Wasser – Survival


Autor: Dominik

Weltweiter Wasserbedarf, Funktionen im menschlichen Körper, Folgen von Wasserverlust, Methoden zur Wassergewinnung sowie Aufbereitung.

1. Eigenschaften

  • H2O = chemische Verbindung (Molekül) der Elemente Sauerstoff und Wasserstoff
  • Aggregatzustände flüssig, fest (Eis), gasförmig (Dampf)
  • Schmelzpunkt 0°C, Siedepunkt 100°C, Dichte 1g/cm³ bzw. 1kg/Liter, pH-Wert 7,0
  • physikalische Eigenschaften temperatur- und druckabhängig
  • als Reinstoff: klar, farb-, geruch- und geschmackslos
  • natürlich vorkommendes Wasser enthält praktisch immer gelöste Stoffe (z.B. Salzionen)

2. Weltweiter Bedarf

  • Wasser bestimmt unser Klima sowie unser tägliches Leben; ohne Regen keine Wasserversorgung, keine Wirtschaft, keine Industrie (→ mitunter Kriegsgrund)
  • Grundlage allen Lebens auf der Erde, Herkunft der Menge aber nach wie vor unklar
  • Planet Erde zu 72% von Wasser bedeckt (1,6 Mrd. Km³), davon 2,5% Süßwasser (35 Mio km³), davon 69% Eis, 30% Grundwasser und 0,3% Oberflächenwasser, davon 87% Seen, 2% Flüsse und 11% Sümpfe → nur der geringste Teil ist überhaupt für den Menschen leicht zugänglich
  • etwa 2/3 der Weltbevölkerung haben nicht ausreichend Wasser zur Verfügung
  • Europa verfügt im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl über einen nur kleinen Anteil der globalen Wasservorräte, Asien besitzt zwar 1/3 der weltweiten Wasservorräte aber auch über 60% der Weltbevölkerung, in Afrika gibt es eine nur sehr schlechte Wasserinfrastruktur, Nordamerika hat ein recht ausgeglichenes Verhältnis, und Südamerika das weltweit beste
  • in den letzten 70 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht, und der Wasserverbrauch versechsfacht; verdoppelter Wasserverbrauch durch ökonomisches Wachstum und verbrauchsintensive Lebensstile
  • weltweiter Süßwasserbedarf übersteigt eine nachhaltige Nutzung
  • Wasserverbrauch Deutschland : Trinkwasser, Duschen, Waschen, Kochen, Putzen, Toilette, Landwirtschaft 15%, Gewerbe 25%, Industrie 50% (Zahlen aus Deutschland bei entsprechend wenig landwirtschaftlicher Fläche; andere Länder mit mehr Anbaufläche bis zu 90% Landwirtschaft)
  • Aufgrund Wasserkreislauf eher Wasserbedarf oder Gebrauch statt Wasserverbrauch, aber Aufbereitung von Abwasser schlechter Wasserqualität
  • Abwasserprobleme durch sinkenden Wasserverbrauch, da Abwasserrohrnetze für bestimmte Durchflussmengen gebaut wurden (Verweildauer des Abwassers in der Kanalisation) führen zu Spülung der Systeme durch die Betreiber
  • Problem nicht nur der erhöhte Wasserverbrauch, sondern die immer höhere Anreicherung von Chemikalien im Wasser (auch Grundwasser), und die damit zunehmende Verschmutzung des Wassers

3. Funktionen im Körper

  • der Mensch besteht zu 70% aus Wasser
  • Wasserfunktionen im Körper: Transport von Sauerstoff und Nährstoffen, Übermittlung von Nervenimpulsen, Abbau von Giftstoffen in den Nieren, Regulierung der Körpertemperatur, Befeuchtung der Atemluft, Stoßdämpfer für Organe und Gelenke
  • 3er-Regel: Tod nach… 3 Minuten ohne Luft, 3 Tagen ohne Wasser, 3 Wochen ohne Nahrung → nur sehr grobe Anhaltspunkte, die stark variieren
  • Wasserbedarf des Körpers ist abhängig von Außentemperatur und physischer wie auch psychischer Belastung
  • Wasserausscheidung beträgt täglich ca. 2,5l (in Extremsituationen sind auch über 10l möglich): 1,5l Harn, 0,5l Schweiß, 0,5l Atemluft
  • Zu wenig Wasser führt zu Dehydration (Flüssigkeitsverlust), zu viel Wasser zu Hyperhydration (Wasservergiftung durch zu geringen Volumenanteil an Salzen)
Wasserverlust des KörpersAuswirkung (Übergänge fließend)
1-2%Durst, Unbehagen
2-5%Kopfschmerzen, Übelkeit, Schläfrigkeit, Ungeduld
5-10%Schwindel, trockener Mund, undeutliche Aussprache, verschwommene Sicht, schweres Atmen, kribbelnde Gliedmaßen, Unfähigkeit zu Gehen
10-15%Geschwollene Zunge, Schlucken unmöglich, Taubheitsgefühl der schrumpelnden Haut, Sehtrübungen, Taubheit, Gelenksteifigkeit
15-20%Delirium, Bewusstlosigkeit, Tod
  • Bei körperlicher Aktivität pro Stunde erhält ein halber Liter Wasser die Leistungsfähigkeit
  • man sollte nicht Trinken, weil man Durst hat, sondern um den Verbrauch rechtzeitig zu ersetzen
  • Verzicht auf Anstrengungen, wenn nicht genügend Trinkwasser vorhanden ist
  • da Wasser im Körper als 1%ige Kochsalzlösung gebunden ist, muss ebenfalls auf die Zufuhr von Elektrolyten geachtet werden (Kochsalz und Kalium), sonst droht Wasservergiftung (zu geringe Elektrolytkonzentration)
  • Vermeiden von Wasserverlust durch Schwitzen:
    • langsam bewegen, bei Hitze regungslos bleiben
    • im Schatten aufhalten, Anstrengungen auf Nachts verlegen
    • unter langer Kleidung verdunstet der Schweiß weniger schnell
    • enge erste Kleidungsschicht (Unterhemd), darüber lockere zweite Schicht
    • sinnvolle textile Fasern (natürliche) tragen, die keine schnelle Verdunstung fördern (wie viele synthetische)

4. Wassergewinnung

  • von Oberflächenwasser, Grundwasser, Niederschlagswasser
  • durch Abschöpfen, Auffangen, Aufsaugen, Verdunsten, Kondensieren, Graben, Schmelzen, aus Pflanzen und Tieren, sowie dem eigenen Körper
  • Tieren und ihrer Fährte als Wegweiser zum Wasser folgen kann funktionieren

a) Abschöpfen

  • Fließgewässer: möglichst weit stromaufwärts, je weiter stromabwärts desto unreiner (auf Tierkadaver achten), schnell-fließendes Wasser nahe der Oberfläche nehmen
  • Seen: möglichst in der Nähe des Zuflusses, keine Stellen mit Algen
  • Sümpfe: → Filtration notwendig
  • Felslöcher- und Spalten als Regenwasserreservoirs → Schlauch / Strohhalm
  • Brunnen: → Vorrichtung mit Seil
  • Quellen: grüne Vegetation als Zeichen
  • an Wasserquellen auf gefährliche Tiere achten (Rangordnung)
  • Abschöpfen als einfachste Möglichkeit, aber meist verschmutztes Wasser

b) Auffangen

  • von Regen- und Tropfwasser mit Hilfe eines Regenschutzes bzw. durch ein großes wasserundurchlässiges Material (Tarp, Rettungsdecke, Poncho, Regenjacke, Schirm) oder große Pflanzenblätter und andere Behältnisse
  • Plane entweder an den äußeren Ecken an Gegenständen locker hoch anbinden, oder über eine Senke/Loch auf dem Boden ausbreiten, und durch einen Abfluss gesammeltes Wasser auffangen
  • Dach eines Unterstandes schräg mit abfließender Vegetation und „Dachrinne“ bauen
  • Auffangen als einfache Möglichkeit, Regenwasser ist ungefiltert trinkbar, enthält aber praktisch keine Elektrolyte
  • Regenwasser = destilliertes Wasser + Verunreinigungen aus Luftverschmutzungen wie Abgasen, Feinstaub und Radioaktivität, zudem immer leicht sauer (pH-Wert 5,5-6) bis stark sauer (pH-Wert 4-5), daher in Deutschland als Trinkwasser verboten

c) Aufsaugen

  • von Niederschlags- und Tauwasser
  • Regen: Auslegen saugfähiger Kleidung, und anschließendes Auswringen
  • Tau: entsteht durch die Kondensation von wärmerem Wasserdampf an einer kalten Oberfläche, also bei großen Temperaturunterschieden Tag-Nacht
  • saugfähiges Tuch vor Sonnenaufgang durch eine feuchte Wiese ziehen oder beim Gehen an den Knöcheln festbinden
  • Bau einer Taufalle: Loch graben, mit Folie auslegen und saubere Steine hineinlegen; Nachts kondensiert Wasser, was am Morgen aufgesammelt werden werden kann
  • Aufsaugen als einfache Möglichkeit, aber relativ zeitintensiv, und keine nennenswerten Elektrolyte enthalten

d) Verdunsten

  • Bau einer Solardestille: tiefes Loch in feuchten Erdboden graben, mittig ein sauberes Auffanggefäß hineinstellen, zusätzlich in das Loch Schmutzwasser (mit oder ohne Gefäß), Salzwasser, Kühlerwasser, Urin, Blätter geben, mit einer (möglichst durchsichtigen) Plastikfolie locker abdecken, außen mit Steinen beschweren, und mittig einen Stein als tiefsten Tropfpunkt hineinlegen; ggf. einen langen Infusionsschlauch als Trinkhalm in das mittige Gefäß stecken
  • alternativ kann auch ein Eimer mit darin stehendem Becher als mobile Solardestille funktionieren
  • Verdunsten als zeitintensivste Möglichkeit mit nur vergleichsweise geringer Ausbeute, und vor allem nur in heißen Regionen effektiv

e) Kondensieren

  • ungenießbare Flüssigkeit (Meerwasser, Schlamm, Urin) bis zum Kochen Erhitzen, mit zeltförmiger Plastik (oder saugfähigem Stoff) den aufsteigenden Dampf ab-, und Kondensat auffangen
  • alternativ kann die Flüssigkeit statt direkt über einem Feuer auch mit heißen Steinen verdampft werden, um so die gespannte Folie nicht zu verbrennen
  • Kondensieren als sehr energieaufwendige Methode

f) Graben

  • fündig kann man werden: an grünen Flächen, an feuchten Stellen, an Stellen mit dunkler Erde und wasserhaltigen Pflanzen, in der Außenkurve ausgetrockneter Flussbette, neben einem See („Zigeunerbrunnen“), in Höhe der Flutlinie am Meeresstrand (die obere Schicht ist meist leichteres Süßwasser)
  • Graben sehr zeit- und kräfte-intensiv → kann bei Aussichtslosigkeit zum Tod während es Grabens führen

f) Schmelzen

  • Eis schmilzt bis zu 17Mal schneller als Schnee
  • aber das Tauen von Eis zu Wasser verbraucht in etwa soviel Energie wie das Erhitzen von Wasser auf 100°C (und das Verdampfen in etwa das Zehnfache!)
  • es ist zeit- und energiesparender natürliches Schmelzwasser zu sammeln
  • Eis und Schnee nie im Mund schmelzen: Gefahr von Erfrierungen der Mundschleimhäute, Entzug von lebensnotwendiger Körperwärme, Verunreinigung durch Verschmutzungen
  • im Topf Eis nur in kleinen Stücken nacheinander schmelzen
  • Eisblock auf einem flachen Stein mit darunter liegendem Feuer schmelzen
  • Schneeblock auf aufgespießtem Stock neben einem Feuer schmelzen („finnischer Marshmallow“)
  • altes Meereis (blaue Farbe, runde Kanten) ist weitgehend ohne schädliches Salz
  • Schmelzen als sehr energieaufwendige Möglichkeit, zudem Elektrolytfrei
  • Inuit-Jäger: den entleerten und umgestülpten Magen eines frisch erlegten großen Säugetiers mit Schnee füllen, einem Stück Darm verknoten, zurück ins Tier legen, und während man das Tier häutet, schmilzt der Schnee, und kann danach durch frischen Schnee als Filter getrunken werden
  • Aufbewahrung von geschmolzenem Wasser bei tiefen Minustemperaturen unter einer dicken Schneeschicht

g) aus Pflanzen

  • Auffangen des aus den Blättern ausgeatmeten Wassers durch Plastikbeutel um einen belaubten Zweig binden (Transpirationsbeutel), oder abgeschnittene Grünpflanzen in einen verschlossenen Plastikbeutel schnüren
  • Kletterpflanzen in den Tropen (z.B. Lianen), Kakteen und Agaven in den Subtropen
  • essbare Früchte, wenn nicht zu süß
  • Vegetation ergibt bei entsprechender Menge ausreichend Trinkwasser, bietet bei Unkenntnis aber auch die Gefahr von Vergiftungen (keine milchigen Säfte trinken)

g) aus Tieren

  • Fleisch und Blut (frisch)
  • geschützte Tiere (z.B. Meereschildkröte) nur in Notsituationen töten
  • Flüssigkeit aus den Augen und dem Rückenmark von Fischen
  • Jagd auf Tiere ist mitunter sehr zeitaufwendig und kräftezehrend

h) eigener Körper

  • Einlauf → mit maximal ½ Liter verschmutztem Süßwasser pro Tag
  • Eigenen Urin, d.h. ein Abfallprodukt des Körpers trinken funktioniert nur 1-2x, also für maximal einen Tag, bevor man entweder durch die zu hohe Salzkonzentration dehydriert, oder an Niereninsuffizienz stirbt, zudem ist er nicht keimfrei. → aufbereiten durch Destillation

h) auf dem Meer

  • Regenwasser und Tau sammeln
  • Meerwasser destillieren
  • im Überlebenspaket einer Rettungsinsel ggf. enthalten sind: wasserdichter Überlebensanzug, Wasser-Notrationen (100ml Beutel), Solardestille, Umkehrosmose-Pumpe, Ionentauscher

5. Wasseraufbereitung

  • Wasser kann mit Kot und Urin von Menschen und Tieren verunreinigt sein, und gesundheitsschädliche Einzeller (Giardien), Viren (→Hepatitis), Bakterien (→ Amöben, Ruhr, Cholera, Salmonellen, Mobus Weil) oder Parasiten (Billharziose, Würmer) enthalten
  • in einer absoluten Notsituation lieber fauliges als gar kein Wasser trinken, oder lieber wenig vorhandene Vorräte aufbrauchen um gestärkt zu bleiben als schwächelnd dahin zu dursten
  • einfachste Filterung durch Stehenlassen im Gefäß (12h), und Absetzen von Schwebstoffen am Grund
  • einfache mechanische Filterung mit mehreren Schichten aus Kiesel, Sand, Holzkohle, Stoff in einem Gefäß mit unterem Auslauf (z.B. Stock, Rohr oder abgeschnittene über Kopf hängende Plastikflasche) oder eines Dreibeinfilters mit Stöckern und Tüchern
  • einfachste und wirkungsvollste (außer seltene überlebensfähige Bakterien & Viren) Methode ist Abkochen für ca. 15min und Nutzen innerhalb der nächsten 6 Stunden, aber in abgekochtem Wasser sind weniger Elektrolyte enthalten (Kesselstein als Bodensatz) → mindestens etwas weiße Holzasche aufs Essen geben
  • abgekochtes oder abgestandenes Wasser schmeckt fad, weil es wenig Sauerstoff enthält, dagegen hilft starkes Aufwirbeln oder Umschütten (dabei darauf achten, dass es nicht wieder verschmutzt wird)
  • mechanische Filterung über tragbare Taschen- oder Flaschenfilter aus Keramik oder Aktivkohle gegen Mikroorganismen (Einzeller, Bakterien)
  • chemische Entkeimung mit Jod (5 Tropfen auf 1l bei 30min gegen Bakterien und Viren), Chlor oder Haushaltsbleiche (Bakterien), Kaliumpermanganat (0,5g auf 1l bei 2h, relativ unzuverlässig), Silber
  • UV-Entkeimung aktiv über elektronische Geräte oder passiv mit durchsichtiger, gut geschüttelter Flasche (O2) 6h im Sonnenlicht tötet die meisten Einzeller, Bakterien, Viren

6. Survival

  • umfasst Kenntnisse und Fertigkeiten, welche ein (Über-)Leben (=vollständige Selbstversorgung) in unterschiedlichen Notsituationen ohne, oder mit nur wenigen Hilfsmitteln, sowie eine möglichst schnelle und effiziente Selbstrettung (Rückkehr in die Zivilisation) ermöglichen sollen
  • erfordert physisches & psychisches Durchhaltevermögen → selten vorhanden
  • befriedigt die menschlichen Grundbedürfnisse nach Wasser und Nahrung, sowie Schutz vor Witterung und Gefahren → kommerzielle Vermarktung
  • zivil: Zeitraum nach einer eingetretenen Notlage / Katastrophe
  • militärisch: Überleben und Durchschlagen in feindlichem Gebiet, sowie mitunter auch Jagdkampf (z.B. Spezialeinheiten, Einzelkämpfer)
  • Vorgehen: Erste Hilfe, Orientierung, Schutzunterkunft, Notsignalmittel, Feuer, Wasserbeschaffung und Aufbereitung, Werkzeugherstellung, Nahrungsbeschaffung

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