Mountainbike Technik-Themen


Table Of Contents

1. Rahmen: Hardtail vs. Fully

Ein Hardtail (“harter hinterer Teil”) besitzt im Gegensatz zum Fully (Full Suspension = vollgefedert”) keinen gefederten Hinterbau, sondern nur eine Federgabel vorn; der Rahmen aus Aluminium oder Carbon besitzt eine hohe Steifigkeit, zudem wirkt es einfach auch schlichter (damit nicht selten schöner). Das Hardtail besitzt ein geringeres Gewicht (ca. 8-13 kg) und weniger wartungsbedürftige bewegliche Teile, ist damit günstiger in der Herstellung. Beim Fully sorgt die Hinterbaufederung durch mehr Traktion für ein sicheres Fahrverhalten; dies wird jedoch auch teurer und mit höherem wartungsaufwand erkauft. Fullys haben den Markt erobert, nach wie vor entscheidet jedoch immer noch der bevorzugte Anwendungszweck (und nicht zuletzt das Budget) über die gewünschte MTB-Bauart.

 FullyHardtail
Einsatz:Downhill, Freeride, Enduro, All-Mountain, Crosscountry, Tour, RaceTour, Crosscountry, Race, Alltag
Federung:in rauhem Gelände sichert die Federung den Bodenkontakt, sowohl Down- als auch UphillDer ungefederte Hinterbau wird in rauhem Gelände aus der Spur gehoben
Fahrspaß:gewagtere Manöver und Sprünge sind möglich, der Spassfaktor steigteindeutige Sprintvorteile auf Asphalt und Schotter
Komfort:entspannteres Sitzen, längere Strecken sind möglichder Fahrer wird mehr gefordert; da er häufig aus dem Sattel steht, werden die Beine mehr beansprucht
Wartung:regelmäßiges ölen und fetten der Gleitlager bzw. Austausch der Lageranspruchslos, keine Dämpfer- oder Lagerwartung notwendig, servicefreundlich
Sicherheit:das Rad mit Fahrwerk verzeiht mehr Fahrfehlerdamit der Hinterbau nicht bockig umhertanzt ist ein gekonnter Fahrstil notwendig
Gewicht:Federungs- und Dämpferlemente sorgen in Verbindung mit Rahmen für ein Mehrgewicht von ca. 2kgeinfachere Rahmenkonstruktionen sorgen für ein deutlich geringeres Gesamtgewicht
Vorteile:mehr Kontrolle und Stabilität, bessere Traktion, höhere Geschwindigkeit auf unebenem Terrainniedrigeres Gewicht, niedriger Preis, geringer Wartungs- und Pflegeaufwand
Nachteile:höheres Gewicht, höherer Preis, höherer Wartungs- und Pflegeaufwandweniger Kontolle und Stabilität, geringere Traktion, geringere Geschwindkeit auf unebenem Terrain

2. Werkstoffe

 CarbonTitanAluminium (Legierungen)Stahl
MaterialartKohlenfaserverstärkter Kunststoff (CFK)ÜbergangsmetallLeichtmetall-LegierungEisen-Kohlenstoff-Legierung
Eigenschaften
leicht, steifmittelmäßig hart, korrosionsbeständig, festweich, zäh, unedel, unmagnetisch und nach Magnesium das leichteste Metallfest (aber relativ weich), hart, schwer
Dichte in g/cm³1,54,52,77,8
Moshärte6,02,756-8
Bruchdehnung in %1,5 (Kohlenfaser)202550
Zugfestigkeit in N/mm²300-700300-1200700200-1200

2. MTB-Reifen

Für jeden Anwendungszweck und jedes Terrain gibt es den passenden Reifen. Wer spezielle Vorlieben hat, fährt die dafür benötigten Reifen, andere sind mit sogenannten Allroundern zufrieden.

MTB Reifen
MTB Reifen
Continental MTB Reifen
Continental
Maxxis MTB Reifen
Maxxis
MTB Reifen XC vs. Enduro
CrossCountry (oben) vs. Enduro (unten)
MTB Reifen Downhill vs. XC
Downhill (links) vs. SemiSlick (rechts)

3. Verhältnis Felgen- und Reifenbreite

Da die Reifenwand in einer breiteren Felge mehr seitliches Volumen einnehmen kann, nimmt die Profilstollenbreite, d.h. die Schrägstellung der seitlichen Stollen ab; die Lauffläche steht waagerechter bzw. breiter auf dem Untergrund. Eine breite Felge bietet also mehr Traktion, der Reifen wird ideal genutzt, der Grenzbereich erhöht, sie Sicherheit nimmt zu. Man kann dies auch an einem gleichmäßigeren Profilverschleiß erkennen, d.h. neben den mittleren werde auch die seitlichen Stollen entsprechend abgenutzt. Jedoch muss mit einer breiteren Aufstandsfläche in einer breiteren Felge nicht zwingend die Gesamthöhe (Felge+Reifen) abnehmen, sie kann sogar zunehmen.

4. Speichennippel – Alu vs. Messing

Über die Haltbarkeit von bewährten Messingnippeln muss nicht diskutiert werden, einziges Argument für Alunippel ist deren geringeres Gewicht. 64 Alunippel je 12mm Länge wiegen im Schnitt 20g, damit spart man im Vergleich zu Messing ungefähr 50g. Das ist jedoch schon der einzige Vorteil, die Nachteile von Alunippeln überwiegen: Aufgrund der elektrochemischen Spannungsreihe verbeist sich der Alunippel regelrecht in der Stahlspeiche, hier muss nicht nur beim Laufradbau ordentlich geölt werden. Korrosion durch Umwelteinflüsse (nicht nur Streusalz im Winter, sondern auch Luft- und Bodenverschmutzung sowie Süß- und Salzwasser) setzt den Alunippeln wesentlich mehr zu, als ihrem Messing-Pendant. Alunippel müssen gepflegt werden, damit sie justierbar bleiben (mindestens im Winter mit Wachs), andernfalls dreht man sie nach gewisser Zeit auch mit einem vernünftigen Nippelspanner (dieser sollte natürlich generell hochwertig sein und akkurat angesetzt werden) unweigerlich rund.

Die Nippel auf den letzten Foto sind vom selben Rad, man sieht die verschiedensten Formen zerstörter Alunippel, während der gleichalte Messingnippel noch völlig in Takt ist und sich problemlos drehen ließ, sogar wiederverwendet werden könnte. Von 64 Alunippeln sind nach 7 Jahren zahlreiche Köpfe erschreckend flach, andere ließen sich weder mit Rostlöser noch durch Hitze- und Kältebehandlung von der Speiche lösen und wurden rund oder brachen ab, bei vier Stück half nur noch Rohrzange und Seitenschschneider. Zu Hause lässt sich so etwas mit entsprechend Zeitaufwand und Neumaterial verkraften, unterwegs könnte dieses kleine Teil im ungünstigen Fall zum Tourabbruch führen. Wer öfter zentrieren muss (harter Offroad-Einsatz), auch bei widirigen Witterungsbedingungen unterwegs ist, in Küstennähe wohnt oder generell mehr Wert auf Zuverlässigkeit und Haltbarkeit anstelle von ein paar Gramm Gewichtseinsparung legt, ist mit den günstigeren Messingnippeln besser beraten. Es gibt diese zwar, auch wie die Alunippel, gefärbt, allerdings ist dies mit Vorsicht zu genießen. Die Farbe auf Messingnippeln ist nicht so robust, wie auf eloxierten Alunippeln bzw. deren Farbe dringt einfach tiefer ins Material ein; wer mit farbigen Messingnippeln arbeitet sollte sehr bedacht mit diesen umgehen.

5. Federgabel-Service

Für Federgabeln gibt es vorgeschriebene Service-Intervalle, an die man sich je nach Nutzung ungefähr halten sollte. Hier mal ein Beispiel für einen längst überfälligen Gabelservice und dessen Folgen. Die Federgabel (FOX 32 Talas 150 RL, open bath, Modelljahr 2009) war dicht und lief noch relativ gut, jedoch nicht mehr besonders geschmeidig; auch nicht für eine FOX Talas, die aufgrund ihrer zahlreichen Dichtungs-Einzelteile vergleichsweise von Haus aus nicht überragend sensibel im Ansprechverhalten sein kann. Die Gabel erhielt also einen großen Service, d.h. es wurde nicht nur das Öl und Simmeringe ersetzt, sondern tatsächlich jede Dichtung – und das sind so einige, vor allem viele sehr kleine O-Ringe.

Wie man bereits am alten Öl (rechtes Glas) und den Staubringen sehen kann, war der Schmierstoff bereits restlos verschlissen und voller Schwebstoffe; das Blatt Toilettenpapier zeigt einen Teil des gefilterten alten Absatzes. Obwohl die über den Staubringen liegenden Simmeringe optisch noch einen guten Eindruck gemacht haben und auch noch kein Öl austrat (die alte Ölmenge entsprach dem geforderten neu-Volumen), befanden sich zahlreiche Partikel, w.z.B. Sandkörner in der Gabel. Dies führte zu starken Ablagerungen an den inneren Wandungen der Standrohre, welche sich auch mit Bürste und Reinigungsmitteln nicht mehr restlos entfernen ließen.

Auf der Federseite gibt es zudem starke Auswaschungen der Beschichtung des Tauchrohres, entstanden durch die inneren Kunststoff-Stützringe, welche das Rohr führen und leider keinem Dichtungsset beiliegen (separates Ersatzteil). Diese linke Talasseite enthält erheblich weniger Öl (30ml) als die rechte Dämpferseite (165ml, Tauchrohr noch einwandfrei) und reagiert demzufolge natürlich wesentlich sensibler auf Verschmutzungen bzw. Wartungsstau. Nach diesem umfangreichen Service arbeitete die Gabel wieder wie neu, die Verschleißspuren jedoch blieben. Einen solchen Service kann ein Handwerker bzw. geübter Hobbybastler übrigens auch je nach Gabelmodell ohne Spezialwerkzeug selbst machen.

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