materialien, und das Fahrrad dann an einem ausreichend warmen Ort vernünftig trocknen können.
Weil Spikes ausschließlich auf hartem Eis Sinn machen, sind gute Matsch- und Schneereifen (z.B. Maxxis Swampthing oder Wetscream und Continental MudKing) zumindest offroad meist die bessere Wahl; ihr großer Vorteil ist auch, dass die Gummimischung weicher ist, und keine Spikes beschädigt werden können.
3. Unternehmen
- Nokian Renkaat Oyj (Nokian Tyres), Pirkkalaistie 7, 37100 Nokia, Finnland
- Wie alle damaligen Nokian MTB-Reifen wurde auch der Extreme 296 direkt in Finnland hergestellt.
4. Nokian Extreme 296
In der Historie finnischer Spike-Reifen kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, aber der Extreme 296 ist zumindest der älteste Spikereifen für Mountainbikes, welcher mir aktuell bekannt ist. Parallel zu diesem, und nur für wirklich grobe sowie Downhill-Einsätze gedacht, gab es damals auch noch den Freddie’s Revenz.
Von diesem hat auch der Nachfolger des Extreme 296, der ab 2005 erhältliche Extreme 294, mehr sein Design geerbt. Dieser 294 besaß nun sowohl massivere Seitenstollen, als auch eine etwas offenere Lauffläche, was zumindest für das Vorderrad von Vorteil ist; später hieß dieser Reifen dann Suomi Gazza Extreme (und der W240 wurde namentlich zum Fast Freddie).
Aber genau aufgrund seiner eher geschlossenen mittleren Lauffläche mit den dort quer stehenden Doppelstollen, hat mich der Extreme 296 speziell als Hinterradreifen interessiert, während die anderen Modelle eher Vorderrad-lastig designt waren.
Der Nokian Hakka WXC300, dessen Design später scheinbar von Schwalbe für den Ice Spikers kopiert wurde, kam mit seinem sehr offenen Profil und den Einzelstollen nicht mehr an die Qualitäten der Extreme heran. Und der Hakka W240 war eher für die Nutzung auf befestigten Wegen und Straßen gedacht, als offroad.
Alte Reifen
Heute noch einen über 20 Jahre alten finnischen Spikereifen zu bekommen, welcher schon damals in Deutschland eher selten war, ist natürlich keine leichte Aufgabe. Um die grundsätzlich Tauglichkeit zu überprüfen, habe ich mich also erst einmal mit einem ziemlich porösen Paar zufrieden gegeben, für welches der ehrliche Anbieter aber auch nur noch die Versandkosten plus Verpackungsaufwand haben wollte, was ich als äußerst fair empfand (Vielen Dank nochmals dafür!).
Diese Reifen sind vom Zustand wirklich mit die schlimmsten, die ich jemals in den Händen gehabt hatte, selbst 40 Jahre alte DDR Pneumant Fahrradreifen die jahrelang bei Wind und Wetter draußen standen, waren in keinem schlechteren Zustand.
Sowohl die Lauffläche, als auch die Seitenwände waren extrem rissig, und man musste schon Angst haben, dass der Reifen bei vollem Luftdruck platzt. Jeden anderen Reifen hätte ich sofort entsorgt, diese jedoch habe ich sofort aufgezogen.
Extreme steht zumindest hier nicht nur für die eigentlichen Eigenschaften, sondern leider auch für den mittlerweile traurigen Zustand. Aufgefallen ist mir selbst noch nach dem Reinigen der intensive Geruch nach einem Ölspray wie WD-40; möglicherweise wurden damit die Räder großzügig behandelt in der Annahme, es würde das Gummi konservieren? So etwas mag für Silikonspray oder Talkum zutreffen, nicht jedoch für Öl; dieses verursacht genau das Gegenteil, was hier vermutlich auch die Ursache gewesen sein könnte.
Statt der angegebenen 54mm Breite habe ich sowohl bei 2,0 als auch bei 2,5 bar auf einer 25mm breiten Felge nur 48,5mm gemessen. Eine Abweichung von 5,5mm ist schon ziemlich viel, entspricht allerdings meinen bisherigen Erfahrungen mit Nokianreifen aus dieser Zeit, und ist bei dem gedachten Einsatzbereich ja auch grundsätzlich nicht verkehrt.
Ganz interessant finde ich die Angabe zur Laufrichtung, bei welcher das Vorderrad dem Hinterrad bei nassen Bedingungen entspricht. Die stützenden Schwingen der Mittelstollen zeigen also im Winterbetrieb nach hinten, während die Schwingen der Außenstollen nach vorn zeigen.
Auf trockenem Untergrund kann man die Laufrichtung hinten wohl wechseln, so dass dann die Schwingen der Seitenstollen nach hinten zeigen, während die der Mittelstollen nach vorn gerichtet sind. Und bei genauer Überlegung macht diese Profilentwicklung auch tatsächlich Sinn, und man könnte sich (oder auch Nokian) die Frage stellen, warum es so etwas cleveres später nicht mehr gab?
Das vergleichsweise hohe Gewicht für einen doch derart schmalen Reifen mit dünnen Seitenwänden dürfte an der hohen Anzahl an Spikes in Stahlfassungen, sowie auch dem recht komplexen Stollendesign liegen.
Neue Reifen
Als absoluter Glücksgriff stellte sich ein Paar neuwertiger Extreme 296 heraus, welches ich zufälligerweise nur kurze Zeit nach dem rissigen Satz für sage und schreibe nur 20,- inklusive Versand bekommen habe! Somit konnte ich das alte Paar erst einmal ruhigen Gewissens, und ohne Rücksicht auf Verluste ausgiebig testen.
Typisch Nokian war die Verarbeitungsqualität 1A, beide Reifen besitzen mit 990g ein identisches Gewicht.
Einmal kurz müssen die Reifen schon irgendwann einmal montiert gewesen sein, denn es gab Schmutz zwischen dem Profil, sowie einen winzigen Kratzer in einer Seitenwand; ansonsten sind sie wirklich als neuwertig zu bezeichnen.
Hier im Vergleich mit dem deutlich älteren Paar, wobei man sieht, dass dessen Verschleiß nicht etwa durch das Fahren, sondern wirklich aufgrund völlig falscher Lagerung zustande gekommen ist.
5. Praxis Extreme 296
Meine erste Testfahrt mit den ca. 25 Jahre alten und extrem rissigen Reifen verlief äußerst positiv, um nicht zu sagen, das Fahren auf Schnee, und vor allem über Eis hat sehr viel Freude gemacht.
Im Vergleich zum Schwalbe Ice Spiker Pro griff der Nokian Extreme nicht nur auf Eis, was man bei Spikes auch erwarten darf, sondern machte darüber hinaus auch im Schnee eine deutlich bessere Figur als der indonesische Reifen.
Trotz zahlreicher Vollbremsungen im Rahmen von spaßigen 180°-Drehungen, hatte ich nach über 2 Stunden permanenter Eisfahrt nicht einen einzigen Spike am Hinterrad verloren! Die an einer Stelle zuvor bereits fehlenden 3 Spikes dürften wahrscheinlich vom Vorbesitzer durch eine eher zweckentfremdete Vollbremsung auf Asphalt o.Ä. entstanden sein.
Am Vorderrad hätten noch mehr Spikes an den Seitenstollen sitzen können (hier dürfte der Extreme 294 eventuell besser sein), aber genau dafür habe ich ja den Freddie’s Revenz. Ansonsten hat mich der Extreme 296 gesamtheitlich derart positiv überrascht, dass ich mich schon auf weitere zukünftige Einsätze freue!
6. Extreme 296 vs. Freddie’s Revenz
Vorn extrem stachlige 53mm breite, und hinten mehr flache 49mm schmale Reifen, davon verspreche ich mir bestmögliche Traktion im winterlichen Gelände.
Beide Reifen lassen sich einfach, und tatsächlich auch ohne Montagewerkzeug aufziehen; zum Abziehen bedarf es auch nur anfangs kurz eines Reifenhebers.

| Extreme 296 | Freddie’s Revenz | |
|---|---|---|
| Größe | 26 x 2.10 54-559 | 26 x 2.30 57-559 |
| Breite gemessen bei 2,5 bar | 48,5 mm | 53,4 mm |
| Karkasse | Stahlgürtel | Stahlgürtel mit verstärkter Seitenwand (Downhill) |
| Luftdruck laut Hersteller | 2,5 bis 4,5 bar | 2.0 bis 4.5 bar |
| Gummihärte (gemessen am Seitenstollen) | 73 Shore (ca. 25 Jahre alt) | 73 Shore (ca. 20 Jahre alt) |
| Stollen & Spikes | 296 | 336 |
| Spike-Länge | ursprünglich vermutlich 1,5mm (gemessen 1,3mm) | 3,0 mm |
| Spike-Aufbau | rundkegelige Wolframcarbid-Spikes im Stahlgehäuse | spitzkegelige Wolframcarbid-Spikes im Alugehäuse, und zusätzlich im Gummi verklebt |
| Gewicht | 990 g | 1.280 g |
| Produktionsjahr | bis 2005 | ab vor 2002 bis nach 2008 |
| ehemaliger Neupreis | ca. 90,-€ | ca. 125,-€ |
7. Fazit Extreme 296
Selbst mit völlig rissigem Gummi bietet der Nokian Extreme 296 gute Traktion im Schnee (auch an Steigungen!), und wirklich hervorragenden Grip auf Eis. Auf Flächen die so glatt sind, dass man auch mit gut profilierten Wanderstiefeln nicht sicher aufrecht stehen kann, lässt sich mit dem Nokian Extreme 296 noch mit über 30km/ hinweg rollen. Auch Kurvenfahrten sind kein Problem, wobei hierfür sein Nachfolger noch etwas besser geeignet sein könnte (dann aber wieder weniger gut auf Schnee am Hinterrad).
8. Ähnliche Reifen
Continental Spike Claw
Ein passabler Allround-Winterreifen für Mountainbikes war der Continental Spike Claw Stahlgürtelreifen im Format 26×2.1 bzw. 54-559, entweder mit 120 (Teile-Nr. 0115850, UVP 70,-€) oder 240 (Teile-Nr. 0115849, UVP 75,-€) flachen Spikes in Stahlfassungen, vom Hersteller empfohlener Luftdruck 3,5 bar. Der Spike Claw wurde von Nokian in Finnland produziert, und könnte u.A. auch deshalb als ein Nokian Hakkapeliitta W240 „Light“ betrachtet werden.
Continental Nordic Spike
Ebenfalls von Nokian produziert wurde der Continental Nordic Spike für 28″-Räder, empfohlener Luftdruck 3,5 bis 4,5 bar. Erhältlich mit 120 (Teile-Nr. 0125623, Gewicht 850g) oder 240 Spikes (900g), jeweils in der Größe 28×1.60 bzw. ETRTO 42-622. Um den im Vergleich zu anderen 28″Reifen deutlich höheren Rollwiederstand möglichst gering zu halten, genügt möglicherweise die Montage am Vorderrad.
Andere Spike-Reifen
Im Bereich der 28″-Straßen-Winterreifen, d.h. in jedem Fall abseits vom Gelände, sind z.B. bekannt der Continental Contact Spike 120 (37-622), oder der Schwalbe Marathon Winter Plus 240 (42-622). Der Vorgänger des aktuellen Winter Plus sah übrigens dem Nokian Mount & Ground W160 noch ähnlicher, wo auch hier wieder einmal der Verdacht des Kopierens durch Schwalbe besteht (während die Entwicklung von Continental eine hauseigene zu sein Scheint).







































































