Zecken, Mücken, Fliegen – Parasiten und Infektionskrankheiten


Autor: Dominik

Eine biologische Erörterung über Fliegen, Zecken und Mücken, und die durch diese Parasiten weltweit übertragenden Infektionskrankheiten.

1. Parasitismus

Parasiten sind Lebewesen, die einen Wirtsorganismus infizieren, und dessen Stoffwechsel schmarotzend für ihre eigene Vermehrung nutzen. Der Parasit beeinträchtigt oder schädigt den Wirt direkt, und löst zusätzlich, durch Übertragung von Bakterien und Viren, auch Infektionskrankheiten aus. Der Wirt kann dabei Haupt- oder Zwischenwirt sein, und wird in der Medizin als Krankheitsüberträger auch Vektor genannt. Infektionskrankheiten die auch zwischen Mensch und Tier übertragen werden können, sind als Zoonose bezeichnet, aktuell sind davon ca. 200 bekannt. Nach Art des Eindringens in den Wirtskörper unterscheidet man Ekto- bzw. Außenparasiten, die auf anderen Organismen leben, und Endo- bzw. Innenparasiten, die in ihrem Wirt leben. Für den Menschen relevant sind:

  • Bakterien (Domäne)
  • Pilze (Reich)
  • Fadenwürmer (Stamm)
  • Zweiflügler (Ordnung)
  • Flöhe (Ordnung)
  • Tierläuse (Ordnung)
  • Wanzen (Unterordnung)
  • Egel (Unterklasse)
  • Rundmäuler (Überklasse)
  • Schmerlenwelse (Familie)
  • Vampirfledermäuse (Unterfamilie)

2. Viren

Viren werden eigentlich nicht als Parasiten bezeichnet, da sie nicht alle definierten Fähigkeiten echter Lebewesen besitzen: Stoffwechsel, Reizbarkeit, Wachstum, Reproduktion, Evolution. Aber auch wenn sie nur als Grenzform des Lebens gelten, agieren sie in ihrem Verhalten dennoch wie Parasiten. Während nur die wenigsten Viren tatsächlich bekannt sind, existieren vermutlich deutlich mehr Arten von Viren als es überhaupt Arten von Lebewesen gibt.

3. Taxonomie

Biologie ist die Wissenschaft von Lebewesen. In ihrer Systematik werden bestimmte Kriterien einer Gruppe zusammengefasst, diese Taxonomie ist in Rang-/Ordnungen gegliedert. Die höchsten Ränge sind die 3 Domänen (ständig in Weiterentwicklung):

  • Archaeen bzw. Urbakterien, Bakterien (Prokaryoten ohne Zellkern)
  • Eukaryoten mit Zellkern (Tiere, Pflanzen, Pilze)
  • → Reich (7)
    • → Stämme → Klassen → Ordnungen → Familien → Gattungen → Arten (plus als Varianten jeweils Ober… + Unter…)

4. Fliegen

  • Fliegen infiziert mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis verursachen in tropischen Entwicklungsländern (Afrika) eine Bindehautentzündung, durch welche sich mit der Zeit die Augenwimpern nach innen drehen und somit auf der Hornhaut reiben, was letztendlich zur vollständigen Erblindung führt. Von diesem Trachom (sog. ägyptische Körnerkrankheit) sind teilweise 50% der afrikanischen Kinder, und insgesamt ca. 150 Millionen Menschen betroffen, ca. 33 Mio wurden 2020 behandelt.
  • Larven der Familie der Dasselfliegen leben als Endoparasit in Schleimhäuten von Nase und Rachen, im Bindegewebe der Haut oder in Magen und Darm weltweit in vielen Tieren. In tropischen Regenwäldern von Mittel- und Südamerika und Afrika befällt Dermatobia hominis aber auch Menschen und löst Myiasis aus, eine Fliegenmadenkrankheit bei der fleischfressende Larven unter der Haut leben.
  • Die weltweit verbreitete Stubenfliege (Musca domestica) überträgt Infektionskrankheiten w.z.B. Ruhr, Typhus, Cholera, Salmonellosen, Kinderlähmung sowie Maul- und Klauenseuche.
  • Die gleich große Australische Buschfliege (Musca vetustissima) löst durch Bakterien beim Menschen auch das Trachom (Augenentzündung mit Erblindung), sowie durch Viren beim Kaninchen die unheilbare Chinaseuche (RHD) aus.
  • Solche Fliegenarten besitzen einen Saugrüssel und übertragen Infektionskrankheiten ausschließlich durch ihre Ausscheidungen. Andere Arten zusätzlich auch durch eine Nadelstichverletzung per Stechrüssel:

4.a) Wadenstecher

  • Systematik: Insekten (Klasse), Zweiflügler (Ordnung), Fliegen (Unterordnung), Echte Fliegen (Familie mit ca. 4.000 Arten), Stomoxys calcitrans (Gattung und Art)
  • Biologie: Größe 6-7mm, ähnlich Stubenfliege aber mit waagerechtem Stechrüssel
  • Fortpflanzung: nach mehrmaliger Blutaufnahme Eiablage auf Tierkot oder faulem organischen Material, temperaturabhängige Larvenentwicklung (10-30 Tage) auch mit möglicher Überwinterung
  • Verbreitung: weltweit
  • Aufkommen: tagaktiv, wärmeliebend, Frühjahr bis Herbst
  • Blutsaugen: Stich schmerzhaft, Kapillarsauger mit Stechrüssel (wie Stechmücke), aber deutlich längerer Saugvorgang (ca. 8 Minuten), es stechen sowohl Weibchen als auch Männchen
  • übertragbare Krankheiten:
    • 1. diverse Bakterien beim Menschen
    • 2. EIA-Virus bzw. Virus der equinen infektiösen Anämie
      • Lentiviren, weltweit
      • Wirte: Einhufer bzw. Familie Pferde (Equidae): Pferde, Pony, Esel, Maultiere, Zebras
      • Übertragung der Viren über Körperflüssigkeiten und Haut
      • führt zu Blutarmut (Anämie) und endet nach 2-4 Wochen meist tödlich
      • akute Krankheitsform und chronische mit jahrelangen milderen Symptomen
      • kein zugelassener Impfstoff

4.b) Bremsen

  • Systematik: Insekten (Klasse), Zweiflügler (Ordnung), Fliegen (Unterordnung), Bremsen (Familie), 4 Unterfamilien mit ca. 4.000 Arten z.B. Blindbremse (Chrysops caecutiens), Goldaugenbremse (Chrysops relictus), Rinderbremse (Tabanus bovinus), Gemeine Viehbremse (Tabanus bromius), Pferdebremse (Tabanus sudeticus), Regenbremse (Haematopota pluvialis)
  • Biologie: Größe ausgewachsen 10-25mm, Lebenserwartung erwachsener Tiere 2-4 Wochen, Weibchen als Blutsauger, aggressiv
  • Fortpflanzung: Eiablage an wassernahen Pflanzen, Entwicklungszyklus dauert mehrere Monate bis Jahre
  • Verbreitung: Europa, Nordafrika, Asien
  • Aufkommen: an schwülen Sommertagen, angelockt durch Schweiß von Säugern
  • Blutsaugen: grobes Mundwerkzeug reißt relativ große offene Wunde in Haut (auch durch Kleidung), gerinnungshemmendes Sekret wird eingespritzt, austretende Flüssigkeit wird von Weibchen mit Saugrüssel aufgenommen; Männchen saugen Blütennektar
  • sofortige Symptome: schmerzhafter Stich, Stichstelle mit Juckreiz und Quaddel
  • übertragbare Krankheiten:
    • 1. EIA-Virus siehe 5.a) Wadenstecher
    • 2. Lyme-Borreliose siehe 7. Zecken
    • 3. Tularämie bzw. Nagerpest (Zoononse) siehe auch Stechmücken + Zecken!
      • durch hochansteckendes Bakterium Francisella tularensis bei Hasenartigen, Nagetieren, Füchsen, Wildgeflügel, Haus- und Nutztiere, Flöhe, Läuse, Wanzen, Milben, Zecken
      • Übertragung durch direkten (Haut, Blut) und indirekten Kontakt (Atemluft/Aerosol)
      • äußere Tularämie mit Fieber, Entzündung von Lymphknoten und Augenbindehaut, sowie Geschwüren
      • innere Tularämie mit Entzündung zahlreicher Organe ohne Behandlung 33% / mit Behandlung noch 5% Letalität
      • bei Tieren Schwäche und Apathie, Tod binnen 3-14 Tagen (Hunde und Katzen relativ unempfindlich)
      • jährlich über 100 gemeldete Fälle in Deutschland Tendenz steigend (meist Jäger)
      • Therapie mit Antibiotikum, Lebensimpfstoff nur in USA und Russland
      • im 2.Weltkrieg vermutlich durch Russland 1942 an der Ostfront als Bio-Kampfstoff eingesetzt (100.000 Infizierte deutsche Soldaten, statt normal im Jahr zuvor und danach 10.000 russische Infektionen)
      • Biowaffe des US-Militär in 50/60er Jahren (→ Fort Detrick)
    • 4. Weilsche Krankheit (Morbus Weil) bzw. Leptospirose
      • durch Bakterien in verunreinigtem Abwasser oder Rattenurin
      • Aufnahme durch Haut, Schleimhaut und Atemwege, führt zu Fieber, grippeähnlichen Symptomen, Leber-, Nieren-, Herz-, und Gehirnhautentzündung, Letalität 10%, in Deutschland meldepflichtig (jährlich ca. 20 Fälle)
      • anerkannte Berufskrankheit bei Beschäftigten in der Abwassertechnik, Forst und Schädlingsbekämpfung
    • 5. Milzbrand bzw. Anthrax (Zoonose)
      • durch Stäbchenbakterium Bacillus anthracis dessen widerstandsfähige Sporen Jahrzehnte überleben können
      • Bekanntheit seit Altertum vor allem durch Eignung als Biowaffe
      • ursprünglich bei Paarhufern; weltweite Verbreitung über Tierkadaver bzw. bei Tierkörperverwertungen und Gerbereien
      • Hautmilzbrand als ehemalige Berufskrankheit von Fleischern und Gerbern ohne Behandlung 5-25% tödlich
      • Lungen- und Darmmilzbrand mit hoher Letalität in wenigen Tagen
      • Therapie mit Antibiotikum, Impfstoff in Deutschland nicht verfügbar
    • 6. Surra durch Einzeller Trypanosoma evansi bei Pferden, Kamelen, Hunden und Elefanten in Nordafrika, Arabien, Südasien, Mittel-/Südamerika
    • 7. Fadenwürmer (Nematoden) bei Mensch und Tier

4.c) Lausfliegen

  • Systematik: Insekten (Klasse), Zweiflügler (Ordnung), Fliegen (Unterordnung), Lausfliegen (Familie), ca. 100 Arten, z.B. Hirschlausfliege Lipoptena cervi (gesamte Nordhalbkugel), Pferdelausfliege Hippobosca equina (Europa. Asien, Afrika), Mauerseglerfliege Crataerina pallida (bei Mauerseglern und Schwalben)
  • Biologie: Größe 5-8mm, sehr flach, oftmals nur Stummelflügel oder gar keine (Schaflausfliege), Hirschlausfliege bricht Flügel auf Wirt ab und lebt möglichst permanent auf ihm, seitlicher Krebsgang (→ „Spinnen-/Krabbenfliege“)
  • Fortpflanzung: lebendgebährend (jeweils ein Jungtier)
  • Verbreitung: weltweit
  • Aufkommen: meist in Waldnähe, April bis Oktober
  • Wirte: meist Vögel und Nutztiere
  • Blutsaugen: halten sich mit Krallen im Haar- und Federkleid des Wirts fest, Stich ähnlich schmerzhaft Stechfliege, sowohl Weibchen als auch Männchen saugen Blut
  • übertragene Krankheiten: zu 90% Bakterium Bartonella schoenbuchensis (Zoonose)

4.d) Tse-Tse-Fliegen

  • Systematik: Insekten (Klasse), Zweiflügler (Ordnung), Fliegen (Unterordnung), Zungenfliegen (Familie), Tsetsefliegen/Glossina (Gattung), 3 Untergattungen mit über 30 Arten und Unterarten
  • Biologie: Körpergröße 5-15mm, Flügelstellung in Ruheposition scherenartige Zungenform
  • Wirte: Mäuse, Ratten, Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Antilope, Büffel, Hyänen, Löwen (→ Streifen auf Zebras erschweren Insekten den Landeanflug)
  • Verbreitung: Afrika bzw. großer Bereich von Zentralafrika; „TseTse-Gürtel 14°N bis 29° Süd
  • Aufkommen: Savanne, Wald, Flussnähe; tagaktiv und aggressiv
  • Blutsaugen: auch durch Kleidung und sehr schmerzhaft
  • sofortige Symptome: sehr schmerzhafter Stich
  • übertragbare Krankheiten:
    • 1. Afrikanische Trypanosomiasis bzw. Schlafkrankheit
      • durch blutparasitische Einzeller Unterarten von Trypanosoma brucei
      • Wirte: Rind, Antilope, Büffel, Hyäne, Löwe, Ziege, Schaf, Schwein, Riesenhamsterratte
      • Infektionsrisiko 1%, aktuell ca. 500.000 Erkrankte, ohne Therapie 100% tödlich
      • Symptome:
        • 1. Stadium (nach 3-10Tagen): Fieber, Schüttelfrost, Hautausschlag, Juckreiz, auch Herzstörungen mit Todesfolge möglich
        • 2. Stadium (Erregereintritt ins Zentralnervensystem über Blut-Hirn-Schranke, Meningoenzephalitis, nach mehreren Wochen bis Jahren): Verwirrtheit, Krampfanfälle, Koordinations- und Schlafstörungen, auch aggressives bis gewalttätiges Verhalten möglich (Festbinden Erkrankter)
        • 3. Stadium: Dämmerzustand, Koma, Tod
      • Therapie 1.Stadium: Suramin oder Pentamidin (Neurotoxine), 2.Stadium: Melarsopol und Eflornithi (Arsenverbindungen, 5% tödlich), seit 2018 Fexinidazol
  • 2. Nagana-Seuche als tierisches Pendant bei Haus- und Nutztieren: Rind, Pferd, Esel, Schaf, Schwein, Hund, Katze

5. Mücken

  • Systematik: Gliederfüßler (Stamm), Sechsfüßer (Unterstamm), Insekten (Klasse), Fluginsekten (Unterklasse), Neuflügler (Überordnung), Zweiflügler (Ordnung), Mücken (Unterordnung), 45 Familien, davon 4 blutsaugend mit ca. 13.000 Arten
  • Familie Stechmücke hat ca. 3.800 Arten
  • Familie Kriebelmücke hat ca. 2.400 Arten
  • Familie Bartmücke (Gnitzen) hat ca. 4.000 Arten
  • Familie Schmetterlingsmücke hat ca. 2.800 Arten, darunter ca. 700 Sandmücken

5.a) Stechmücken

  • Biologie: Größe bis 15mm, Männchen mit buschigeren Fühlern, Fluggeschwindigkeit bis 3km/h (Vergleich Stubenfliege: 10km/h), Lebenserwartung 7 Tage
  • Arten: Gemeine Stechmücke (Culex pipiens), Große Hausmücke (Culiseta annulata), Auwaldmücke (Ochlerotatus stictitus), Wiesenmücke (Aedes vexans), Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), Malariamücken (Anopheles).
  • Fortpflanzung: Paarungsschwärme zur Dämmerung, Eiablage an stehenden Gewässern, Larven und Puppen hängen mit Atemrohr an Wasseroberfläche, Imago schlüpft nach wenigen Tagen, Männchen sterben im Herbst, begattete Weibchen überwintern an geschützten Stellen
  • Verbreitung: weltweit
  • Aufkommen: vorwiegend bei Windstille, je wärmer, desto höher fliegen sie, artspezifisch tag- oder nachtaktiv
  • Wirtsfindung: ausgeatmetes Kohlenstoffdioxid sowie Körperdüfte von Milchsäuren, als auch Körperwärme
  • Verhalten im Regen: Zwar hat ein Regentropfen beim Auftreffen eine bis zu 50-mal höhere Masse als eine Stechmücke, was in etwa der Kollision eines Menschen mit einem Bus entspräche, aufgrund der sehr leichten Stechmücke wird aber kaum Kraft auf diese übertragen. Bei dieser Kollision werden als Belastung auf den Körper 100-300 g übertragen; zum Vergleich: ein Astronaut unterliegt in einer startenden Raumkapsel 3-6 g. Nur wenn die Mücke vom Tropfen dicht über dem Boden (5-20 Körperlängen) getroffen wird, kann sie sich nicht mehr rechtzeitig vom Tropfen lösen, und überlegt den Aufprall nur selten.
  • Blutsaugen: Kapillarsauger, Stechrüssel der Weibchen mit zwei Kanälen für Speichelinjektion und Blutsaugen
  • sofortige Symptome: Stich nur wenig schmerzhaft, Stichstelle mit Juckreiz (durch Mückenprotein) und Quaddel (durch körpereigenes Histamin)
  • Krankheiten beim Mensch:
    • 1. Malaria
      • durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium (Plasmodien)
      • in den gesamten Tropen und vielen Subtropen auch in Flughäfen, in der Antike auch im Mittelmeerraum, ab Mittelalter bis Mitte 20.Jh. auch in Mitteleuropa (Erkrankte wie Friedrich Schiller)
      • Ausbreitung in Amerika durch Sklavenhandel (Region Mississippi jährlich 3% Todesfälle)
      • Erregererkennung 1880, Ausrottung bis 1960 durch systematische Trockenlegung von Sümpfen und Mooren, Begradigung von Flüssen und Auen, Einsatz von Insektizid DDT, heute Maßnahmen mit Bakterium Bacillus thuringiensis israeliensis und andere Forschungen
      • Übertragung auch durch Bluttransfusion und bei Schwangerschaft
      • jährlich ca. 200 Mio Erkrankte und 2 Mio Tote (1% Letalität, Vergleich Covid-19: 0,1-0,5%) davon 90% in Afrika, häufigste Infektionskrankheit der Welt
      • verschiedene Malariaarten mit unterschiedlichen Symptomen
      • nach ca. 10-30 Tagen wiederkehrendes Wechselfieber und Krämpfe, Spontanheilung je nach Art nach mehreren Monaten bis Jahren möglich
      • kein Impfstoff, nur Chemoprophylaxe mit starken Nebenwirkungen
      • Chinin aus der Rinde der Chinarindenbäume (Südamerika) als Wirkstoff (Bitterstoff in Tonic → Verdünnung mit Gin → Erfindung Gin-Tonic)
    • 2. Gelbfieber
      • Flaviviren übertragen durch Gelbfiebermücke Aedes aegypti und andere
      • in Afrika und Südamerika
      • führt bei 15% der Infizierten zu Leberschädigung (Gelbsucht, Hepatitis) und Blutungen an Schleimhäuten wovon 20% tödlich enden
      • jährlich ca. 200.000 Erkrankte und 30.000 Todefälle, davon 90% in Afrika
      • Impfstoff ergibt lebenslange Immunität, führt aber bei 20% zu grippeähnlichen Symptomen und bei 1von250.000 zum Tod
      • möglicher biologischer Kampfstoff (USA)
    • 3. Denguefieber
      • durch Flaviviren
      • in allen tropischen und subtropischen Regionen
      • führt nach 3-14 Tagen zu grippeähnlichen Symptomen bzw. schweren Kopf-, Muskel-, Knochen- und Gliederschmerzen
      • jährlich ca. 500 Mio Infizierte = häufigste durch Mücken übertragbare Viruserkrankung, 10% schwerer Krankheitsverlauf mit inneren Blutungen, davon 1-15% tödlich
      • Behandlung beschränkt sich auf Flüssigkeitsauffüllung
      • Impfstoff steht im Verdacht oft unwirksam und mit schwererem Krankheitsverlauf
      • diverse Strategien zur Mückenbekämpfung (Insektizide, larvenfressende Ruderfußkrebse, genetisch veränderte Mücken auch mit Bakterien geimpfte oder parasitäre Pilze, etc.
    • 4. Sindbis-Virus
      • ursprünglich aus Afrika mit 6 Subtypen im Mittelmeerraum, Südostasien, Südamerija, Australien und Europa, darunter auch das Ockelbo-Virus in Skandinavien
      • Vögel als Vektor
      • Symptome ähnlich Denguefieber
      • keine Impfung erhältlich
    • 5. Japanische Enzephalitis (Zoonose)
      • durch Japanische-Enzephalitis-Virus (Flaviviren)
      • in gesamt Ost- und Südostasien wo Schweinezucht und Reisanbau betrieben wird (Wirte: Schweine, Vögel, Fledermäuse)
      • führt nach 5-15 Tagen zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, schwere Fälle mit Enzephalitis (Gehirnentzündung), bei Kindern Erbrechen und/oder Durchfall, Letalität bei Krankheitsausbruch 5-30%, jährlich ca. 50.000 gemeldete Erkrankte mit mindestens 10.000 Toten (Dunkelziffer höher)
      • Impfung möglich
    • 6. West-Nil-Fieber
      • durch West-Nil-Virus in Afrika, Asien, Australien, Nordamerika, Europa
      • bei Vögeln und Säugetieren (Pferde)
      • 80% symptomlos ansonsten grippeähnlich, bei 1% Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis) davon 10% Letalität, jährlich ca. 20 Erkrankte in Deutschland und 1 Toter
      • Impfung nur für Pferde möglich
    • 7. Chikungunya-Fieber
      • durch Togaviren in Afrika, Südostasien, Mittel- und Südamerika und Europa
      • führt nach 3-7 Tagen und meist für bis zu zwei Wochen (selten auch jahrelang) zu schweren Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellung, Augenentzündungen, Hautausschlag, Magen-Darm-Beschwerden, Leberentzündung (Hepatitis), Herzentzündung (Karditis), Hirnhaut- und Gehirnentzündung mit Hirnschäden
      • keine wirksame Behandlung möglich
      • kein Impfstoff (USA hatten in den 80er Jahren einen für Soldaten)
    • 8. Zika-Virus
      • durch Faviviren in Afrika, Südostasien, Nord- und Südamerika, Europa
      • führt bei 20% der infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und Hausausschlag sowie Schädelfehlbildung Mikrozephalie bei Föten (siehe 2016 Warnung für schwangere Reisende nach Lateinamerika)
      • Übertragung aber auch durch Körperflüssigkeiten
      • Diagnose aufgrund vieler ähnlicher Infektionskrankheiten sehr schwierig
      • kein Impfstoff erhältlich
    • 9. Rifttalfieber (Zoonose) bei Wiederkäuern in ganz Afrika südlich Sahara durch Phleboviren endet bei 1% der Erkrankten tödlich (durch Hepatitis oder Meningitis) oder führt zu Entzündung der Netzhaut (Retinitis) mit Erblindung, keine Impfstoffe erhältlich.
    • 10. O’nyong-’nyong-Fieber in Ost- und Zentralafrika führt zu grippeähnlichen Symptomen mit ausgeprägten Gelenkschmerzen, sehr viele Infizierte aber keine bekannten Todesfälle
    • 11. Tahyana-Virus in Europa und Russland durch Arboviren in Vögeln und Nagetieren, mit grippeähnlichen Symptomen, und meist fehlender Diagnose („banale Sommergrippe“)
    • 12. Filariose und Dirofilariose in tropischen Ländern durch Fadenwürmer Filarien in Lymph- oder Blutgefäßen, weltweit ca. 200 Mio mit Würmern Infizierte, Verstopfung der Lymphgefäße führt zu Elephantitis
    • 13. Tularämie bzw. Nagerpest (Zoononse) → siehe 5.b) 3 Bremsen
    • 14. Myxomatose bzw. Kanninchenpest
      • durch Pockenvirus Leporipoxvirus myxomatosis
      • bei Haus- und Wildkanninchen (nur 1% der Feldhasen)
      • führt nach drei bis neun Tagen zu Entzündung der Augen, Ohren, Lippen, Genitalien und nach 10-14 Tagen zum Tod, nur selten Spontanheilung
      • Lebendimpfstoff möglich (für Kanninchenzuchten)
    • 15. verschiedene Pferdeenzephalomyelitis (Zoonosen) führen zu Fieber, Abgeschlagenheit und Organschäden, Tierimpfungen sind teilweise vorhanden
      • venezolanische Pferdeenzephalomyelitis VEE durch Venezuela-Equine-Encephalitis-Virus, nach 2-7 Tagen bis zu 80% Mortalität (beim Mensch 1%)
      • westliche Pferdeenzephalomyelitis WEE durch Western-Equine-Encephalitis-Virus im westlichen Nordamerika, nach 2-7 Tagen 20-30% Mortalität (beim Mensch 10%)
      • östliche Pferdeenzephalomyelitis EEE durch Östliche Equine Encephalomyelitis-Virus im östlichen Nordamerika, nach 2-7 Tagen bis zu 90% Mortalität (beim Mensch 30-50%)
    • 16. Würmer bei Hunden w.z.B. Herzwurm

5.b) Kriebelmücken

  • Biologie: Größe 2-6mm, gedrungener hochgewölbter buckliger meist schwarzer Körper (blackflies, sandfly), eher fliegenartig
  • Fortpflanzung: bei maximal leichtem Wind Schwarmbildung in der nähe großer dunkler Objekte (z.B. Bäume), Eiablage an sauberen Fließgewässern, teilweise nur an sehr sauberen, Überwinterung als Larve, Eier frostresistent, mehrere Generationen pro Jahr möglich
  • Verbreitung: weltweit
  • Aufkommen: ausschließlich im Freien meist in Gewässernähe, besonders Flüsse
  • Wirtsfindung: über Kohlenstoffdioxid, lassen nicht vom Wirt ab bzw. sehr lästig
  • Blutsaugen: Stich an schwach behaarten Hautpartien, Poolsauger, d.h. reißen mit Mundwerkzeugen eine kleine Wunde auf, geben Speichel zur Blutgerinnung ab, und trinken mit Saugrüssel einige Minuten lang das unter der Haut ausgetretene Blut (Weibchen)
  • sofortige Symptome: schmerzhafter Stich, Nachbluten der Wunde, Blutergüsse, rote Stichquaddel
  • übertragbare Krankheiten:
    • 1. Flussblindheit (Onchozerkose)
      • durch Fadenwürmer Onchocerca volvulus im tropischen Afrika und Amerika
      • Mücken nehmen Mikrofilarien auf, aus denen Wurmlarven entstehen, welche sie dann mit dem Stich weitergeben, woraus sich nach ca. 10 Monaten im Wirt Würmer entwickeln, die dann wieder Mikrofilarien erzeugen, welche dann im Bindegewebe oder den Augen leben, während die Würmer bis zu 17 Jahre lang als Knäuel in der Unterhaut leben
      • trotz großflächiger Bekämpfung der Kriebelmücke mit Insektiziden gibt es weiterhin weltweit ca. 30 Mio Infizierte von denen 10% unheilbar erblinden durch Entzündungen abgestorbener Würmer
      • Therapie durch Ivermectin (tötet Mikrofilarien), Suramin (tötet Würmer) und Doxycylin (sterilisiert Weibchen)
    • 2. black fly fever mit grippeähnlichen Symptomen
    • 3. Bei Weidevieh:
      • Rachen- und Atemwegsentzündungen
      • Simuliotoxikose (Speichelüberempfindlichkeit)
      • Toxämie (Blutvergiftung) mit Todesfolge
      • Schäden durch unkontrollierte Flucht aus Panik

5.c) Gnitzen

  • Biologie: Größe 1-4mm
  • Blutsaugen: Stechrüssel (Weibchen) dringt mit Kopf tief in die Wunde ein
  • übertragbare Krankheiten:
    • 1. Blauzungenkrankheit bei Wiederkäuern (meist Schaf und Ziege, selten Rind) durch nahezu weltweites Blauzungenvirus führt zu Schleimhauterosionen- und Geschwüren, Atembeschwerden und Ausfluss, Klauen- und Skelettmuskelentzündungen sowie Missgeburten tragender Tiere.
    • 2. Akabane-Virus bei Rindern, Ziegen, Schafen in Afrika, Mittlerer Osten, Südasien, Japan, Korea, Australien führt zu milden fiebrigen Erkrankungen aber auch Fehlgeburten.
    • 3. Schmallenberg-Virus bei Wiederkäuern in Mitteleuropa führt zu Fieber, Durchfall, Geburtsfehlern und Totgeburten.
    • 4. Afrikanische Pferdepest bei Pferden, Eseln und Zebras, aber auch bei Hunden, Ziegen und Elefanten durch Afrikanisches Pferdepestvirus in Afrika südlich der Sahara, 4 klassische Formen darunter zwei schwere: perakute (Husten, Atemnot, 95% Sterblichkeit), subakute (50% Sterblichkeit durch Herzversagen innerhalb der ersten Woche), Impfung möglich
    • Fadenwürmer

5.d) Sandmücken

  • Biologie: Größe 2-4mm, Farbe gelbbraun, behaart, Lebensdauer bis zu 40 Tage
  • Fortpflanzung: Blutmahlzeit der Weibchen nicht zwingend zur Vermehrung notwendig, Eiablage an feuchten dunklen Plätzen, Larvenentwicklung im Sand
  • Verbreitung: weltweit außer Nordeuropa
  • Blutsaugen: Poolsauger
  • sofortige Symptome: nach Stich Juckreiz und Hautrötung in Form eines roten Ringes
  • übertragbare Krankheiten:
    • 1. Leishmaniose
      • durch Protozoen der Gattung Leishmania in Tropen und Subtropen
      • jährlich ca. 1 Mio menschliche Infektionen Tendenz steigend
      • innere (viszerale) mit Befall der inneren Organe, sehr lange Inkubationszeit, ohne Therapie 95% Sterblichkeit, Therapeutikum Miltefosin
      • Hautleishmaniose (kutane) mit Knötchen, Pappeln und Geschwüren, Therapeutikum zusätzlich auch Paromomycin
      • Schleimhautleishmaniose (mukokutane)
      • bei Hunden, aber auch Katzen Nager, Rinder Pferde, besonders im Mittelmeerraum (z.B. Norditalien 50%, Süditalien 80%) führt zu Schädigungen an Leber, Niere, Milz, Darm, Augen, Haut (Haarverlust, Schuppenbildung, Knötchen, Pusteln, Geschwüre), Knochen (Mark, Gelenke, Muskeln), Therapie lindert Symptome, Impfung möglich.
    • 2. Pappatacifieber bzw. Sandmückenfieber
      • durch Viren der Familie Bunyaviridae
      • Mittelmeerraum, Orient und Südasien
      • führt nach 3-5 Tagen und für einen ähnlichen Zeitraum zu hohem Fieber, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, starken Kopf- und Augenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen mit Steifheitsgefühl in den Beinen, sowie auch Meningitis
      • kein Impfstoff, nur symptomatische Therapie möglich
    • 3. Oroya-Fieber bzw. Peru-Fieber
      • durch Bakterium Bartonella bacilliformis in Südamerika oberhalb 800m
      • nach 2-3 Wochen Lymphknotenschwellungen und Hämolyse (Zerstörung der roten Blutkörperchen), sowie große mit Blut gefüllte „Peru-Warzen“
      • ohne Behandlung mit Antibiotikum meist tödlich

6. Zecken

  • Systematik: Häutungstiere (Überstamm), Gliederfüßler (Stamm), Kieferklauenträger (Unterstamm), Spinnentiere (Klasse), Milben (Unterklasse), Parasitformes (Überordnung), Zecken (Ordnung), 3 Familien mit ca. 900 Zeckenarten:
    • Familie Lederzecken (Argasidae) hat ca. 190 Arten
      • z.B. Taubenzecke, Ohrenzecke
    • Familie Schildzecken (Ixodidae) mit 14 Gattungen hat ca. 700 Arten
      • z.B. Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus), Hirschzecke (Ixodes scapularis), Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), Schafzecke (Dermacentor marginatus)
    • Dritte Familie ist eine Übergangsform zwischen den beiden anderen, und hat nur eine Art, die relativ selten in Trockengebieten von Süd- und Südwestafrika lebt: Nuttalliellia namaqua
  • Biologie: Larve mit 6 Beinen 0,5mm groß, Nymphe mit 8 Beinen 1mm, ausgewachsene Zecke bis 4mm bzw. 14mm vollgesaugt, Alter 1-5 Jahre (Ixodida)
  • Fortpflanzung:
    • Schildzecken: Eiablage nach Beendigung der Blutmahlzeit (bis zu 20.000 Eier), danach stirbt das Weibchen, Männchen stirbt bereits nach Paarung
    • Lederzecken: mehrere Blutmahlzeiten, danach jeweils weniger Eier, Wartezeit bis zur nächsten Blutmahlzeit mehrere Jahre
  • Verbreitung: weltweit
  • Aufkommen: tagaktiv, Wälder und Wiesen, vor allem an leicht feuchtem Gras und Buschvegetation, weniger bei trockener Hitze
  • Wirtsfindung: Haller-Organ am ersten Beipaar erkennt Kohlendioxid und Amminosäuren im Atem und Schweiß der Opfer, Lauerer (w.z.B. Gemeiner Holzbock) warten an Grashalm und halten sich an vorbeistreifendem Wirt fest, Jäger (w.z.B. Braune Hundezecke) suchen mit 5-8m pro Stunde aktiv nach Wirtsorganismen
  • Blutsaugen:
    • Bevorzugung von warmen, leicht feuchten, gut durchbluteten dünnen Hautstellen (z.B. Kniekehle, Leistenbeuge, Nacken)
    • Kieferklauen ritzen die Haut auf, Stachel wird in der Wunde verankert, Speichelsekret wird abgegeben, Blut wird gesaugt (Poolsauger), Nahrungsreste werden in regelmäßigen Abständen in den Wirt gespuckt
    • ggf. Übertragung des FSME-Virus durch den Speichel sofort mit dem Biss
    • ggf. Übertragung von Borrelien aus dem Verdauungstrakt erst 6-12 Stunden nach dem Biss (außer Borrelia duttoni bereits im Speichel)
    • Dauer Saugvorgang Schildzecken mehrere Tage (Männchen bis Wochen (Weibchen), bei Lederzecken nur 30-60 Minuten
    • Gewichtszunahme vollgesaugt um das bis zu 200fache
  • sofortige Symptome: Stich selbst nicht spürbar, Bissstelle im Laufe des Blutsaugens mit Rötung
  • Entfernung der Zecke: mit Pinzette (am besten zwei), Zeckenkarte- oder Haken (ähnlich Nageleisen), Zeckenschlinge, kein Öl oder Klebstoff verwenden, nicht drehen, Wunde desinfizieren, Zecke möglichst aufheben
  • Feinde: Vögel, Erzwespen, Fadenwürmer, Pilze
  • übertragbare Krankheiten durch alle Lederzeckenarten sowie Schildzecken der Gattung Rhipicephalus:
    • 1. Zeckenrückfallfieber (Zoonose)
      • durch Bakterium Borrelia duttoni
      • führt nach 1-14 Tagen zu einem knapp einwöchigen hohem Fieber, Gelenk-, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen, Übelkeit und teilweise Atemnot, Blutungsneigung, Bewusstseinsstörungen, Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gelbfärbung der Haut (Ikterus), dann sind bis zu 11 Wiederholungen von Fieberschüben möglich
      • Letalität stationär behandelt mit Antibiotika 1-5%, unbehandelt 20% (Vergleich Läuserückfallfieber: 50%)
      • Impfung nicht vorhanden
  • übertragbare Krankheiten durch Schildzecken
  • 2. Tularämie→ siehe 5.b) Bremsen
  • 3. Lyme-Borreliose
    • durch Bakterium Borrelia burgdorferi u.Ä.
    • Verbreitung auf der gesamten Nordhalbkugel
    • überwiegend durch Zecken (meist Gemeiner Holzbock) aber auch Mücken und Bremsen (siehe oben)
    • 5-35% der Zecken in Deutschland mit Befall (Nord-Süd-Gefälle), Infektion bei 1-5%, Erkrankung bei 0,5-1,5%
    • nach Biss Wanderröte in Ringform als Symptom möglich aber nicht zwingend
    • grippeähnliche Symptome mit Muskel- und Gelenkschmerzen (nicht zu verwechseln mit Multipler Sklerose oder Chronic-Fatique-Syndrom) führen unbehandelt zu chronischen Erkrankungen der Gelenke, Sinnesorgane, Nervensystem, Herz und anderer Organe
    • bei eindeutiger Diagnose rechtzeitige und langfristige Therapie mit Antibiotika möglich aber schwierig und sehr umstritten
    • keine Immunisierung möglich
  • 4. Frühsommer-Meningenzephalitis FSME
    • durch Flavivirus in ganze Europa (vor allem Ost- und Südosteuropa) und bei praktisch bei allen Zeckenarten das ganze Jahr über möglich (auch durch infizierte nicht-pasteurisierte Rohmilch)
    • in Deutschland sind 0,1-5% Zecken infiziert, jährlich ca. 500 Fälle von Erkrankungen (0,001%)
    • keine Medikamente gegen FSME nur Medikation der Symptome möglich
    • Impfung laut Robert-Koch-Institut nur in FSME-Risikogebieten empfehlenswert (Impfstoff seit 90er Jahren erhältlich)
    • Infizierte: bei 10-30% nach 2-20 Tagen grippeähnliche Symptomen, bei 70% zweiter Fiebergipfel nach einer Woche sowie Kopfschmerzen und Erbrechen
    • Erkrankte: bei 50% folgt eine Meningitis (Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute), bei 40% eine Meningoenzephalitis (zusätzliche Gehirnentzündung) mit schweren Bewusstseinsstörungen und Lähmungen bis hin zur Atemlähmung, bei 10% kommt es zu einer Myelitis (Entzündung des Rücken- und Knochenmarks) oft zusammen mit einer Hirnstammenzephalitis
    • bei schweren Krankheitsverläufen erholen sich nur 20% vollständig, 50% behielten bleibende neurologische Funktionsstörungen, 30% starben innerhalb der nächsten 10 Jahre
  • 5. Q-Fieber (Zoonose)
    • durch Bakterium Coxiella burnetii
    • kontaminierter Kot der Auwaldzecke (Inhalation)
    • Hauptwirt Schaf (auch Wolle, Milch, Fleisch)
    • führt zu grippeähnlichen Symptomen, aber auch Lungenentzündung mit Atemnot, Leberentzündung, Hirnhautentzündung und Herzentzündung
    • Letalität bei Behandlung 10%
    • in Deutschland ca. 100 Fälle jährlich
    • Impfung möglich, speziell für Tierärzte, Schlachthofpersonal und Labormitarbeiter
    • potentielle Biowaffe in Russland und USA
  • 6. Rickettsiosen
    • durch weltweite Bakterien der Gattung Rickettsia
    • führt zu Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag
      • Fleckfieber durch Rickettsia prowazeki, Latalität unbehandelt 40%
      • Rocky-Mountain-Fleckfieber durch Rickettsia rickettsii, Letalität behandelt 5%
      • Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber) durch Rickettsia conorii
      • Rickettsiennpocken durch Rickettsia akari
      • Wolhynisches Fieber (Schützengrabenfieber) durch Bartonella quintana
  • 7. Humane granulozytäre Anaplasmose
    • durch Bakterium Anaplasma phagocytophilum
    • zu 70% asymptomatisch, bei Symptomen wie Multiorganversagen, Meningoenzephalitis und Atemnotsyndrom liegt die Letalität bei 3%
    • auch bei Hunden, Katzen, Pferden, Wiederkäuern
  • 8. Babesiose durch weltweite Protozoen der Gattung Babesia (Blutparasiten) führt zu Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen) sowie Nieren- und Lungenversagen (auch bei Hunden, Mäusen, Pferden, Rindern, u.v.a.)
  • 9. Zeckenparalyse durch Nervengift, welches nach 5-7Tagen der Saugtätigkeit gebildet wird, führt durch Lähmung der Atemmuskulatur zum Tod (sehr selten)

7. Prophylaxe

Allgemein vorbeugende Maßnahmen bei stechenden Parasiten:

  • lange, helle, und möglichst dichte Kleidung tragen (→ „Zebra“)
  • Hosen und Ärmelsäume nach Möglichkeit eng anliegend verschließen
  • festes und ausreichend hohes Schuhwerk tragen
  • Hut mit breiter Krempe und Mückennetz sowie Handschuhe
  • in Unterkünften und Fahrzeugen feinmaschige Moskitonetze und Schutzgitter verwenden (ggf. mit Insektiziden imprägnierte)
  • vorhandene Klimaanlagen bzw. Luftgebläse einschalten
  • Mückenschutzmittel bzw. Repellent gebrauchen
    • synthetische: Diethyltoluamid = DEET, Icaridin (keine Biozid-Verdampfer!)
    • natürliche: ätherische Öle u.Ä. mit nur kurzer Wirkdauer, sowie teilweise auch nur artspezifischer Wirkung, und zudem hohem Allergie-Risiko
    • vor allem auch Kleidung imprägnieren
  • Waschen um unnötige Körpergerüche zu vermeiden
  • riechende Kleidung (z.B. Socken) zur Ablenkung weiter weg aufhängen
  • duftende Pflanzen als natürliche Schutzbarriere z.B. auf dem Balkon: Lavendel, Thymian, Basilikum, Katzenminze, Tomaten
  • stehende Wasseransammlungen vermeiden (Regentonnen, Autoreifen, Grabvasen, etc.) und Teiche mit Fressfeinden bestücken (Fische, Schwimm- und Wasserkäfer)
  • Regionen mit Erregervorkommen (z.B. Tropenurlaube) komplett meiden
  • bei Notwendigkeit und Abwägung der Verhältnisse Immunisierung mit erhältlichen Schutzimpfungen
  • gründliches Absuchen von Kleidung und Körper nach jedem Aufenthalt in der Natur
  • Einstich- oder Bissstelle SOFORT mit Hitze behandeln (Stichheiler, heißer Löffel) und desinfizieren, um injizierte Eiweiße im Speichel (Juckreizauslösend) sowie ggf. auch Bakterien abzutöten
  • stechenden/beißenden Parasiten für eventuell spätere Untersuchungen auf Krankheitsüberträger nach Möglichkeit sicher aufbewahren

8. Schlusswort

  • Fäkalbakterien wie Streptokokken oder Kolibakterien am Stechapparat von Fliegen, Mücken und Zecken z.B. von landwirtschaftlichen Dung- und Gülleabfällen, als auch hauteigenen Bakterien (z.B. durch Aufkratzen einer Wunde) können sowohl Lymphödeme als auch eine tödliche Blutvergiftung auslösen.
  • Schistosomiasis (Billharziose) durch einen Saugwurm im Süßwasser (und Süßwasserschnecken) ist neben Malaria die zweithäufigste Tropenkrankheit.
  • Eine Parasitose durch Würmer im Boden (Spulwurm, Peitschenwurm, Hakenwurm, Darmwurm) betrifft weltweit ca. 1 Milliarde Menschen.
  • Die gefährlichsten Krankheiten zählen mitunter zu den „Big Five“ der vernachlässigten Tropenkrankheiten, und betreffen vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen. Für die Pharmaindustrie ist eine entsprechende Arzneimittelforschung nicht attraktiv, weil es schlichtweg an kaufkräftiger Kundschaft fehlt. Dabei steht der Pharmaindustrie sehr viel Wissen über wirksame natürliche Verbindungen zur Verfügung. Erkrankungen in Entwicklungsländern verhindern eine sozio-ökonomische Entwicklung, und führen zu massiven volkswirtschaftlichen Schäden, ausbleibenden Investitionen und fehlenden Touristen; das Land hat keine Chance seine Lage zu verbessern.
  • Durch weltweiten Handel und Reiseverkehr (Globalisierung), sowie durch zunehmende Erwärmung erreichen jedoch immer mehr Krankheiten auch führende Industrieländer der Nordhalbkugel. Sind reiche Menschen und deren Wirtschaft akut bedroht, kümmert man sich kurzfristig um Behandlungsmethoden. Als überstürzte Notmaßnahme sind diese jedoch teilweise unausgereift, weil nicht rechtzeitig und langfristig erprobt.
  • Parasiten dezimieren dicht aufeinander lebende dominante Arten, verhindern damit dass eine bestimmte Art überhandnimmt, und schaffen somit Raum für andere Arten bzw. halten die Artenvielfalt aufrecht (→wachsende Weltbevölkerung) . Die Bezeichnung Schädling für einen Parasit ist ganzheitlich gesehen also nicht ganz korrekt. Wirte und Parasiten leben in einer engen Wechselbeziehung, und entwickeln sich ständig miteinander weiter; dies ist ein Merkmal der Evolution.
  • Ein ständiger Kontakt mit Erregern ist wichtig für das Immunsystem, denn vor allem so können regelmäßig Antikörper gebildet werden (→„Sommergrippe“). Auch wenn schwer fällt, dies zu akzeptieren, trainieren Parasiten unsere Abwehrkräfte. Im Gegensatz dazu führen übertriebene Hygiene, ausbleibender Kontakt mit Tieren und Pflanzen, sowie viele vermeintliche Annehmlichkeiten unserer modernen Gesellschaft zur Zunahme von Autoimmunkrankheiten und Allergien.

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