Leder & Lederpflege


Autor: Dominik

Wissenswertes rund um Leder, und dessen richtiger Pflege.

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1. Definition

Leder ist durch Gerbung chemisch haltbar gemachte Tierhaut, d.h. eine Proteinfaser. Es besteht aus der äußeren, glatten Hautschicht (Papillarschicht) und der darunter liegenden, festen Retikularschicht. Entsprechend des Aufbaus unterscheidet man den Narbenspalt (Papillar- und Retikularschicht), den Fleischspalt (Retikularschicht), und das Vollleder (obere Hautseite). Pelz (oder auch Fell) ist neben dem Leder die tierische Oberhaut mit Haaren; bekannt sind z.B. Ren-, Schaf- und Wildfelle.

2. Lederarten

Je nach Oberflächenbehandlung unterscheidet man zahlreiche Lederarten, hier nur kurz die bekanntesten:

  • Glattleder: Narbenseite zeigt nach außen
  • Nubukleder: angeschliffene Oberfläche, samtig, meist vom Rind
  • Veloursleder: feingeschliffene Retikularschicht, samtig-rauh, oft vom Rind, Schwein, Ziege, Schaf
  • Wildleder: Veloursleder von Ziege, Gams, Reh, Hirsch, Elch, Ren
  • Nappaleder: natürliche Oberfläche vom Lamm, Zickel, Kalb, weich & flexibel

3. Herkunft

Leder ist, bis auf einige Reptilienarten, ein Nebenprodukt der Fleischgewinnung. Es stammt von: Rind, Ziege, Schaf, Schwein (Haus + Wild), Hirsch, Reh, Gams, Pferd, Büffel, Bison, Yak, Elefant, Strauß, Känguru, Seehung, Fisch (Aal, Dorsch Rochen, Hai), Reptilien (Krokodil, Echsen, Schlangen). Im Mittelalter wurde auch Hundeleder (zum Buchdruck) benutzt, und die Wikinger trugen wohl auch Katzenleder; Hund und Katze unterliegen heute einem europaweiten Handelsverbot.

4. Verwendung

Leder ist ein sehr universelles Material, und wird bereits seit frühester Menschheitsgeschichte für verschiedenste Anwendungen gebraucht. Pergament beispielsweise, d.h. nicht gegerbte Haut von Ziege, Schaf und Kalb war vom 2.Jh. v. Chr. bis zum Mittelalter sehr gefragt. Denn im Vergleich zum älteren Papyrus (ab 3.Jtd. v. Chr.) war es sowohl glatter, als auch widerstandsfähiger. Die ersten Eimer waren aus Leder, und auch heute nutzen wir Leder für zahlreiche Gegenstände: Schuhe, Bekleidung, Handschuhe, Taschen, Koffer, Gürtel, Hüte, Möbel, Fahrzeugausstattungen, Riemen, Bälge, Dichtungen, Musikinstrumente, Bälle, Sättel, Geschirre, Peitschen, Hundeleinen- und Halsbänder, Köcher, Holster, Scheiden, Fetisch & BDSM.

5. Eigenschaften

zäh, fest, atmungsaktiv (durchlässig für Luft & Wasserdampf), hygroskopisch, schrumpft beim Trocknen. Kunstleder (besser gesagt Kunststoffe w.z.B. Biothane aus PVC, sind in speziellen Eigenschaften Leder überlegen (z.B. Wasserbeständigkeit), gesamtheitlich jedoch bieten sie tatsächlich nicht mehr Vorteile.

6. Gerbung

Zur Vorbereitung auf die Gerbung wird die Haut, z.B. durch Salz, konserviert, und von Fleisch und Haaren befreit.

  • pflanzlich (vegetativ): durch Holzgerbstoffe von Eiche, Fichte, Kastanie
  • synthetisch: durch konservierende Aldehyde (Formaldehyd CH2O) sowie Fettgerbstoffe (Tran)
  • mineralisch: durch Chrom-, Aluminium- und Zirkonsalze

Je nach Gerbungsart verbleiben neben 15-20% Feuchtigkeit auch unterschiedliche Volumenanteile der Gerbstoffe im Leder: 25% vegetative, 15% fettgegerbte, 5% mineralische.

Vorherrschen tut leider immer noch die relativ billige Chromsalzgerbung, deren Abfallprodukte jedoch stark umweltschädlich, und die Chromverbindungen im Leder krebserregend und erbgutschädigend sind. Nach Möglichkeit sollte man gezielt darauf achten, keine chromgegerbten Lederprodukte zu erwerben.

7. Pflege

Nässe, Schimmel, UV-Licht, Austrocknung, Schmutz, Reibung, Druck, Zug, Walk, Schweiß, Fettfraß und auch viele chemische Stoffe beanspruchen und greifen das Leder an.

Ideale Aufbewahrungsbedingungen für Lederprodukte liegen bei etwa 50% Luftfeuchtigkeit und 20°C Temperatur. Um Oxidation und Hydrolyse vorzubeugen, muss Leder regelmäßig gepflegt werden. Schmutziges Leder kann mit weicher Bürste ausgebürstet, und feuchtem Lappen abgewischt werden; ggf. sind milde Reinigungsmittel zu verwenden. Jedoch darf es dabei nicht mit zu viel Wasser in Kontakt kommen, da es sonst schnell durchnässt, aufquillt, und beim anschließenden Trocknen nicht nur verhärtet, sondern auch schrumpft (im Notfall hilft dagegen Walken). Ebenso wenig darf es durch Wärme beschleunigt getrocknet werden (Heizung, Fön), da es hierdurch schnell zu irreversiblen Verbrennungen kommen kann. Nasse Schuhe trocknet man am besten mit eingesetztem Schuhspanner und ausgestopft mit Zeitungspapier.

Viele Lederpflegemittel basieren auf Paraffinen (Erdöl), weil Fette biologischen Ursprungs teurer in der Herstellung sind, ranzig werden, und dann möglicherweise auch zu Fettfraß führen können (Einzelfallabhängig). Weiterhin sind neben farbauffrischenden Pigmenten meist auch noch Duftstoffe hinzu gesetzt (Schuhcremes). Von Imprägniermitteln mit ihren umweltschädlichen und oft hochgiftigen Substanzen (z.B. Teflon) sollte man grundsätzlich die Finger lassen. Am besten zur Lederpflege eignen sich Fette und Wachse, gute Mittel enthalten neben Bienen- z.B. auch Carnaubawachs.

Lundhags Lederwachs
Lundhags Leather Wax
Hanwag Schuhwachs
Hanwag Shoe Wax
Tapir Lederfett
Tapir Lederfett
Hestra Lederpflege
Hestra Lederpflege

8. Mein eigenes Lederwachs

Bereits seit vielen Jahren stelle ich mir mein eigenes Produkt zur Lederpflege her. Anfangs habe ich noch einzelne Stoffe zu handelsfertigen Verkaufsprodukten dazu gemischt, später dann aus selbst ausgewählten Stoffen mein eigenes Öko-Lederwachs hergestellt. Weil ich dieses hauptsächlich für Wanderstiefel nutze, lag der Fokus bei den Eigenschaften vor allem auf maximaler Feuchtigkeitsresistenz, d.h der Stiefel sollte höchst wasserabweisend sein.

Carnaubawachs, Bienenwachs, Wollfett, Kokosöl, Rizinusöl
Carnaubawachs, Bienenwachs, Wollfett, Kokosöl, Rizinusöl
anolin, Bienenwachs, Carnaubawachs
v.l.n.r. Rizinusöl, Kokosfett, Lanolin, Bienenwachs, Carnaubawachs
Inhaltsstoffe im Topf…
…langsam verschmelzen

Die Verarbeitung auf dem Leder ist vergleichsweise und natürlich vor allem temperaturabhängig ein wenig aufwendiger, der anhaltende Schutzeffekt dafür um so höher. Im Winter sollte man das Wachs etwas vorwärmen (z.B. an der Heizung bzw. Fahrzeuglüftung), und bei ausreichend Sonne lässt sich die schwarze Dose gut von außen erwärmen. Aufgrund der Härte ist nur sehr wenig Wachs notwendig, eine Fingerspitze reicht bereits für einen mittelhohen Trekkingstiefel.

Backcountry Expeditions Lederwachs
handabgefüllt
Inhalt ca. 150-180g
Deckel mit Dichtung
schwarze Alu-Dose

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6 Gedanken zu “Leder & Lederpflege

  • Armando Cataldo

    Hallo Dominik,
    Ich habe mir gerade das wachs von dir bei Ebay bestellt Hast du auch noch die innen Pflege für die Schuhe zum Verkauf?

    Gruß Armando

    • Dominik Autor des Beitrags

      Hallo Armando, aktuell (und über diesen Sommer hinweg) erprobe ich noch ein paar Mixturen für innen, und würde, wenn alles klappt, die Lederpflege in Zukunft auch als Set anbieten. Wenn es soweit ist, wird es natürlich ein entsprechendes Video geben;-) Bis dahin wünsche ich draußen möglichst Viel Freude mit dem Wachs! Beste Grüße, Dominik

  • Martin Sartor

    Danke Dominik,

    immer wenn ich mal Zeit und Internetvolumen habe, dann schaue ich sehr gerne deine Videos. Da ich nun endlich meine zweiten Volllederschuhe besitze und kürzlich auch Dein Lederpflegevideo geschaut habe, habe ich mir auch Dein Pflegemittel bestellt und es ist auch schon da 🙂 Hab herzlich Dank, dass Du nicht dem Trend zu entsprechen versuchst und wesentlich mehr und wichtigere Infos in deine Videos packst als es üblicherweise aufgenommen werden kann und dem Zeitgeist entsprechend auch “darf”.

    Herzliche Grüße
    Martin

    • Dominik Autor des Beitrags

      Vielen Dank Martin für Deine Anerkennung, es freut mich immer wieder, wenn meine Markt-unüblichen Berichte in Schrift- und Videoformat gefallen. Fragwürdigen Trends bin ich noch nie hinterher gelaufen, lieber mache ich meinen eigenen; und ich bin gespannt, wo uns dieser noch hin führt;-) Die Lederpflege wird Deine Schuhe hoffentlich möglichst lange, und Dich möglichst trocken durch die Landschaft bringen – dabei, und natürlich auch meinen Videos weiterhin viel Freude! Beste Grüße, Dominik