Autor: Dominik
Die Leki Makalu Ultralight Carbon Trekkingstöcke werden vom Hersteller mit Superlativen in der Funktion beworben, die Praxis jedoch sieht leider ein wenig anders aus.
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1. Produkt
Trekkingstock / Wanderhilfe
2. Unternehmen
- LEKI Lenhart GmbH, Karl-Arnold-Straße 30, 73230 Kirchheim unter Teck, Deutschland (seit 1948)
- Made in Czech Republic
- Der Firmenname LEKI setzt sich aus dem von Karl LEnhart 1948 in KIrchheim gegründeten Betrieb zusammen, der als begeiterter Skisportler seit den 70er Jahren Skistöcke aus Aluminium und Composite herstellt. Die Produktentwicklung findet weiterhin im schwäbischen Kirchheim/Teck statt, produziert wird seit 1993 in Tschechien.
3. Kauf
- 07/2015: 96,-€
Nachdem ich jahrelang mit Aluminiumstücken umher gelaufen bin, wollte ich auch einmal leichtere Carbonstöcke ausprobieren, auch wenn diese fast doppelt so viel gekostet haben, und der steife Kohlefaserverstärkte Kunststoff doch eher zum Brechen neigt, als das weiche aber zähe Aluminium. Dichte Aluminium vs. Kohlefaser: 2,7g/cm³ vs. 1,5g/cm³. Bruchdehnung Aluminium vs. Kohlefaser: 25% vs. 1,5%!
4. Spezifikationen
- Produktname: Makalu Carbonlite AS
- Artikelnummer: 6352150
- Material: Carbon (Kohlefaser-Kunststoff)
- Segmente: 3 (geschlossen)
- Länge geschlossen: 64,5 cm
- Länge maximal: 138 cm
- Durchmesser: 16 / 14 / 12 mm
- Griffwinkel: 8°
- Gewicht: jeweils 202 g (Herstellerangabe 175 g <– deutlich untertrieben!)
5. Praxis
Herstellerangaben
Der Makalu ist mit einer Höhe von 8485m der fünfthöchste Berg der Welt, östlich des Mount Everest, und gleichzeitig auch das Top-Modell unter den Leki-Wanderstöcken (der Sherpa in der Kategorie Mountaineering). Mit seinen Angaben mauert der Hersteller ganz schön hoch: Angeblich sei das Unternehmen die weltweite Nummer Eins und legendär, angeblich besitzen die Stöcke das weltweit beste Außenverstellsystem (Speed Lock, 3kg Schließkraft), als auch das weltweit beste Innenverstellsystem (Super Lock, 1,4Nm Anzugsdrehmoment). Eine Selbstbeweihräucherung in solch einem Maß muss man erst einmal wo finden! Auf den Boden der Tatsachen gelagt man jedoch recht schnell, überprüft man die angeblichen 175g Gewicht auf tatsächlich 200g.
Der TÜV Süd legt eine Haltekraft von ca. 55kg fest, das Speed Lock erreicht wohl ca. 75kg, und das Super Lock sogar ca. 155kg. Mal abgesehen davon, dass der TÜV eine Organisation ist, welche Zertifikate für eine Gegenleistung (Geld) ausstellt, und ich als Kfz-Meister oft genug mitbekommen habe, was das mitunter tatsächlich bedeutet, empfinde ich 55kg als unterste Grenze ganz schön wenig. Zusätzlich erklärt sich mir auch nicht, wie viel Wert die Angabe des Innenverstellsystem von 155kg überhaupt noch besitzt, wenn das Außenverstellsystem „nur“ 75kg hat. Bei einem Sturz dürfte es sowohl dem Stock, als auch meinem Körper völlig egal sein, wie hoch die höchste theoretische Haltekraft gewesen wäre, wenn diese in der Praxis aber von der geringsten ausgehebelt wird. Und 75kg erscheinen mir auch nicht gerade besonders viel.
Im Fjell
Eingeweiht habe die Stöcke dann auf einer mehrtägigen Trekkingtour im skandinavischen Norden, mit 100 Liter großem und 45kg schweren Rucksack. In dieser Region macht die Verwendung von Trekkingstöcken nicht nur Sinn, sondern ist unter solchen Bedingungen, und zum Wohl der eigenen Gesundheit, sogar absolut notwendig.
Spitze
Die gehärteten Stahlspitzen lassen sich auch vom härtesten Felsgestein absolut nicht beeindrucken, und sehen auch nach längerer Zeit der Nutzung aus, als hätte man nur Strandspaziergänge unternommen; einzig der Kunststoff drum herum verschleißt.
Verstellung
Die Dämpfung (SAS-L), bestehend aus einer Feder zwischen zwei EVA-Elastomeren, habe ich dabei als sehr angenehm für die Gelenke empfunden (bis zu 10mm Federweg), und möchte diese in Zukunft auch nicht mehr missen müssen. Die zweiteilige Längenverstellung erfolgt problemlos, zudem auch sehr schnell; die Beschriftung hält auch noch nach jahrelanger Benutzung. Bergauf stellt man die Stöcke kürzer als in der Ebene, bergab dann länger.
Was mich jedoch immer wieder stutzig gemacht hat, war jenes anfangs beschriebene SLS, das angeblich „weltbeste Verstellsystem“, genauer gesagt dessen Haltekraft. Egal wie fest man den Stock auch dreht, nach einiger Zeit löst sich dieser Mechanismus so weit, dass nicht mehr nur die Federung im Stock selbst nachgibt, sondern dieser sogar selbstständig einfährt – ein absolutes Sicherheits-No-Go! Beschleunigt wird dieser Prozess durch nass-kalte Witterung, sowie üblichem Hängenbleiben mit dem Stock in Felsspalten. Betrachtet man sich das zerlegte System genauer, d.h. den Kunststoffkeil welcher durch Spreizung in einem ebenso glatten Kohlefaserzylinder klemmt, wurde zumindest mir klar, dass diese Art der Haftreibung für eine zuverlässige Klemmung einfach zu gering ist.
Als absolutes Muss gilt daher die ständige Kontrolle der Feststellung, was mitunter eine ziemlich nervige Angelegenheit sein kann. Vergisst man dies einmal, weil man im Gelände mit anderen Umständen zu kämpfen hat, als an das „weltbeste“ SLS zu denken, kann ein Sturz vorprogrammiert sein! Und ich bin gestürzt, ganz zur Freude meiner Knie. Man verlässt sich auf ein System, was jedoch leider keine Verlässlichkeit bietet. Das ist als wenn der Sicherheitsgurt im Auto nur eine Attrappe wäre. Der Hersteller schreibt in einem Sicherheitshinweis „Überzeugen Sie sich auch während des Gebrauchs davon, dass das Verstellsystem verschlossen bleibt“. Soviel zum „weltweit besten Verstellsystem“.
Griff
Der Griff des Stockes liegt gut in der Hand, die Handschlaufen sind rechts-links-gekennzeichnet, deren Verstellung jedoch etwas umständlich, und abhängig von der Klemmkraft eines nur Plasteverschlusses. Zwar ist die Innenseite der Nylonschlaufe samtartig weich, nicht jedoch die härteren Kanten des Gurtbandes, und so kommt es mitunter zu Scheuerstellen am Daumenbereich des Handrückens. Blasenbildung kann hier nur durch das ständige Tragen von Handschuhen vermieden werden; speziell bei warmen Temperaturen sehr „angenehm“.
Nach 6 Jahren Gebrauch ist durch einen Sturz eine Kunststoffkappe auf dem Griff abgebrochen. Nach dem Sturz hatte ich übrigens festgestellt, dass sich die Klemmung wieder gelöst hatte. Glücklicherweise habe ich als Standart-Trekking-Ausrüstung immer ein paar Meter zusammengefaltetes Panzerband mit dabei, und konnte den Defekt notdürftig kleben. Der Hersteller schreibt: „Revolutionärster, sicherer Griff“.
6. Positives
- leicht, Kräfte-schonendes Tragen
- gedämpft, Gelenk-schonend
- ergonomischer Griff
- einfache Längenverstellung
- feste Handschlaufenklemmung
- robuste Stahlspitze
7. Negatives
- automatisch nachlassende Haltekraft führt zu unbeabsichtigstem Einfahren
- zu hartes Gurtband der Handschlaufe scheuert, und führt zu Blasenbildung
- umständliche Arretierung der Handschlaufe
- Kunststoffkappe des Griffes defekt, aber kein bestellbares Ersatzteil
- keine integrierte Griffverlängerung (zum Umgreifen bei Bedarf)
8. Fazit
Die Leki Makalu Carbonlite AS sind vor allem extrem leicht, lassen sich angenehm tragen, und ebenso verstellen; in erster Linie sind sie auf maximalen Komfort ausgelegt. Wo der Hersteller jedoch mit Superlativen geradezu prahlt, erweisen sich genau diese in der Praxis als die größten Mängel überhaupt. Mit böser Zunge könnte man hier sogar von haltlosen Werbelügen auf dem Papier sprechen, welche über Defizite hinwegtäuschen, und in der Praxis zur Gefährdung des Nutzers führen. Die Makalu funktionieren zweifellos, aber eben nur mit Einschränkungen. Und hier stellt sich mir die Frage, wie viel Wert eine TÜV-Zertifizierung für den Wanderer noch hat, wenn dieser durch einen Sturz zu Schaden gekommen ist; einen Sturz, verursacht durch ein sich selbst gelockertes („weltbestes“) Verstellsystem?!

































