Vergleich MTB-Laufradgrößen: 26″ vs. 27,5″ vs. 29″


Autor: Dominik

Unabhängiger Vergleich der Laufradgrößen am Mountainbike, Erklärung der Größenangaben, sowie auch Beleuchtung der Hintergründe neuer Fahrrad-Entwicklungen und meine Meinung zur großen Laufrad-Lüge.

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1. Entwicklungsgeschichte

Neue Produkte auf den Markt zu bringen, hat leider immer weniger mit sinnvollen Innovationen, als viel mehr mit wirtschaftlicher Profitgier zu tun. Als wahrer Grund einer vermeintlichen Verbesserung zeigt sich diese Gier, wenn das vorherige Produkt nicht mehr parallel zum neuen angeboten, sondern komplett durch dieses ersetzt wurde, d.h. nicht weiter mit Ersatzteilen unterhalten wird. Das Gesetz der modernen Konsumwirtschaft lautet, schaffe Durchdachtes ab, ersetze es durch Fehlerbehaftetes, und vermarkte dieses aber als besser. Grundkurs Marketingseminar in einem Satz erklärt.

26 Zoll

Große Laufräder sind keine neue Erfindung, es hat sie schon vor langer Zeit gegeben (60″ Hochrad Ende 19.Jh.). Aus guten Gründen jedoch wurden Mountainbikes ab den 80er Jahren nicht als Hochräder konzipiert, sondern, was besonders im Gelände wichtig ist, mit einem möglichst niedrigen Schwerpunkt. Als besten Kompromiss zwischen guter Beschleunigung, notwendiger Wendigkeit, sowie Verhältnis Größe-Gewicht, wurden 26″-Räder entwickelt. Bis hier hin erscheint aus entwicklungs- als auch fahrtechnischer Hinsicht alles sinnvoll nachvollziehbar, d.h. logisch. Und so verwundert es dann auch nicht, dass daran über 30 Jahre lang keine großartigen Mängel beanstandet wurden, welche jene Anforderungen an ein Mountainbike beeinträchtigt hätten.

Innovation?

Im Zuge der immer einseitigen Vermarktung von Elektroantrieben in Fahrrädern, fielen den Herstellern mindestens zwei Fakten auf. Einmal konnten sie mit einer Steigerung des allgemeinen Komfort (der Mensch wird immer fauler) von noch mehr Gewinn profitieren (der überhaupt eigentliche Grund der Elektromobilität), und dann stand bei einem eAntrieb die manuelle Radbeschleunigung nicht mehr im Vordergrund, weil das Vorankommen ja vom Motor unterstützt wird. Zieht man jetzt das oben beschriebene “Gesetz der Konsumwirtschaft” hinzu, war die Folge logisch: neue größere Laufräder. Und dies nicht nur im eBike-Sektor, sondern generell für alle Mountainbikes, denn auch der konventionelle Antrieb sollte die Geldbörsen der Unternehmen dicker machen.

Die damals durchdachte und für sinnvoll empfundene Entwicklung von 26-Zoll Rädern, stempelte man nun also als veraltet ab (aus wirtschaftlicher Sicht ist alles Alte zwangsläufig schlecht), lobte die neuen Innovationen (natürlich ohne an deren Nachteile zu erinnern), und betrieb massive Lobbyarbeit, d.h. bestach Fahrradzeitschriften, Webseitenberichte, Shops, und natürlich auch die neu aufgekommenen Influencer (Werbenutten). Und so war dann auch binnen kürzester Zeit, wie üblich in einer Konsumgesellschaft, die große Masse von der neuen Errungenschaft der 27,5″ und 29″ Zoll Laufräder im Mountainbike-Segment überzeugt. 26″ war out, hatte plötzlich nur noch Nachteile, zumindest wenn nicht weiter nachgedacht, und die Entwicklungsgeschichte (wie nicht selten) ausgeblendet hatte, d.h. schlichtweg dumm war. Und da machen wir uns mal nichts vor, die Masse war schon immer dumm.

Dieser Bericht

Weil es durch all den konsumgesteuerten Lobbyismus heute so gut wie nirgendwo mehr eine objektive Betrachtung dieses Themas gibt, bzw. in sämtlichen mir bekannten Veröffentlichungen ab dem Jahr 2012 ausnahmslos gelogen wird (bewusstes Verheimlichen der Wahrheit = Lüge), sowie auch Scheinargumente vorgebracht werden (irrelevante Tatsachen, welche in der Praxis vernachlässigt werden können), trage ich die Fakten hier einmal rational zusammen. Unabhängig, ungesponsort, und auch gewiss alles andere als blauäugig.

Auszug aus dem Scott-Katalog 2013 (ein Mix aus realen Fakten und Doppel-Schönrederrei)

2. Größenangaben

Im Kfz-Bereich wird die Felgengröße einheitlich als Durchmesser und Breite (Maulweite) der Felgenschulter angegeben, und so entspricht dann auch der innere Reifendurchmesser dem äußeren Felgendurchmesser. Die Reifenhöhe wird nur beim Reifen selbst angegeben, hat jedoch keinen Einfluss auf die Angaben zur Felge. Verwechslungen sind somit ausgeschlossen, es passt immer nur ein Reifendurchmesser auf den selben Felgendurchmesser.

  • Beispiel: 195/65R15 = Reifenbreite 195mm, 65% Reifenhöhe im Verhältnis zur Breite, 15 Zoll Reifeninnen- bzw. Felgenaußendurchmesser.

Traditionell

Beim Fahrrad hingegen war bzw. ist es leider immer noch sehr oft anders. Traditionell wird hier vor allem der ungefähre Außendurchmesser des Reifens in Zoll angegeben (1 Zoll = 2,54cm), was nicht nur sehr ungenau ist, sondern auch überhaupt keine Rückschlüsse auf die dazugehörige Felgengröße, und entsprechende Felgen-Reifen-Kombinationen zulässt. Neben der Angabe in Zoll existiert auch noch die französische Angabe in Millimeter, ebenfalls entsprechend dem Reifenaußendurchmesser, plus einem Buchstaben für den Felgennenndurchmesser (A ca. 30mm, B ca. 33mm, C ca. 39mm).

  • Beispiel: 26×2.40″ = französisch 650

Mopedreifen

Das Chaos perfekt, machen dann die Angaben bei Fahrradanhängern und Lastenrädern, welche mitunter mit belastbaren Mopedreifen ausgestattet sind, bei denen das Maß entweder dem Reifenaußendurchmesser (traditionelle Zoll-Angabe) oder dem Felgen-Nenndurchmesser (analog Kfz und Motorrad) entspricht.

  • Beispiel DDR-Pneumant-Reifen für Simson Mofa SL1 und MKH-Mopedanhänger bzw. Heidenau-Nachfertigung mit Lastindex 38 (132kg Traglast):
    • 20 x 2,25 (alte Fahrrad-Angabe bis 1956, ca. 51cm)
    • 2,25 -16 (neue Motorrad-Angabe ab 1956, ca. 41cm)

ETRTO

Zur Vermeidung von Missverständnissen, werden nach ETRTO (European Tyre and Rim Technical Organisation, seit 1956) Felgen- und Reifengrößen einheitlich nach dem Außendurchmesser der Felgenschulter (Innendurchmesser des Reifen) angegeben. Der gesamte Radaußendurchmesser lässt sich aus ERTRO-Angaben also nicht ablesen.

  • erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimetern
  • zweite Zahl der Reifeninnendurchmesser in Millimetern
  • Beispiel: 60-559 (= 26×2.35″)

Leider jedoch hat sich diese Angabe bei US-amerikanischen Mountainbike-Reifen, welche überwiegend in Taiwan produziert werden, weniger etabliert, als bei europäischen Straßen-Rennradreifen; zumal die Zoll-Angaben auch kürzer und damit einfacher zu merken sind.

Reifenaußendurchmesser
in Zoll (mit Beispiel)
tatsächlicher Reifen-außendurchmesserFranzösische BezeichnungReifeninnendurchmesser nach ETRTO in mm (mit Beispiel)
14″350288 bis 298
16″400305 bis 340
18″450349 bis 390
20″500406 bis 460
24″23,9″ (47-507) bis 24,4″ (37-540)600507 bis 541
26″ (26×2.40)24,7″ (23-571) bis 26,6″ 57-559)650559 bis 590 (60-559)
27″ (Schlauchreifen)26,5″ (18-630) bis 27,8″ 32-630)630
27,5″ (27,5×2.40″)26,0″ (35-584) bis 29″ (75-584)650584 (60-584)
28″27,2″ (32-622) bis 28,5″ (47-622)700587 bis 642
29″ (29×2.40″)28,6″ (50-622) bis 29,5″ (60-622)900 (vom Hersteller ausdacht!)622 (60-622)
Vergleich von Zoll, Französisch, ETRTO

Erkenntnis

Wie man anhand der Tabelle gut sieht, ist die Angabe in Zoll derart ungenau, dass sie sowohl unter der einen, als auch unter der anderen Größenbezeichnung benannt werden kann.

  • So ist z.B. die Französische Größe 650B = 26×1.5″ = ETRTO 38-584, und damit gleichzeitig auch 27,5″. Kurz: 26″ = 27,5″!
  • Ein 29″ Rad mit 622 Reifeninnendurchmesser ist auf dem Papier nichts anderes als ein 28″-Rad, nämlich dem französischen 700 bzw. ERTRO 622. Kurz: 29″ = 28″!

Dies veranschaulicht nicht nur die absurden Ungenauigkeiten, sondern entlarvt mitunter auch bereits in der Bezeichnung die PR-Strategie, und daraus resultierenden Werbelügen der Fahrradindustrie, die nicht viel anderes tat, als jene Ungenauigkeiten auszunutzen. Denn die angeblichen 27,5 und 29 Zoll-Räder hatte es bereits längst gegeben. Es wurde nur wieder einmal das Rad neu erfunden, und hier im wahrsten Sinne des Wortes.

3. Vergleich

Folgend alle Kriterien der verschiedenen Laufradgrößen in tabellarischer Gegenüberstellung

Laufradgröße26″ (559mm)27,5″ (584mm)29″ (622mm)
Gewichtgeringstes Gewicht<–>höchstes Gewicht, wobei dieses Mehrgewicht durch falsche Angaben üblicherweise nach unten gelogen wird.
Beschleunigungkleinerer Durchmesser und demzufolge kleinere rotierende Masse, erfordert weniger Energie und Zeit um diese zu beschleunigen, d.h. beste Beschleunigung<–>größter Durchmesser mit höchster rotierender Masse benötigt am meisten Energie und Zeit um beschleunigt zu werden, d.h. langsamste Beschleunigung
Rolleigenschaftenkleinerer Umfang ergibt weniger Aufstandsfläche und legt weniger Weg zurück, nimmt also mehr Hindernisse spürbar mit <–>größter Umfang ergibt mehr Aufstandsfläche und legt mehr Weg zurück, überrollt damit weniger spürbar (besser) Hindernisse (der Winkelunterschied am Hindernis 26″ vs 29″ beträgt allerdings nur 1°!)
Agilitätkleineres Laufrad sowie eine dazu entsprechend handliche Rahmengeometrie und kleiner Radstand ergeben bestmögliche Agilität und Lenkeigenschaften (kleinster Wendekreis)<–>große Laufräder in einem entsprechend großen Rahmen mit einem größeren Radstand schränken die Agilität am meisten ein und benötigen einen größeren Wendekreis (schlechtestes Lenkverhalten)
Schwerpunktkleinere Räder lassen den Rahmen niedriger stehen, und erhöhen damit die Fahrstabilität<–>große Räder erhöhen den Schwerpunkt, und machen das Fahren instabiler
Konstruktionkleinere Räder geben mehr Platz für gute (durchdachte) Rahmen- sowie Federungs- und Dämpferkonstruktionen, das Design kann freier gestaltet werden (mehr Kreativität und Individualität)<–>große Räder schränken die Möglichkeiten für gute Rahmen- sowie Federungs- und Dämpferelemente stark ein, zudem leidet auch das Design enorm, ein zwangsläufiger Einheitsbrei entsteht
Transportrelativ kompaktes und leichteres Fahrrad lässt sich deutlich besser transportieren, sowohl im als auch am Fahrzeug<–>das gesamtheitlich größere Fahrrad ist nicht nur unhandlicher, es benötigt vor allem mehr Kapazität beim Transport (29″-Räder passen nicht in jedes Auto, und stehen quer am Fahrzeugheck auch seitlich über (erhöhte Beschädigungsgefahr)
Kostenkleinere Räder benötigen weniger Material, sind sowohl beim Kauf als auch im Unterhalt kostengünstiger<–>größere Räder benötigen mehr Material, kosten damit mehr beim Kauf, sowie auch im Unterhalt
Vorteilewendiger, agiler, leichter, kompakter, transportabler, kostengünstiger, haltbarer, durchdachter, universeller, nachhaltiger27,5″ sind zwar auf den ersten Blick eine ideale Kombination aus den kleineren 26″ und den größeren 29″, ABER…ruhiger mit mehr Laufruhe, schneller
Nachteileweniger ruhiges Fahrverhalten, weil Hindernisse eher durch- als überfahren werden…sie besitzen je nach Fahrertyp und Einsatzgebiet natürlich auch die jeweiligen Nachteile von 26″ und 29″.unhandlicher, sowohl beim Fahren selbst (eingeschränkte Wendigkeit), als auch beim Fahrrad-Transport,
schwerer, geringere Beschleunigung, kleinerer möglicher Federweg
optimale EignungEnduro, Gravity, Freestyle, Downhill –> Einsatzbereiche mit Schwerpunkt auf Fahrtechnik und/oder verspieltem SpassfaktorAll-Mountain und Tourenbikes –> Gelände-Touren, bei denen es nicht vorrangig auf Fahrtechnik oder maximale Sicherheit ankommt Grundsätzlich eher Hardtail als Fully, und dann mehr auf geraden schnellen sowie auch längeren Strecken, speziell CrossCountry (XC) und Gravel
Unterschiede der Laufradgrößen bei Mountainbikes

4. Scheinargumente

Neben den tatsächlich vorhandenen Faktoren in der Fahrpraxis, werden für große 29″ Räder weitere Argumente vorgebracht, welche jedoch in der Praxis entweder zu vernachlässigen sind (weil nicht spürbar), oder aber für Mountainbikes, d.h. im Gelände, überhaupt keinen Sinn ergeben:

  • 1. Größere Laufräder bleiben länger in Schwung, man kann damit länger und schnell fahren.
    • Die notwendige Energie, um ein größeres Laufrad überhaupt erst einmal in Schwung zu bringen, wird bei einem kleineren erst gar nicht benötigt. Dieses Argument ist eine Milchmädchen-Rechnung, ergo zu vernachlässigen.
  • 2. Größere Laufräder ermöglichen höhere Fahrgeschwindigkeiten.
    • Die Maximalgeschwindigkeit eines Mountainbike wird weniger durch technische Bauteile, als durch das unwegsame Gelände selbst vorgegeben. Dieses Argument mag für Straßenfahrräder zutreffen (daher damals auch 28″ und nicht 26″), nicht jedoch für Geländefahrräder (ausgenommen spezielle Parcours, die eigens dafür angelegt wurden).
  • 3. Größere Laufräder bieten mehr Kontrolle und bremsen effektiver.
    • Die Mehraufstands- bzw. Kontaktfläche eines 29″ Reifen im Vergleich zu einem 26″-Profil ist viel zu gering, als dass diese in der Praxis zu spüren wäre. Ganz im Gegenteil ermöglicht ein größeres Rad spürbar weniger Kontrolle als ein kleineres, speziell auch in Kurven. Dieses Argument ist also nicht nur falsch, sondern verdreht sogar auch noch die Tatsachen (Lüge!).

Idiotie

Als völlig idiotisch würde ich den Gebrauch von 29″ Laufrädern bei Anwendungen bezeichnen, wo es für maximale Sicherheit auf einen möglichst tiefen Schwerpunkt bei maximaler Rahmenfreiheit ankommt (Downhill), und/oder das Mountainbike für Trick-Akrobatik ein Teil beherrschter Körperdisziplin ist (Freeride). Hätte man jenen Fahrern noch 2010 gesagt, sie würden für diese Sportarten nur ein paar Jahre später ihre 26″-Hochleistungsmaschine gegen ein futuristisches “Hochrad” mit stark veränderter Rahmengeometrie eintauschen, wären sie vermutlich aus dem Lachen nicht mehr heraus gekommen. Tja, wer zuletzt lacht – heute gibt es genau jene “idiotischen” Modelle. Nicht weil es irgendwo sinnvoll wäre, sondern weil es die Industrie diktiert, und nicht jeder Mensch über Diktaturen frühzeitig nachdenkt und entsprechend konsequent handelt. Nämlich weiterhin mit 26″ den Hang hinunter zu düsen, und sich nach wie vor mit 26″ den Arm zu brechen, anstatt mit 29″ das Genick. Wo bleiben eigentlich die innovativen 24″ für Straßenradrennfahrer? Und gibt es eigentlich schon 32″-Kinderfahrräder? Klingt lachhaft, aber wer zuletzt lacht…!

5. Folgen

Die meisten Nachteile der großen 29″ Laufräder wurden einfach totgeschwiegen und ignoriert. Aus dem eigentlichen Nachteil des höheren Gewichts, konnten die Hersteller dennoch profitieren. Weil natürlich Vergleiche mit kleineren Laufrädern angestellt wurden, und dabei heraus kam, dass die neuen 29″ Fahrräder alle samt schwerer waren, musste nun Gewicht eingespart werden. Allerdings nicht so, wie noch bis ungefähr 2010, wo sehr hochwertige leichte Komponenten verbaut wurden, welche vor allem die Gewinne der Hersteller schmälerten, sondern einfach nur leichte Komponenten. Fast überall wurde Material abgetragen, auch bei Komponentenherstellern (z.B. dünnere Reifen), und wo es nur ging, Metall durch Kunststoffe ersetzt. Alles wurde dünner und filigraner, die Fahrräder damit immer mehr zu kurzlebigen Wegwerfprodukten einer kaufgeilen Konsumgesellschaft. Dennoch kosten “gute” oder Topmodelle von Massenherstellern (noch keine exquisite Einzelanfertigungen!) mittlerweile so viel wie damalige Kleinwagen!

Beispiel Scott Scale (übertragbar)

Scott in seiner Modellbeschreibung 2024: “Beim neuen Scale RC haben wir die Anzahl der Metalleinsätze, wo immer es möglich war, konsequent reduziert.” Heißt im Klartext: selbst Gewinde wurden durch billige Kunststoffeinsätze ersetzt! Scott hierzu: “Diese können komplett gesteckt werden und sitzen bündig im Rahmen dank eines cleveren und flexiblen Klemm-Mechanismus. Durch die Fähigkeit, die Einsätze und benötigten Halterungen einzustellen, sind Fahrer im Höchstmaß flexibel und es werden noch mehr mögliche Schwachstellen eliminiert. Diese sind zum Beispiel leicht auszutauschen, wenn ein Gewinde beschädigt wird.” Marketing schafft es, minderwertigen Plunder als vermeintliche Verbesserungen zu verkaufen, PR-Manager belügen auch noch den dicksten Kuhfladen zum wohligsten Blumenduft.

Stabiler oder gar haltbarer wurden die Räder mit solchen Maßnahmen natürlich nicht, und demzufolge auch nicht ansatzweise so gut wie die vorherigen 26″. Und wer glaubt, dass er für diese austauschbaren Billigteile nach ein paar Jahren noch Ersatz bekommt (was vor 20 Jahren bereits bei ganz anderen Komponenten schon schwierig war), der dürfte im Schadenfall sehr unsanft aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Bereits die Logik sollte den Schluss zulassen, dass wenn ein aktuelles 29″ Fahrrad nur noch so wenig wiegt, wie das damals teuerste 26″, jenes 29″ auch nur noch eine minderwertigere Mogelpackung sein kann. Selbstverständlich anders vermarktet: leichter, schneller und besser. Eine gängige Werbelüge, welche von jedem aufgeschlossenen, unvoreingenommenen Radfahrer direkt nachgeprüft werden kann.

Als Beispiel das Scott Scale (XC-Hardtail), als 26″ eingeführt 2005, umgewandelt in 29″ ab 2011.

ModellScott Scale LimitedScott Scale 900 RCScott Scale RC SL TR
Modelljahr200920132024
RahmenCarbon, 980 gCarbon, 949 gCarbon, k.A.
GabelDT Swiss XRC 100 RL CarbonRockshox SID 29 RL3 100mmFOX 32SC Float Factory 100mm
SchaltungSRAM X0, 3×9 GängeSRAM XX, 2×10 GängeSRAM XX, 1×12 Gänge
BremsenFormula R1 CarbonShimano XTRTrickstuff Piccola
LaufräderDT Swiss XRC 330 CarbonDT Swiss XR-RS29Syncros Silverton SL2 CF
ReifenSchwalbe Rocket RonSchwalbe Rocket RonMaxxis Rekon Race
Gesamtgewicht8,3 kg9,4 kg
(Vergleich Scale 600 RC, letztes 26″: 8,8kg)
8,9 kg
Preis UVP7.200,-€7.500,-€13.999,-€
Scott Scale 2009 26″ vs. 2013 29″

6. Fazit

Die Fahrradmodelle der großen Hersteller werden immer minderwertiger, aber gleichzeitig teurer, um dennoch bessere Qualität zu suggerieren. Rasant Fahrt aufgenommen hatte die allgemeine Schlankheitskur mit Einführung der neuen Bezeichnungen 27,5″ und 29″, welche man nach dem jetzigen Wissen durchaus in Frage stellen darf. Vor allem wenn man weiß, dass 29″ nichts anderes als 28″ ist, und damit klar ein Marketing-Witz – ein für Konsumenten recht teurer.

Nach wie vor, und trotz aller vermeintlichen Popularität der anderen, haben 26″ Laufräder an Mountainbikes mehr Vorteile als größere Laufräder, und je größer das Rad, desto mehr überwiegen auch dessen Nachteile. Wäre dem nicht so, hätten all jene namhaften Spezialisten, welche das MTB damals mit Herzblut und all den Praxisversuchen erfunden, und sich dafür ordentlich Gedanken um dessen Technik gemacht haben, falsch gelegen. Und die großen Konzerne, denen es heute nur noch um ihre eigene Brieftasche geht, die ihre Kunden mit minderwertigen Produkten in coolem Design täuschen, haben DIE entscheidende Innovation herausgebracht. Ist dem so? Das mindestens selbe Maß an Ironie ließe sich übrigens auch bei Fahrzeugherstellern anbringen, die ab Baujahr 2000 vor allem nur noch Mogelpackungen auf den Markt geworfen haben.

Mit der Bezeichnung 29″ (= 28″!) wurde das Fahrrad lediglich zum xten Mal neu erfunden. Ähnlich den Kettenschaltungen 3×9 –> 2×10 –> 1×12, nur noch weniger innovativ, weil entgegen jeder praktischen Logik, bezogen auf den Anwendungszweck eines Mountainbike. Ein 27.5″ (praktisch auch ein 26″) könnte als guter Kompromiss zwischen 26″ und 29″ bzw. eher als einzige Innovation betrachtet werden, bringt jedoch dessen Vor- UND Nachteile mit sich. Angesehen davon macht es für den Nutzer absolut keinen Sinn sein gesamtes Fahrradsortiment einzig aufgrund von knapp 2cm mehr Radradius umzustellen. Finanziellen Sinn hingegen macht genau dies für die Hersteller, die mit der Verbannung des 26Zoll den großen Wurf schlechthin gelandet haben. Ähnlich der Umstellung DSLR –> DSLM.

Für das Fahren im Gelände und in den Bergen (MOUNTAINbike), bietet das 26″ nicht nur die meisten und entscheidenden Vorteile, sondern auch gleichzeitig die wenigsten Nachteile. Und aus genau diesem Grund wurden damals 26″ Laufräder eingeführt, wie auch 28″ beim Rennrad 28″, und 20″ beim BMX. Nicht weil sich eine Industrie mit einem fragwürdigen Trend die Taschen voll stecken wollte, sondern weil es damals noch wirklich um den Sport an sich ging, die Freude am Fahrrad fahren. Nicht am Geldausgeben oder gar fahren gelassen werden (eBike).

Insofern, wie sehr die Fakten auch verdreht werden mögen, 26-Zoll ist das wahre Mountainbike! Der Aufwand zwei verschiedener Laufradsätze, d.h. 27.5″ am Vorder- und 26″ am Hinterrad (möglich zumindest bei FOX-Gabeln), war ein kurzer Trend, lohnt meiner Ansicht nach jedoch nicht, als auch dass der nur minimale Unterschied in der Praxis wirklich zu vernachlässigen ist. Aber Trends haben selten mit Verstand oder Logik zu tun, der Mensch will einfach nur Abwechslung, irgendetwas neues, und die Wirtschaft weiß dies sehr gut auszunutzen. Die meisten Trends lassen sich rational sehr leicht aushebeln, weil sie vor allem auf Lügen basieren. Und ein 28″ Rad als 29″ zu verkaufen, und diesem jedoch dabei dessen offensichtlichen Nachteile abzusprechen, dafür dem 26“ neue anzudichten, ist in jedem Fall eine Lüge, die Laufrad-Lüge.

7. Naben

Weil auch die Nabe ein Teil des Laufrades ist, ich jedoch aktuell noch keinen separaten Beitrag dazu habe, hier eine kurze Übersicht der mir bekannten Bauarten für Kettenschaltungen bei Mountainbikes; darüber hinaus kann es natürlich auch noch weitere geben.

VorderradHinterrad
5 x 100 mm, Schnellspanner5 x 130 mm, Schnellspanner
9 x 100 mm, Steckachse5 x 135 mm, Schnellspanner
12 x 100 mm, Steckachse10 x 135 mm, Steckachse
12 x 110 mm, Steckachse12 x 135 mm, Steckachse
15 x 100 mm, Steckachse12 x 142 mm, Steckachse
15 x 110 mm, Steckachse12 x 148 mm, Steckachse
20 x 110 mm, Steckachse12 x150 mm, Steckachse
12 x 157 mm, Steckachse
Naben Einbaubreiten MTB (Durchmesser x Einbaubreite zwischen den Ausfallenden)

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