Firestarter – Feuerstähle


Autor: Dominik

Feuerstähle dienen dem Anzünden eines Feuers; jedoch bedarf es für eine Flamme deutlich mehr, als nur ein paar schöne Funken.

1. Feuer

Feuer ist, unter der Abgabe von Wärme und Licht, die sichtbare Erscheinung einer Verbrennung. Dazu braucht es einen brennbaren Stoff, (Luft)Sauerstoff, eine Mindesttemperatur, sowie das entsprechend richtige Mengenverhältnis von brennbarem Stoff zum Sauerstoff. Chemisch gesehen ist Feuer eine exotherme Oxidationsreaktion mit Flammenerscheinung.

Durch Feuer konnte der Mensch Nahrung besser verdaulich (kochen) und länger haltbar (räuchern), sowie die Belastung durch krankmachende Parasiten, Bakterien und Viren verringern. Zugleich bot es Wärme, Licht und Schutz und vor Tieren. Später ermöglichte Feuer die Härtung von Holz und Stein, sowie Ton und Lehm (Keramik), als auch die Schmelze von Erzen.

2. Feuerstahl

Als Bestandteil des sogenannten Schlagfeuerzeugs (auch Schlag- oder Feuereisen) wurde früher Feuer mittels sprödem Feuerstein erzeugt, d.h. durch Funkenschlagen aus geeigneten Metallen bzw. Eisenlegierungen (z.B. Pyrit). Moderne Feuerstähle bestehen aus Auermetall III, einer Legierung aus Eisen, Cerium (Cer) und anderen Metallen der Seltenen Erden (17 Elemente der 3.Nebengruppe des Periodensystems), bzw. grundsätzlich aus kohlenstoffreichen (ca. 0,7–1,4 % C) Stählen.

3. Prinzip

Durch das Schaben an der Oberfläche eines Zündsteines (z.B. mit einem harten scharfen Gegenstand oder auch dem Zündrädchen in einem Feuerzeug) entstehen kleine Splitter, welche durch die Reibungsenergie erhitzt werden, und mit dem Luftsauerstoff reagieren. Diese heißen Funken erreichen hohen Temperaturen, und können entflammbare Stoffe in Brand setzen. Die Funken selbst verursachen jedoch selten direkt ein Feuer, vielmehr braucht es dazu vor allem leicht brennbaren Zunder (z.B. ein Zellstofftaschentuch) und viel, durch Pusten, separat hinzugefügten Sauerstoff.

4. Arten von Feuerstählen

Es gibt eine ganze Menge an verschiedenen, als leider auch relativ unsinnigen Feuerstählen. Gemein ist ihnen allen die Tatsache, dass sie sich früher (z.B. durch Defekt) oder später (z.B. durch Korrosion) abnutzen bzw. unbrauchbar werden.

Wildo Sweden Fire Flash

Der nutzbare Teil dieses klassischen Feuerstahls beträgt 65 x 9 mm, der Griff kann gerade noch gut zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden. Dieses Modell entspricht der gängigen Größe, welche oft auch in Messerscheiden getragen wird.

Wildo Sweden Fire Flash
Wildo Sweden Fire Flash

Outdoor Ninja The Legend XXXL

Der mit über 30€ teuerste, und zugleich auch größte Feuerstahl überhaupt. Mit 323 Gramm genau so schwer wie ein mittelgroßes Messer, und mit 23 cm auch viel zu groß, um ihn permanent mit dabei zu führen. Der Holzgriff liegt angenehm und füllig in der Hand, und der 137 x 19mm große XXXL-Feuerstahl reicht vermutlich ein Leben lang. Aber was nützt dies, wenn man ihn aufgrund von Gewicht und Größe selten dabei hat?

Outdoor Ninja The Legend XXXL
Outdoor Ninja The Legend XXXL
Outdoor Ninja The Legend XXXL

Dieses Monster ist eher etwas für übermäßiges Üben (z.B. in Survival-Lehrgängen), als für den sinnvollen “Privatgebrauch”. Im Vergleich dazu einem handelsüblichen Feuerstahl, welchen man 10 cm Länge noch in eine Hosentasche stecken kann.

Outdoor Ninja The Legend XXXL
Outdoor Ninja The Legend XXXL
Outdoor Ninja The Legend XXXL

UST Sparkforce

Dieser Firestarter von Ultimative Survival Technology (Columbia, Montana) ist extrem kompakt; Maße zusammengesteckt: 79 x 20 x 11 mm. Die Idee, Feuerstahl und Streichmetall ineinander zu schieben, ist an sich nicht verkehrt, jedoch ist der Feuerstahl mit nur 4cm Länge dermaßen kurz (und zudem auch gefährlich dünn), dass nur sehr wenige und kleine Funken zustande kommen. Praktisch gesehen finde ich dieses Set praxis-untauglich. Das ähnliche Modell StrikeForce ist etwas größer, und könnte somit sinnvoller sein.

UST Sparkforce
UST Sparkforce
UST Sparkforce

UST BlastMatch

Das Blastmatch vom selben Hersteller funktionierte anfangs sehr gut; er sollte für bis zu 4000 Abriebe reichen. Im Verschlossenen Gehäuse verbirgt sich hinter einer umstülpbaren Kappe ein drehbarer Feuerstahl, welcher federgelagert automatisch ausfährt.

UST BlastMatch
UST BlastMatch
UST BlastMatch

Zur Funkenerzeugung drückt man mit dem Daumen den scharfen Schaber auf der Feuerstahl und drückt diesen dabei auf den Zunder nach unten. Dieser Vorgang ist sehr effektiv, da alle Funken direkt und auf kurzem Wege dort hin gelangen, wo man sie hin haben möchte; man muss also nicht zielen. Allerdings währte die Freude nicht besonders lange, der Feuerstahl gammelte erst im Gehäuse fest, war dann nicht mehr drehbar, die Feder versagte immer wieder, und letztendlich löste er sich aus seiner Verankerung.

UST BlastMatch
UST BlastMatch
UST BlastMatch

Sparking Insert Magnesium

Dieser Feuerstahl liefert gleich seinen eigenen Zunder mit. Mit Hilfe eines scharfkantigen Gegenstands reibt man möglichst viele Magnesiumspäne ab, und entzündet diese mit dem am Magnesium integrierten Feuerstahl. Vorteil des Magnesiums: es brennt auch bei Nässe, Nachteil: die Späne sind extrem leicht und können schnell vom Wind verblasen werden.

Sparking Insert Magnesium
Sparking Insert Magnesium
Sparking Insert Magnesium

Anhand des nur kleinen Feuerstahls (75 x 4 mm) erkennt man schon, dass dieser vermutlich nur solange halten soll, bis das Magnesium abgerieben ist. Man kann hier ruhig ordentlich Magnesium runter reiben, damit man am Ende nicht ein unnutzbares Stück viel zu kleinen Feuerstahl übrig hat. Das ganze ist also mehr eine zusätzliche Zunderhilfe als nur ein Feuerstahl.

Sparking Insert Magnesium
Sparking Insert Magnesium
Sparking Insert Magnesium

5. Nutzung

Grundsätzlich muss der Umgang mit dem Feuerstahl erlernt bzw. mit diesem geübt werden, denn zur Nutzung bedarf es u.A. auch einer sehr guten Vorbereitung des Zunders. Ein Funke macht noch längst keine Flamme, im besten Fall allerhöchstens etwas Glut, welche dann noch zu einer Flamme aufgebaut werden muss. Je nach Material, Umgebung und Witterung kann dies ein sehr mühsamer Prozess sein, weshalb ich den Feuerstahl nicht als klassische bzw. routinemäßige Anzündhilfe empfehlen würde. Natürlich kann der Mechanismus eines Feuerzeugs kaputt gehen, aber wie oft passiert dies denn tatsächlich? Zudem kosten selbst mehrere Feuerzeuge zusammen weniger als der billigste Feuerstahl; und hier hat man bereits eine “fertige” Flamme, die nicht erst mühsam erzeugt werden muss. Gerade unter schwierigen Bedingungen oder wenn es schnell gehen muss, macht ein Feuerzeug deutlich mehr Sinn als ein Feuerstahl.

Von der Nutzung des Feuerstahls zusammen mit einem Messer rate ich ausdrücklich ab. Einmal muss der Klingenrücken dazu relativ scharf bzw. eckig angeschliffen werden (was anderen Nutzungen kontrovers gegenüber steht), und dann kommt es durch den Kontakt des Stahls mit dem Eisen zu unnötiger Korrosion am Messer. Gerade bei teuren Messern und/oder korrosionsempfindlichen Klingenstählen kann durch einen Feuerstahl ein großer Schaden am Messer entstehen. Mit so gut wie keinem vernünftigen Messer lassen sich brauchbare Funken von einem Feuerstahl reiben – und das ist auch nicht nötig.

6. Positives

  • keine Mechanik, die versagen könnte
  • modellabhänig mehr oder weniger zuverlässige Funken
  • urtümliche bzw. abenteuerliche Arbeitsweise

7. Negatives

  • relativ schwieriges Entfachen eines Feuers
  • setzt Kenntnis und Übung voraus
  • weder kompakter, noch leichter oder preiswerter als ein Feuerzeug
  • ja nach Modell relativ teuer und teilweise auch unpraktisch

8. Fazit

Allein der Feuerstahl entfacht noch lange kein Feuer; sein Umgang setzt Können, eine gute Vorbereitung, und manchmal auch viel Geduld voraus.

9. Ähnliche Produkte

folgt

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