Geschichte und Herkunft


Autor: Dominik

1. Spekulationen

Im 17.Jahrhundert begann man aktiv das Verhalten des Vorstehhundes zu nutzen, d.h. das Anzeigen des Wildes durch Stehenbleiben; Beispiele waren der englische Pointer und die französische Bracke. Diese Rassen wurden ausschließlich für die Jagd vor dem Schuss eingesetzt. Die Deutschen züchteten, mit dem Ziel, einen Hund für alle anfallenden Tätigkeiten im Jagdbetrieb zu haben, er sollte Vorstehen, Verweisen, Nachsuchen, Niederziehen und Apportieren. Als Ursprung dieser Züchtung gilt der Deutsche Vorstehhund, aus welchem im 19.Jahrhundert vielfältige Formen in diversen Farbvarianten und Fellformen hervorgingen. Hier beginnt die Geschichte des Weimaraners…und damit gleichzeitig auch die Mythen, Legenden und Geschichten, welche auch heute immer wieder zu heißblütigen Spekulationen über die Herkunft des Weimaraners führen. In der Literatur sind vor allem vier Theorien nachzulesen:

2. Die grauen Hunde des heiligen Ludwig

Im Mittelalter existierten in Arabien die sogenannten tartarischen Hunde; grau-blau-melierte, d.h. dunkel- sowie silbergraue, anhängliche, arbeitsfreudige Jagdhunde. König Ludwig IX. (1214-1270) gelangte wohl auf einem seiner Kreuzzüge in arabische Gefangenschaft, lernte dort diese Hunde kennen und brachte um 1254, als großer Hundeliebhaber der er nachweislich war, einige von Ihnen zur Zucht mit nach Frankreich. Diese „Chien Gris“ wurden  bis in das 17.Jahrhundert aktiv gezüchtet.

3. Benediktiner-Bracken

Im 10.Jahrhundert züchteten Benediktinermönche in den Ardennen die St.-Hubertus-Bracken, eine spezielle Leithunderasse. Ein Leithund, welcher als edelster Jagdhund galt, und im Gegensatz zu den anderen Jagdgebrauchshunden ein sehr freundliches Miteinander mit dem Menschen genoss; er zeigte verborgenes Wild an und war damit die Stütze des Jägers zum jagdlichen Erfolg. Solche Leithunde sollen dann mit Vorstehhunden gekreuzt wurden sein, später auch mit Doggen und Bracken, es entstanden die altdeutschen Vorstehhunde, die angeblichen Vorfahren der Weimaraner.

4. Carl-August-Hunde

Von dieser Geschichte gibt es gleich drei Varianten: A) Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757-1828) hat auf einer seiner Badereisen in Böhmen bei Fürst Esterhazy und Fürst Auersperg sog. graue Hühnerhunde kennengelernt und aufgrund ihrer Stärke, Mut und Ausdauer mit nach Weimar gebracht. Varinate B) Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar lernte 1792 zusammen mit Goethe auf einer Jagd in Frankreich die weimaranerfarbenen Vorstehhunde kennen und nahm sie mit nach Weimar. Und Varinate C) Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar habe eine aus England stammende weiß-gelbe Pointerhündin von einem braunen deutschen Vorstehhund belegen lassen, woraus verschiedentönige silbergraue entstanden seien, welche wiederrum mit grauen Hunden ihres Typs weiterverpaart wurden. In kommenden Würfen wurden ausschließlich silber- bis mausgraue Welpen geduldet, alle andersfarbigen wurden beseitigt. Großherzog Carl August´s Hunde wurden als sehr kräftig gebaute, kurz- und glatthaarige Hühnerhunde mit weißer Grundfarbe und großen semmelblonden Flecken beschrieben, welche für die damalige Zeit eine erstaunliche Vielseitigkeit bei Jagd aufwiesen.

5. Weimaraner-Gemälde

Laut Malereien soll es bereits im 17.Jh. graue Vorfahren gegeben haben, nennenswert sind hier zwei Werke: Jean-Baptiste Oudry´s (1686-1755) Gemälde „Der vorstehende Hund“ (um 1750) sowie Anthonis van Dyck´s (1599-1641) Portrait von Carlos Emanuele D´Este (Marchese di Borgomanero, 1622-1695) von 1635 zeigen weiß bis silberne und graumelierte Jagdhunde.

6. Fazit

In der Kynologie, d.h. der wissenschaftlichen Lehre von Hunden gibt es derart viele Spekulationen über die Herkunft des Weimaraners, dass es unmöglich scheint, zweifelsfrei eine faktenbasierte Wahrheit nachzuweisen. Sicher ist nur, dass man den Weimaraner, seit wann es ihn auch immer geben mag, damals für dieselben Eigenschaften lobte, wie man es auch heute tut: seine edle Erscheinung, hohe Intelligenz und die vielseitige Gebrauchsfähigkeit. Letzteres wird vor allem der Jagd zugeschrieben, aber vor allem Nicht-Jäger wissen, dass ein Weimaraner zu sehr viel mehr zu gebrauchen ist, als „nur“ für die Jagd.

Weimaraner Jagd
Typische Ansitzjagd in deutscher Kulturlandschaft
Weimaraner Jagd